Matrjoschka

unverpuppt

Lange schon habe ich den Eindruck, mich beim Thema Laufen in einer Matrjoschka-Puppe zu befinden.

Kennt ihr diese Puppen? Sie sind aus Holz gefertigt, bunt bemalt und bestehen aus zwei Teilen. Öffnet man sie, kommt eine kleinere Puppe zum Vorschein. Öffnet man die kleinere Puppe, sieht man, dass eine noch kleinere Puppe darin steckt und so weiter. Die innerste Puppe ist der unteilbare Kern der Matrjoschka. Unteilbar (griechisch: atomos) erschien auch zum Zeitpunkt der Wortschöpfung das Atom, und so darf man gespannt sein, wie das innerste Püppchen aussieht.

Als notorisch neugieriges Kind wollte ich schon immer wissen, was wirklich in den Dingen steckt. Was liegt da näher, als auch dem Laufen mal durch Entfernung der Puppenhüllen auf den tatsächlichen Grund zu gehen?

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spritzdreck

Regenwald

Michael Sandler, der US-amerikanische Barfuß-Läufer, bekennt in seinem Buch „Barefoot Running“, dass er es liebt, wenn ihm der Matsch durch die Zehen quilt.

Ich hatte damit immer meine Schwierigkeiten, denn in meinem Laufrevier gibt es keinen Matsch, der nicht kleinere oder größere Steine verbirgt. Einfach so in ein Schlammloch treten verbiete ich mir daher genauso wie das eigentlich lustvolle „in die Pfütze tappen“, denn auch am Grund von Pfützen liegt manchmal scharfkantiges Zeug, auf das man niemals barfuß treten möchte.

Heute war es unmöglich, Matsch und Pfützen zu vermeiden. Wir wurden zwar von den schlimmsten Auswüchsen der heftigen Regenfälle verschont, die zur Zeit unser Land überziehen, aber für eine komplette Durchwässerung meines Waldes hat es gereicht.

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3projekte

2016: 3 Projekte

Zufrieden?

Wovon hängt die Zufriedenheit eines Läufers ab?
Hm, oberflächlich betrachtet von ganz wenig:

  • Keine Wetterkatastrophen wie Orkan oder Hagel
  • Fehlen gesundheitlicher Beeinträchtigungen
  • Abwesenheit von Motivationskillern – besser bekannt als Schweinehund (Variante innerer)

Es müssen also nur einige Bedingungen nicht erfüllt sein, schon sind wir zufrieden?

Wer so läuft, hat das Zeug zum dauerhaften Glücklichsein. Ich kenne allerdings viele Läufer, denen das nicht reicht. Sie möchten ab und zu auch mal einen messbaren Erfolg erreichen, den sie sich gerahmt übers Bett hängen können, als da wären: Wettkampfergebnisse, Ranglistenplätze, Zeiten (gerne auch persönliche Bestzeiten) und vieles dergleichen mehr.

Ich muss gestehen: ich bin ein Mischtyp: mir reicht es fast immer, wenn ich laufen kann. Da kommt es mir entgegen, dass wir nur sehr selten unter Wetterkatastrophen leiden. Seitdem ich barfuß laufe, freue ich mich jeden Tag aufs Neue über gesunde Sehnen, Muskeln und Gelenke. Die Motivation ist für mich auch kein Problem, denn wenn ich keine Lust habe zu laufen, dann laufe ich auch nicht. Das kommt selten vor, aber an diesen Tagen bin ich froh, nicht zum Laufen gezwungen zu sein. Ein bis zwei Tage später packts mich dann sowieso wieder gewaltig.

Jetzt aber zu den Erfolgen, von denen sich manche Läufer so abhängig machen: ich kann nicht leugnen, dass ich auch gerne bestimmte Ziele erreiche. Ich sehe das als objektiven Beleg dafür, auf dem richtigen Weg zu sein, und das ist einfach erklärt:

Obwohl ich hochzufrieden bin, was meinen Umstieg von Schuh auf barfuß betrifft, bin ich mir unsicher, ob die vollständige Gesundung meines Laufapparats am Barfuß-Laufen selbst liegt. Vielleicht kommt der positive Effekt ja daher, dass ich als Barfuß-Läufer anders unterwegs bin als früher mit Schuhen:

  • ich mache kein Tempotraining auf der Bahn mehr (solche Übungen wie 10 x 400 m so schnell es geht)
  • die ganz schnellen Runden in meinem nahen Wald sind selten geworden
  • ich laufe die langen Strecken langsamer als früher.

Deshalb brauche ich auch – wenn auch selten – ab und zu mal einen Fakten-Check. Für dieses Jahr habe ich mir drei Fakten-Checks vorgenommen, die ich als kleine Projekte formuliert habe…

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chip_am_fuss

Zehner ohne

Es gibt Tage, da klappt einfach alles. Und andere, an denen gar nix geht. Manche Tage aber wandeln sich auf geheimnisvolle Weise, um uns zu überraschen. Und natürlich ist es besser, sie fangen schlecht an und enden gut.

Heute war so ein Tag. Weil ich gerne wissen wollte, ob meine Füße schon robust genug sind für einen kurzen schnellen barfüßigen Laufwettkampf, habe ich mich beim HK-Kreisstadt-Lauf angemeldet. Das ist ein 10KM-Wettkampf, der von der neuen Kreisstadt Hofheim zur früheren Kreisstadt Höchst geht. Kurios ist, dass Höchst zwar der Sitz der Kreisverwaltung war, selbst aber nicht im Main-Taunus-Kreis liegt, sondern zur Stadt Frankfurt am Main gehört.

Start des Laufs war um 10:00 Uhr. Bis zum Start waren mir jedoch schon zwei blöde Sachen passiert:

Gleich nach dem Aufstehen merkte ich einen kurzen stechenden Schmerz im Lendenwirbel-Bereich. Ursache war sicher mein schweres Heben gestern. Ich versuchte daher, durch vorsichtige Bewegungen und leichte Selbstmassage das Stechen wieder wegzukriegen. Als ich das Haus verließ, war es zwar noch leicht zu spüren, aber es schien so, als würde es mich nicht beim Lauf behindern.

Das zweite war ein eigenartiges Ziehen in der linken Wade, als hätte ich in der Nacht einen Krampf gehabt. Ich bemerkte es beim Einlaufen, und ich lief schon ziemlich langsam. Was wäre, wenn das Ziehen sich beim schnelleren Laufen zu einer Verhärtung ausweiten würde? Ich merkte zwar inzwischen nichts mehr vom Stechen im Rücken, aber dafür war jetzt die Wade da.

Als ob sich der alte Spruch meines alten Laufkumpels Tommy bewahrheiten wollte („nie werden gleichzeitig so viele Leute gesund wie beim Startschuss“), war weder Rücken noch Wade noch zu spüren, als um 10:00 Uhr der Countdown lief und sich die ca. 1.300 Läufer in Bewegung setzten. Zwar war ich heilfroh, ohne Wehwehchen loslaufen zu können, aber schon für die 10m zur Startlinie (ich stand nicht ganz vorne) brauchte ich ca. 20 Sekunden, so groß und träge war der Pulk, in dem ich steckte. Macht ja nix, wird ja Netto berechnet. Die Zeit fängt für mich an zu laufen, wenn der Chip an meinem Knöchel über die erste Matte läuft.

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feuerfuss

TDL 1

Heute habe ich meinen ersten barfüßigen Tempodauerlauf (TDL) im steinigen Wald über 10 km gemacht. Das ganze war so toll, dass ich mir vorgenommen habe, eine ganze Menge darüber zu schreiben. Ich hatte auch schon einen ersten Entwurf fertig, der meinen Stolz darüber zum Ausdruck bringen sollte, wie gut sich meine Sohlen in den letzten Jahren entwickelt haben. Und dass man so etwas nirgendwo kaufen kann. Nicht für alles Geld der Welt! Und wie organisch, locker und leichtfüßig sich dieser schnelle Lauf im ganzen Körper angefühlt hat.

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Locker lesen – locker laufen!

Eine Buchempfehlung für alle, die sich nicht gern selbst im Weg stehen

Ein wichtiger Grundsatz beim Laufen lautet: setze nur so viel Kraft ein, wie du wirklich brauchst. Gelingt es uns, diesem Grundsatz so weit wie möglich zu folgen, entsteht ein müheloses, leichtes, freudvolles und vergnügliches Laufen.

Ich vergleiche immer wieder gerne das Laufen mit dem Leben; mir fällt auf, dass die meisten Läufer so laufen, wie sie leben. Manche versuchen, mit hohem Einsatz bestimmte Ziele zu erreichen („train hard, win easy“). Nicht wenige verlieren dabei ihre Lockerheit und werden zu verbissenen Athleten, die sich von mächtigen Gegnern umstellt sehen („Der Job hindert mich daran, richtig zu trainieren“, „Die Scheiß Erkältung, genau jetzt…“, „Das Wetter hat einfach nicht gepasst“ etc.). Nur allzu gerne übersehen sie, dass sie selbst es sind, die es sich so schwer machen.

Patrick Lynen hat ein kleines Büchlein verfasst, welches uns in 33 täglichen Mini-Lektionen die ehrgeizig zusammengekniffenen Augen öffnet für eine Welt voller Wunder, wie wir sie mit kindlich-unvoreingenommenem Gemüt noch erleben durften…

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maschinelles_laufen

Maschinelles Laufen

Wenn ich manchmal so sehr fasziniert bin von unserer Fähigkeit, auf zwei Beinen zu laufen,  beschleicht mich der Verdacht, dass ich nur einen Grund suche, nicht auf die viel schnelleren Vierbeiner neidisch zu sein.

Und tatsächlich: da unsere spezifisch menschliche Art der Fortbewegung nur den Trab, nicht aber den Galopp erlaubt (bei dem der Abstoß mit beiden Beinen geschieht), sind wir vergleichsweise langsam. Dass nicht alle Zweibeiner auf den Trab festgelegt sind, sieht man an den Känguruhs, die – sobald sie Gas geben – mit beiden Beinen springen. Oder – gleich 3 Nummern kleiner – an den Amseln, die für ihre Größe ziemlich schnell laufen (hüpfen) können, ebenfalls im Galopp.

Wir aber springen von einem Bein auf das andere und müssen dabei in erster Linie eine gewaltige Gleichgewichtsaufgabe lösen. Dies umso mehr, je unebener der Untergrund ist. Nicht, dass ich noch nie davon berichtet hätte, aber man staunt immer wieder über den Grund für diese nur auf den ersten Blick so ineffiziente Fortbewegungsmethode: in den weiten Steppen Afrikas (die Heimat unserer Spezies, auch wenn einige Ewiggestrige das aus ideologischen Gründen leugnen) boten wir dank der senkrechten Haltung der sengenden Sonne nur eine minimale Angriffsfläche. Verbunden mit der Fähigkeit zu schwitzen erlaubte uns dies, lange und ausdauernd hinter wesentlich schnelleren, aber Hitze-anfälligen Vierbeinern herzulaufen, bis diese schließlich den Hitzschlag erlitten oder erschöpft auf den erlösenden Speerwurf warten mussten. Wir waren (sind) eben hinterfotzige Raubtiere, die Werkzeuge benutzen…

Für uns hat sich also die Entwicklung starker, flexibler Füße, unglaublich strapazierfähiger Achillessehnen, perfekt aufeinander abgestimmter Gelenke und Muskeln und vor allem das Herausbilden einer ausgefeilten Propriozeption (Innenwahrnehmung aller Gelenkwinkel, Muskelspannungen, der Lage im Raum etc.) richtig gelohnt.

Wir haben irgendwann ein großes Gehirn entwickelt, das heute alle anderen Lebewesen auf dem Planeten beherrschen oder wenigstens vernichten kann. Wir haben Macht über Leben und Tod bekommen und in Folge dessen ein maßlos übersteigertes Selbstbewusstsein.

Inzwischen sind wir selbst in der Lage, Wesen zu erschaffen, die auf zwei Beinen laufen können und uns irgendwann einmal übertreffen sollen. Wir nennen sie Roboter und geben ihnen eine Gestalt, die unserer ähnelt, denn wir wollen zeigen, dass auch wir als Schöpfer taugen.

Wie weit wir damit bis heute gekommen sind, habe ich mir kürzlich angesehen und mich dabei ganz köstlich amüsiert. Ihr merkt schon: es macht mir verdammt viel Spaß, unsere Hightech-Errungenschaften durch den Kakao zu ziehen. Hier sind zwei meiner Fundstücke, die es anzuschauen lohnt:

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gluecksmomente

Glücksmomente

Was macht mich glücklich beim Laufen?

Wenn ich in der letzten Zeit meine Waldrunden laufe, fällt mir immer wieder auf, dass ich gegen Ende der letzten Runde so ein „Schade!“ Gefühl empfinde, und dabei denke: „Schon vorbei?“.

Ich versuche dann, die letzten 500 Meter noch mal ganz besonders zu genießen, aber irgendwann sind auch die vorbei. Natürlich könnte ich nochmal 5 km dranhängen, aber das würde mich nicht vor dem „Schade! Schon vorbei?“ Gefühl schützen.

Das einzige, was helfen würde, wäre so lange zu laufen, bis ich vor Ermüdung froh bin, dass es die letzten Meter sind, die ich da vor mir habe. Aber dazu fehlt mir an Arbeitstagen die Zeit, denn das müssten dann schon deutlich über 30 km sein, und die kommen nur am Wochenende in Frage.

Was ist es, das mir beim Laufen so viel Spaß macht, dass ich das nahende Ende bedaure? Ich habe einmal ganz genau in mich hinein gefühlt und wurde fündig…

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wohlleben_baeume

Wissen für Waldläufer

Wenn wir achtsam im Wald laufen, ahnen wir, von vielen faszinierenden Lebewesen umgeben zu sein. Die größten von ihnen – die Bäume – sehen wir (zumindest oberirdisch) so gut, dass wir dazu neigen, den Rest zu übersehen. In diesem Zusammenhang bekommt das Sprichwort „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ eine neue, tiefere Bedeutung. Das Treiben unter der Erdoberfläche bleibt vor unseren Augen versteckt, unabhängig davon, ob es sich um die Vorgänge im Wurzelwerk der Bäume, das Leben der Mikroben oder die komplexen Aktivitäten der Pilze handelt. Nicht, dass man all dies kennen muss, aber eine geballte Ladung neuer Informationen über das Leben im Wald kann die Augen öffnen und für ganz neue, erfüllende Lauferlebnisse sorgen.

Der Förster Peter Wohlleben hat jetzt ein Buch über Bäume geschrieben.

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