2016: 3 Projekte

Zufrieden?

Wovon hängt die Zufriedenheit eines Läufers ab?
Hm, oberflächlich betrachtet von ganz wenig:

  • Keine Wetterkatastrophen wie Orkan oder Hagel
  • Fehlen gesundheitlicher Beeinträchtigungen
  • Abwesenheit von Motivationskillern – besser bekannt als Schweinehund (Variante innerer)

Es müssen also nur einige Bedingungen nicht erfüllt sein, schon sind wir zufrieden?

Wer so läuft, hat das Zeug zum dauerhaften Glücklichsein. Ich kenne allerdings viele Läufer, denen das nicht reicht. Sie möchten ab und zu auch mal einen messbaren Erfolg erreichen, den sie sich gerahmt übers Bett hängen können, als da wären: Wettkampfergebnisse, Ranglistenplätze, Zeiten (gerne auch persönliche Bestzeiten) und vieles dergleichen mehr.

Ich muss gestehen: ich bin ein Mischtyp: mir reicht es fast immer, wenn ich laufen kann. Da kommt es mir entgegen, dass wir nur sehr selten unter Wetterkatastrophen leiden. Seitdem ich barfuß laufe, freue ich mich jeden Tag aufs Neue über gesunde Sehnen, Muskeln und Gelenke. Die Motivation ist für mich auch kein Problem, denn wenn ich keine Lust habe zu laufen, dann laufe ich auch nicht. Das kommt selten vor, aber an diesen Tagen bin ich froh, nicht zum Laufen gezwungen zu sein. Ein bis zwei Tage später packts mich dann sowieso wieder gewaltig.

Jetzt aber zu den Erfolgen, von denen sich manche Läufer so abhängig machen: ich kann nicht leugnen, dass ich auch gerne bestimmte Ziele erreiche. Ich sehe das als objektiven Beleg dafür, auf dem richtigen Weg zu sein, und das ist einfach erklärt:

Obwohl ich hochzufrieden bin, was meinen Umstieg von Schuh auf barfuß betrifft, bin ich mir unsicher, ob die vollständige Gesundung meines Laufapparats am Barfuß-Laufen selbst liegt. Vielleicht kommt der positive Effekt ja daher, dass ich als Barfuß-Läufer anders unterwegs bin als früher mit Schuhen:

  • ich mache kein Tempotraining auf der Bahn mehr (solche Übungen wie 10 x 400 m so schnell es geht)
  • die ganz schnellen Runden in meinem nahen Wald sind selten geworden
  • ich laufe die langen Strecken langsamer als früher.

Deshalb brauche ich auch – wenn auch selten – ab und zu mal einen Fakten-Check. Für dieses Jahr habe ich mir drei Fakten-Checks vorgenommen, die ich als kleine Projekte formuliert habe…

Meine 3 Barfuß-Projekte für 2016

Ein Zehner unter 40: Zehner ohne

Die Vorbereitung dafür war nicht sehr aufwändig und auch nur selten anstrengend: ich habe für eine gute Grundlagenausdauer – vor allem am Wochenende – reichlich lange Läufe zwischen 20 und 30km gemacht; das hätte ich aber auch ohne das Zehner-Projekt, weil mir die langen Läufe viel Spaß machen. Anstrengend waren die schnellen Läufe in meinem nahe gelegenen Wald (eine Eichwald-Runde kommt einem 5km-Strassenlauf fast exakt gleich). Diese schnellen Eichwald-Runden gingen nur mit Schuhen (SoleRunner, FiveFingers oder Huaraches). Davon habe ich in der Vorbereitungszeit 3 gemacht und mich über Zeiten zwischen 19:15 und 19:45 Minuten gefreut, war danach aber auch ziemlich erledigt. 40 Minuten auf die doppelte Entfernung und barfuß, das blieb die Herausforderung.

Das Projekt habe ich am 5. Mai 2016 abschließen können, siehe hier: Zehner ohne.

Eine Waldrunde unter 20: Eichwald 20

Wie zuvor beschrieben, kann ich eine 5km-Runde im Eichwald unter 20 Minuten schaffen, bislang aber nur, wenn ich eine (dünne, was sonst?) Sohle unter den Füßen habe. Grund: es gibt reichlich Strecken, auf denen größere Steine liegen und viele Abschnitte, die von pieksigen kleinen Steinchen nur so strotzen. Barfuß laufen heißt in meinem Wald:

  • möglichst die Piekser der kleinen Steinchen ignorieren
  • auf keinen Fall auf die großen Steine treten.

Jedes „Aus-dem-Rhythmus-Kommen“ wegen Schrittverlängerung oder -verkürzung ist Gift für die Laufeffizienz und gefährdet damit das 20-Minuten-Ziel. Die eigentliche Herausforderung ist also ein extrem schnelles Auge („sieh die großen Steine, bevor du auf sie trittst“), verbunden mit einer schnellen Schrittlängenänderung, wofür man mehr Kraft braucht.

Als Training bin ich in den vergangenen Wochen barfuß die Eichwald-Runden immer auch mal flott gelaufen, was eine Zeit von ca. 22:30 Min bedeutet haben könnte. Weil ich meistens ohne Uhr laufe, kann ich nur nach meinem Gefühl gehen.

Am Tag X müssen die Bedingungen deshalb auch gnädig sein: es sollte in den Tagen zuvor so viel geregnet haben, dass der Boden nicht steinhart ist, sondern wenigstens ein bisschen nachgibt, wenn man auf die Steine tritt. Auf gar keinen Fall darf er so trocken sein, dass die Steine lose liegen und von den Füßen mit nach vorne geschleppt werden, wo man dann keine Chance mehr hat, ihnen auszuweichen.

Als besonderes Gimmick habe ich den Video-Beweis vorgesehen: ein Vereinskollege wird den Lauf mit meiner kleinen Action-Cam begleiten, indem er mir mit dem Rad dicht auf den Fersen ist. Wer also Lust hat, 20 Minuten lang mitzufiebern (oder mich einfach nur barfuß laufen zu sehen), ist herzlich dazu eingeladen. Anschließend darf dann auch gerne über meine Lauftechnik gemeckert werden 🙂

Ein Marathon in 3:15: Frankfurt 195

Das letzte meiner 3 Projekte in 2016 ist der Frankfurt-Marathon. Angemeldet bin ich schon und ich wünsche mir, dass nicht wieder – wie im letzten Jahr – etwas Schlimmes dazwischen kommt (Fredy – Liebe statt Leistung).

Anders als bei meinem ersten barfüßigen Marathon (2014: knapp 4 Stunden) möchte ich in diesem Jahr wieder auf Zeit laufen und nach 3:15 (195 Minuten, daher der Projektname) ankommen. Dazu gehören dann doch einige lange Vorbereitungs-Läufe barfuß, die zumindest im letzten Drittel in Wettkampfgeschwindigkeit gelaufen werden und schon eine sehr sehr robuste Sohle voraussetzen. Die Reibung bei einem 4:37er Schnitt ist doch sehr viel höher als bei 5:37 Min/km. Eine Minute weniger für den Kilometer zu brauchen als vor zwei Jahren macht einen riesen Unterschied. Wir werden sehen (und berichten)

Wie sieht es bei Euch aus?

Habt Ihr auch Lauf-Projekte, die ihr in diesem Jahr oder später mal (Fernziele, Lebensträume) realisieren wollt?

8 Gedanken zu: 2016: 3 Projekte

  1. Lieber Wolfgang,
    ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen 3 bzw. noch 2 ausstehenden Projekten, aber v.a. Spass sowohl in der jeweiligen Vorbereitung als auch beim Lauf selbst. Dein 10er war ja schon beeindruckend (sorry, habe erst jetzt davon gelesen, war etwas eingespannt ausserhalb der virtuellen Welt), deshalb bin ich v.a. auf die Marathondistanz gespannt.
    Beim barfuß laufen ist bei mir bei 10-15 km Schluss, mit den FiveFingers war ich auch schon deutlich weiter unterwegs. Aber meine Fußsohlen werden nackig mit zunehmender Distanz empfindlicher, und auch die Spannung in der Muskulatur des Fußgewölbes nimmt mit nackigen Füßen schneller ab…aber dafür gibt es ja die Barfußschuhe 😉
    Ich bin ja überhaupt kein Wettkampf-Typ, deshalb sind meine Ziele auch sehr verhalten, Hauptsache ich kann laufen – müssen, muss ich auch schon lange nicht mehr 🙂 Dennoch will ich in diesem Jahr noch mein Schwarzwald-Projekt stemmen, sprich die schönsten Etappen des Westweges in zwei Tagesläufen (oder nonstop, je nach Verfassung), aber momentan bin ich da nicht so optimistisch…zuviel Kurz- und zu wenig Langstrecke im Alltag, aber wer weiß.

    Salut und mach weiter so, das gefällt mir sehr

    1. Hi Christian,

      das Marathon-Projekt ist tatsächlich das spannendere, das sehe ich wie du. Nicht so sehr wegen der Laufzeit, sondern weil allein die barfüßige Durchführung von Rahmenbedingungen abhängt, die ich nicht beeinflussen kann: es darf keinen Bodenfrost geben (den gab es schon in Frankfurt Ende Oktober) und sowohl in der Vorbereitung als auch am Renntag darf es keine äußeren Verletzungen der Füße geben. Den Termin kann ich ja auch nicht frei wählen wie bei meinem „Eichwald 20“-Projekt.
      Die Eichwald-Runde ist mir allerdings das sympathischere Vorhaben, weil es mich näher an unsere natürliche Fähigkeit bringt, schnell mit nackten Füßen (wie die Tiere, die ja auch ohne Schuhe zur Welt kommen) über anspruchsvolles Terrain zu laufen.

      Für dein Schwarzwald-Projekt wünsch‘ ich dir auf alle Fälle gutes Gelingen und hoffe, du wirst darüber in deinem Blog berichten. Ich stelle mir vor, dass es dabei landschaftlich wesentlich interessanter zugeht als bei meinen Projekten.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. Lieber Wolfgang, den 10er ohne fand ich ja schon beeindruckend, aber ein Marathon ohne in 3:15 … das ist mehr als spannend!
    Die 5km wirst Du bestimmt packen, alles eine Frage der Bedingungen, ich freu mich schon aufs Filmchen. Auf jeden Fall viel Erfolg vorab, Spaß wirst Du eh haben 😉
    Meine Projekte sind derzeit sehr überschaubar. Teilweise bin ich bereits für sorgfältig ausgesuchte Läufe (ohne Bestzeitendruck) angemeldet, aber in erster Linie wird das Barfusslaufen weiter ausgebaut, wobei ich mir da kein zeitliches Ziel gesetzt hab.
    Und die Distanzen sollen länger werden, langsam und gemächlich meine psychologischen Grenzen überwinden.Zu dem Thema schweben mir bereits ein paar interessanten Routen im Kopf herum, Umsetzung wahrscheinlich spontan nach Laune 🙂

    1. Hi Oliver,

      auch wenn es keine riesen Projekte sind mit ausgefeilter Vorbereitung und höchster Anspannung am Tag des Ereignisses, aber auch und gerade die interessanten Ideen im Hinterkopf können einen immer wieder dazu bringen, Grenzen zu verschieben. Die Intention bewegt uns oft mehr als der ganz große Plan! Und oft tritt irgendwann im Zuge dieser gut verträglichen (quantitativen) Grenz-Verschieberei ein qualitativer Sprung auf, der einen selbst überrascht. Das ist kaum zu verhindern und immer wieder wunderschön, wenn man sich dessen bewusst wird.

      Ich wünsch‘ dir ganz herzlich, dass du es jedesmal genießen kannst, wenn ein neues Plateau erreicht ist!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  3. Lieber Wolfgang,

    mögen weiterhin deine Pläne, Träume Wirklichkeit werden, das eine hast du bereits erfolgreich abgehakt, das nächste Projekt wird dir sicherlich auch gelingen.

    Konkrete Laufpläne habe ich (noch) nicht, weil ich immer noch mit großer Aufmerksamkeit meine zum Glück überstandene Meniskus-Geschichte beobachte. Träume habe ich zum größten Teil schon erfüllt, die langen Kanten alle gelaufen, die ich wollte, ab und zu ein “ Bonbon “ , ansonsten nur Laufen um des Laufens willen, möglichst auch mal wieder länger, der Anfang ist gemacht.

    Viel Glück – das Leben ist laufenswert – sag‘ ich doch ! 😎

    1. Hi Margitta,

      die Sache mit deinem Meniskus erinnert mich an einen Spruch meines 1993 verstorbenen Vaters: „Ein Gesunder hat viele Wünsche, ein Kranker nur einen.“.
      Wie ich bei dir lesen kann, ist dieser eine Wunsch bei dir in Erfüllung gegangen und du kannst wieder laufen. Alles weitere ist nur Zugabe und nicht die Hauptsache!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  4. Hallo Wolfgang,

    ist schon wahnsinn, was Du da barfuss für Zeiten hinlegst und sicher auch noch weiter hinlegen wirst. Und 25 bist ja auch nimmer 😉

    Warum Du allerdings einen Straßenmarathon barfuss laufen willst, das erschließt sich mir nicht. Natürliche Laufform auf unnatürlichem Grund und das 42,2km lang… Ich kann nicht recht glauben, dass das im Sinne des Erfinders ist.

    Warum nimmst Du Dir nicht einen schönen Landschaftsmarathon auf natürlichem Grund dafür vor? Wenn Du den dann ich 3:25 läufst, weil ein paar Hügel drin waren, dann bist Du relativ betrachtet wahrscheinlich sogar weiter vorne als Du in Frankfurt landen kannst. Ich bin den Frankfurt-Marathon ja auch schon zweimal gelaufen, was ich rückblickend eigentlich gar nicht mehr so recht verstehen kann.

    Naja gut, ist ja quasi dein Heim-Marathon… in München würde ich vielleicht auch noch mal… oder nee, zuviel los für mich 😉

    Übertreibs nicht! Nicht dass Du eines Tages Hokas tragen musst.

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Hi Sebastian,

      die Sache mit der natürlichen Laufform auf unnatürlichem Grund stellt sich bei mir anders dar: im Wald und über Wiesen werden die Füße maximal gefordert und belastet, zumindest hier in der Gegend, weil die Waldwege vor Steinen und Steinchen nur so strotzen. Strasse hingegen fühlt sich – wenn es nicht gerade ein alter, rauh gewordener Asphalt ist – so sanft und weich an wie Pulverschnee für Wintersportler. Der Gipfel der Genüsse (klingt bescheuert, fühlt sich aber wirklich geil an) sind die breiten weißen Fahrbahnmarkierungsstreifen. Deshalb habe ich nichts gegen die Straße, ganz im Gegenteil: zur Zeit wechsle ich tageweise ab: 10 oder 15 km Wald, anderntags bis zu 20 km Strasse zur Erholung der Sohlen und am Wochenende lange Läufe im Taunus, aber dann mit Fivefingers oder Huaraches (SoleRunners sind mir derzeit zu warm).

      Den Frankfurt Marathon laufe ich, weil:

      • er vor der Haustür liegt (20 Min. S-Bahn)
      • mein Verein, die LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain dort läuft und wir immer gute Mannschaften stellen
      • er mein allererster Marathon war (meine dicke sentimentale Ader)
      • und weil der Einlauf in die Festhalle mit Musik, Blitzlichtern und den vielen Menschen als Abschluss einer langen Leistung einfach genial ist.

      Das mit dem Übertreiben kann ich nicht garantieren, dazu hab ich auch mit 55 nach wie vor einen Energieüberschuss, der ab und zu mal entladen werden will. Ich gehe heute nicht mehr jedes Risiko ein, aber zu Ende verwalten wollte ich mein Leben nicht.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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