3 x 17 – mehr Speed, mehr Spaß

In den letzten 3 Tagen bin ich morgens immer dieselbe 17km-Runde gelaufen. Vorgestern mit einem Freund im gemütlichen „Schwätz-Tempo“, gestern flotter, aber noch mit Atmung durch die Nase und am schnellsten heute in Form eines Tempodauerlaufs. Interessant ist, wie sich die Sohlen bei den unterschiedlichen Geschwindigkeiten anfühlten.

Zunächst zur Strecke: sie verläuft überwiegend auf Bürgersteigen (Verbundsteine), Feldwegen (große Bodenplatten, vermutlich Beton). Ein Teil führt über eine Zufahrtsstrasse aus altem, rauhen Asphalt; danach verlaufen ca. 1,5 km durch ein Arboretum auf Untergrund mit gepresstem weißen Steinstaub mit kleinen Steinchen (Quälgeister von 1 – 5 mm Dicke, spitz);  das Schlussstück der Runde – ca. 500m – geht durch eine Wiese mit sehr unebenem Boden.

Der gemütlichste Lauf fand vorgestern statt. Fast die gesamte Strecke hindurch habe ich meine Fußsohlen kaum bemerkt, was aber auch an der Unterhaltung lag, schließlich liefen wir ja zu zweit. Nur im Arboretum mit seinen kleinen Steinchen wurde es unangenehm und ich musste noch ein wenig langsamer laufen. Die Gesamtstrecke haben wir etwa im 6er Schnitt zurückgelegt.

Flotter wurde der Lauf gestern früh: ich wollte wissen, wie schnell man die Strecke laufen kann, ohne durch den Mund atmen zu müssen. Nach gemütlichem Anfang habe ich mich ein wenig nach vorne gelehnt und mich darüber gefreut, dass ich schon einen härteren Impact auf Ballen und Zehen vertrage. Wieder bremste mich das Arboretum mit seinem schwierigen Bodenbelag, dafür habe ich aber die letzten 500m auf der Wiese noch mal beschleunigt, so dass ich dann doch durch den Mund atmen musste. Das hat irre Spaß gemacht und heraus kam ein 5er Schnitt. Ich war überrascht, wie wenig Nachwirkungen der höhere Druck auf die Sohle verursachte und nahm mir vor, das Tempo am nächsten Tag nochmals zu erhöhen.

Der dritte Tag – heute – sollte anstrengend werden: ich hatte mir vorgenommen, einen 4:30er Schnitt zu laufen. So schnell war ich noch nie auf einer Strecke dieser Länge barfuß unterwegs. Fraglich war daher nicht nur, ob das die Sohlen so problemlos mitmachen würden wie an den beiden Tagen zuvor, sondern auch, ob ich das schon von der Ausdauer her packen würde. Immerhin starte ich ja nicht mit einem 4:30er Schnitt und kann diesen auch nicht auf dem problematischen Arboretum-Untergrund halten. Tatsächlich ergibt sich daher auf den schneller gelaufenen Strecken ein 4:20er Schnitt, und das ist schon sehr nahe an dem 4:16er Speed, den man für einen „Unter 3 Stunden“ Marathon braucht. Gut, dass meine heutige Strecke „nur“ 17 km lang war.
Bis km 11 gab es weder Konditions- noch Sohlenprobleme, da jeglicher Untergrund gut zu laufen war und ich auch keinen Steinchen ausweichen musste. Der höhere Speed hat richtig viel Spaß gemacht! Dann kam die Strasse mit dem rauhen Asphalt und nahm mir etwas den Schwung, weil ich den Fuß zur besseren Druckverteilung flacher aufsetzen musste. Aus dem federnden, karftsparenden Vorfußlauf wurde dadurch ein dämpfender Mittelfuß-Lauf. Anschließend ging es ins Arboretum und ich versuchte, nicht noch langsamer zu werden, was leider nicht so ganz gelang. Nach den 1,5km Arboretum war die Luft raus; ich freute mich zwar, dass ich jetzt wieder federnd laufen konnte, aber das Mühelose, Leichte der ersten 11km war weg. Also durchbeißen und die letzten 4 km zu Ende bringen, schließlich war ich ja auch neugierig auf meine Kondition. Als ich das Schlussstück mit der Wiese erreichte, freuten sich zwar die Sohlen über den natürlichen Untergrund, aber ich war schon ziemlich platt und konnte das ganze nicht mehr richtig genießen und schon gar nicht mehr beschleunigen. Den 4:30er Schnitt habe ich nur ganz knapp verfehlt. Datenjunkies würden feststellen, dass die Höhenbereinigung sogar einen flotteren Schnitt ausgewiesen hätte, aber von diesen Spielereien bin ich inzwischen sehr weit weg.

Für die Feststellung, ob meine Füße bereits so robust sind, dass ich barfuß schon Geschwindigkeiten laufen kann, die früher nur in Schuhen möglich waren, haben die drei Tage aber ein sehr befriedigendes Ergebnis gebracht: JA, wenn der Untergrund nicht mit Steinchen gespickt ist, kann ich jetzt wieder problemlos jeden Speed laufen, den meine Kondition mitmacht. Und das Schönste: das schnellere Laufen ist mit seinen kürzeren Bodenkontaktzeiten zwar härter für die Sohle, hat aber genausowenig Nachwirkungen wie das langsamere Laufen. Der Fuß wird bei einem festeren Impact automatisch robuster, und das liegt sicher an seiner genialen Konstruktion!
So ist durch einen Zeitraum von 1,5 Saisons (letztes Jahr und die halbe diesjährige „warme“ Saison) aus meinen Füßen von der Robustheit und Belastbarkeit etwas mit einem Schuh Vergleichbares geworden; von der Sanftheit des Aufpralls und dem intensiven, genussvollen Laufgefühl sowie von der Bewegungssteuerung jedoch bin ich um so vieles zufriedener als zu meiner Schuh-Zeit, dass ich sicher erst dann wieder Schuhe anziehen werde, wenn mir sonst die Füße abfrieren würden.

Fazit: man braucht Geduld, viel Geduld sogar: 1,5 Jahre konsequenten Laufens ohne Schuhe. Aber man muss sonst nichts dafür tun: die Füße werden von selbst zu etwas, mit dem man besser laufen kann als mit jedem Laufschuh der Welt. Und würde man sich das barfüßige Laufen nicht abgewöhnen, könnte man es von dem Moment an, wo man auf eigenen Beinen stehen kann.