41.195 – 10 – 2

Drei Zahlen, die mir heute viel bedeuten.

Die erste kennen alle Marathonis. Es ist exakt die Marathondistanz  (minus 1.000) in Metern. Und genau soweit bin ich gestern gelaufen. In 4:15 Std. Barfuß. kein Wettkampf, nur Training.

Die zweite war der Geldbetrag in Euro, den ich für den Fall mitgenommen hatte, dass etwas schiefgeht.

Die dritte, das ist Tag 2, der heutige Tag. Jener Tag, an dem ich beurteilen kann, wie gut ich den gestrigen überstanden habe. Aber alles der Reihe nach…

16 Tage vor dem Frankfurt Marathon wollte ich einfach wissen, wie weit die Füße tragen, wenn man keine Schuhe trägt. 35 km hatte ich schon mal geschafft ohne negative Folgen, prima. Die Distanz gestern war aber aus zwei Gründen eine ganz andere Hausnummer: erstens verläuft eine Ermüdung ab einem bestimmten Zeitpunkt immer progressiv; man ermüdet immer schneller. Zweitens waren die Bedingungen insofern ungünstig, als dass es viel Bodennässe gab, und die führt wegen der Weichmacher-Wirkung des Wassers zu einer weniger robusten Fußsohle. Also: 40 km – soviel wollte ich gestern laufen – auf nassem Boden ist wirklich was ganz anderes als 35 km bei Trockenheit.

Gestartet bin ich in aller Herrgottsfrühe. Erst nach etwa einer Stunde gab es soviel Licht, dass ich auf dem Boden mehr erkennen konnte als nur Flecken in verschiedenen Graustufen. Und weil diese alles hätten sein können – Steinchen, Kastanien, Teile von Bierflaschen oder Hundekot – musste ich während dieser Zeit sehr vorsichtig laufen. Dazu kam noch, dass der Boden ziemlich kühl war. Um warme Füße zu behalten, musste Ich schön mit den Zehen arbeiten. Greifbewegungen mit dem Fuß, solange das Bein nach vorne schwingt.

Nach ca. 100 Minuten kam die erste Wiesenfläche. So sehr ich mich auf sie gefreut hatte, so überrascht war ich von dem weichen, warmen Untergrund, den ich bei einem der ersten Schritte „betrat“. Kein Zweifel: hier musste sich ein ziemlich großer Hund seines Darminhalts entledigt haben, was ich bei dem etwas höheren Gras leider erst merkte, als es zu spät war.  Gut, dachte ich, dass die Füße keine Öffnungen haben und auch kein stoffliches Obermaterial (wie eben Laufschuhe), und ließ sie bei den nächsten Schritten einfach feste durchs Gras schleifen. 300 m weiter, am Ende der Wiesenfläche, schaute ich mir das Ergebnis an: wie frisch geduscht; von dem Hundehaufen war absolut nichts mehr zu sehen.

Nach weiteren 50 Minuten kam ich an eine Stelle, an der ich den Lauf auf 35 km verkürzen konnte. Ich befürchtete, die Nässe könnte doch auf die lange Distanz zu wunder Haut und Blasen führen, und tatsächlich sahen die Hautpartien zwischen dem Ballen und den Zehenspitzen (die sonst auch nicht auf den Boden kommen und deshalb keine stärkere Haut haben) rosa und ein wenig aufgequollen aus. Weil sie aber bei Berührung nicht schmerzten, entschied ich mich gegen die Abkürzung und lief doch die ganz große Runde. Wegen einer Baustelle musste ich dann noch einen Umweg laufen, so dass statt den geplanten 40 km dann rund 41,2 km rauskamen.

41195

Meine 10,- €, mit denen ich mir unterwegs Wasser, Energieriegel, oder eine Fahrt mit den Öffis hätte leisten können, wenn es zu einem Einbruch oder zu Fußverletzungen gekommen wäre, habe ich unangebrochen wieder mit nach Hause gebracht.

Nach dem Duschen wurde mir klar, dass eine so lange Distanz auf feuchtem Untergrund mehr war als nur eine Grenze verschoben zu haben. Dass ich zwar bis zum Abend leicht brennende und deutliche empfindlichere Sohlen hatte, konnte nichts an dem Eindruck ändern, eine neue Stufe der Robustheit erreicht zu haben.

Heute, einen Tag später, kann ich beurteilen, wie belastend die Einheit gestern war. Ich hatte mich heute für 07:30 Uhr mit einem Laufkollegen zu einem ruhigen Lauf verabredet. Gestern abend hatte ich mir noch vorgenommen, heute früh in Minimalschuhen zu laufen, um der Sohle noch etwas Erholung zu gönnen. Heute früh fühlten sich die Sohlen aber wieder hinreichend erholt an, so dass ich die ca. 10 km doch barfuß gelaufen bin. Ein richtiges Vergnügen war das jedoch nicht: ich spürte recht deutlich, dass die Sohlen noch wesentlich empfindlicher waren als vor dem gestrigen Lauf. Den Härtetest haben sie aber überstanden: wieder keine Blasen oder offene Stellen. Die nächsten zwei Tage werde ich aber nicht laufen, um der Regeneration genügend Zeit zu geben.

Was den Frankfurt-Marathon betrifft, habe ich jetzt vor Nässe keine Angst mehr, und wenn es am Wettkampfsonntag nicht zu kalt wird, kann der Lauf zu einem wirklichen Höhepunkt werden. Ich freu mich jedenfalls jetzt schon auf den 26. Oktober wie ein Kind auf Weihnachten.