Auf Schnails zum alten König

Im Taunus liegt noch Schnee. Zwar hat es schon lange nicht mehr geschneit, aber dank der dauerhaft niedrigen Temperaturen hat sich eine schöne Schneedecke erhalten. Sie ist umso schöner, je weniger der Schnee festgetreten und glattgeschrubbt ist. Also eher auf Trails als auf den breiten Hauptwegen.

Vor einigen Tagen habe ich in einer meiner Kruschelschubladen ein kleines altes Outdoor-Navi gefunden. Ich hatte mir vorgenommen, es zu verkaufen und wollte nur nochmal testen, ob es noch geht. Beim Test war ich überrascht, was das kleine Kerlchen alles kann und habe beschlossen, es vorerst zu behalten.

Schnee + Trails + Outdoor-Navi = ?

Wer im Taunus ganz hoch hinaus will, nimmt den höchsten Berg, den Großen Feldberg. Verglichen mit dem Feldberg im Schwarzwald ist er zwar nur ein kleiner Feldberg, aber den Großen Feldberg im Taunus darf man trotzdem nicht „Kleiner Feldberg“ nennen, weil der zweithöchste Berg im Taunus bereits „Kleiner Feldberg“ heißt.

Für alle, denen am Großen Feldberg zu viel los ist (immerhin kann man ja mit dem Auto oder Bus hochfahren, oder sich mit dem Motorrad in der berüchtigten Applaus-Kurve auf die Schnauze legen), bietet der Altkönig als dritthöchster Berg (wenigstens heißt er nicht „Noch kleinerer Feldberg“) ein lohnendes Ziel. Statt auf 879 m wie beim Großen Feldberg kommt man hier zwar nur auf 798 m, allerdings komplett autofrei!

Wir trafen uns für den heutigen Altkönig-Lauf in Königstein (wie vor etwa einem halben Jahr) und hatten nur das Ziel, über irgendwelche Schnails (Schnee-bedeckte Trails) auf den Gipfel des Altkönig zu kommen. Das Ziel konnten wir gar nicht verfehlen, zeigte doch das Navi mit seinem Kompass immer zum Gipfel. So stapften wir mit kleinen Nähmaschinenschrittchen kreuz und quer bergauf durch den Wald, immer auf schmalen Pfaden, die irgend jemand nach dem letzten Schneefall hinterlassen hatte.

Mit meinen Leguanos war ich lustigerweise gegenüber meinen beiden Mitläufern deutlich im Vorteil, wenn es über Stellen blank polierten Schnees ging. Irgendwie klebten meine weichen Gummikügelchen-Sohlen viel besser am Boden als das Schnee-verstopfte Profil der beiden anderen. Das ganze wurde noch auffälliger, als wir nach kurzer Pause am Gipfel wieder zurückliefen. Bergab war die Strecke tückisch, aber die Bodenkleberei der Leguanos führte dazu, dass ich relativ schnell laufen konnte, ohne ins Rutschen zu kommen.

Nach knapp 2 Stunden für Auf- und Abstieg kamen wir wieder in Königstein an und ich lief von dort alleine nach Hause. Den Hin- und Rückweg noch dazugerechnet kam ich heute auf knapp 3 Stunden Laufvergnügen. Und ein Vergnügen war es nicht zuletzt wegen der ausgelassenen Stimmung, die sich auf den Trails einstellte. Wir haben streckenweise heftig rumgealbert und auch den einen oder anderen Witz erzählt, unter anderem auch diesen Nerd-Witz:

Ein Nerd sagt zu seiner Freundin: „Du, ich geh auf den Markt. Soll ich was mitbringen?
Die Freundin: „Prima, bring ein Brot mit. Und wenn sie Eier haben, bring sechs!„.
Vom Markt zurück meint die Freundin: „Bist du bekloppt, sechs Brote zu bringen?
Der Nerd: „Wieso? Sie hatten Eier…

Lacht ihr auch gerne beim Laufen?

8 Gedanken zu: Auf Schnails zum alten König

  1. Lieber Wolfgang, klingt nach einem gelungenem Schneeabenteuer. Besonders erfreulich, dass deine Leguanos dir sozusagen “ den Weg frei schaufelten “ , offensichtlich einen besseren Grip hatten, als die Schuhe deiner Mitstreiter, wieder ein kleines Erfolgserlebnis – sowohl wegen der Schuhe, als auch für dein Ego !! YES !

    Ausgelassene Stimmung unter Läufern – ja, das kenne ich auch – meist aber bei Trainingsläufen mit Gleichgesinnten – und zu Weihnachten und/oder besonderen Anlässen wird sogar lauthals gesungen.

    Drei Stunden – super – tut so gut ! 😎

    1. Liebe Margitta,

      sorry dass ich erst jetzt antworte, aber ich war ein paar Tage unterwegs.

      Es war tatsächlich ein gelungenes Schneeabenteuer. Schade, dass es inzwischen schon wieder so warm geworden ist, dass der Schnee dahingeschmolzen ist. Die ausgelassene Stimmung gibts aber bei unseren sonntäglichen Läufen öfters, ob Schnee oder Sonne. Und wenn es jetzt wärmer wird, gibt es für die Salzstreuer auch weniger Grund, sich auszutoben. Und damit für mich wieder einen Grund, die Schuhe wegzulassen. Alles hat immer mindestens zwei Seiten; über irgendeinen Aspekt kann man sich immer freuen 🙂

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. Hallo Wolfgang,
    lese schon seit geraumer Zeit in deinem wirklich interessanten Blog. Habe mir viel von dir abgeschaut und deine Erkenntnisse beim Barfuß laufen decken sich fast zu hundert Prozent mit meinen Erfahrungen. Allerdings bist du mir um einiges voraus 😉
    Mein „Schneeschuh“ ist der Mares Equator. Dieser Tipp stammt aus einem Kommentar zum Thema „Ich bin der Leguan“. Diesen habe ich in meiner Größe und in einer Übergröße. Letzteren zeihe ich über meine Solerunner als Kälteschutz beim Radfahren oder wenn man länger Zeit mal rumstehen muss.

    Grüße von den BarfußPfoten

    Steffen

    1. Hallo Steffen,

      willkommen im Blog (auch wenn das mit der Freischaltung deines Kommentars ein wenig gedauert hat, aber ich war einige Tage unterwegs) und vielen Dank für deine Rückmeldung. Es ist immer gut zu hören, wenn andere Läufer die gleichen Erfahrungen machen mit dem Thema Barfuß-Laufen.

      Ich hatte mir damals auch vorgenommen, mir den Mares Equator zuzulegen, allerdings nicht schnellstens, sondern bei einer Gelegenheit, wenn ich mal an einem Tauch- oder Surfshop vorbeikomme. Hat sich bis heute nicht ergeben, deshalb habe ich noch keine. Ich freue mich aber immer, wenn von anderen Barfüßlern Tipps kommen, was man so an Schuhen tragen kann, wenn die Bedingungen gar zu garstig werden für nackte Füße 🙂

      Melde dich wal wieder; ich freue mich über jede Art von Rückmeldung zu meinen Posts. Und wenn du selbst schreibst: lass mich wissen, wo!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  3. Lieber Wolfgang,

    Meinen Schneeschuh verdanke ich gewissermaßen Dir. Nachdem ich deiner Empfehlung folgend schon vor mehr als einen Jahr ein paar Sole-Runner gekauft hatte, haben sie nun endlich ihre Bestimmung gefunden. Ich bin ja erst nicht so warm mit Ihnen geworden, da Sie mir gar so haltlos vorkamen, aber ich habe die Dinger falsch eingeschätzt. Nachdem ich sie ein Jahr quasi nur als Hausschuhe verwendet habe, habe ich sie mit dem Schneeeinbruch Anfang Januar einfach nochmal probiert. Die Idee war, dass die Null-Profil-Sohle auf festem Schnee am wenigsten rutschen sollte. Und so ist es, die Dinger kleben auf Eis und festem Schnee. Und da ich sie jetzt so oft gelaufen bin, merke ich erst, dass ich den scheinbar fehlenden Halt mit „einfach nicht merken, dass man Schuhe an hat“ verwechselt habe. Tja, manchmal braucht es etwas Zeit. Ich hole mir im Frühjahr noch ein Paar in einer Nummer kleiner, für die ganz dünnen oder „ohne“ Socken 🙂

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Lieber Sebastian,

      das freut mich riesig, dass dir die Sole Runner solch einen Spaß machen. Ich hatte auch oft viel Freude mit den Dingern, leider sind derzeit all meine Sole Runner an der Sohle zerschlissen und undicht geworden; muss demnächst mal wieder welche kaufen. Ein kleines Zeugnis eines Berglaufs vor über 4 Jahren – auch im Schnee – findest du hier auf meinem alten Blog. Ich denke, der Spaß am Schuhwerk kommt deutlich raus 🙂

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  4. Lieber Wolfgang, zu Weihnachten gabs von meiner Liebsten ein Paar Leguanos (die mit Schnürung) und nach der ersten Freude (passen wie Lack) kam Stück für Stück die zweite Freude, und zwar was die Dinger so abkönnen. So richtig Eis hatten wir zwar bisher nicht, aber trotzdem toll wie eigentlich jeder Untergrund bei jedem Wetter gemeistert wird. Hätte ich nicht gedacht. Harte Konkurrenz für die Vapor Gloves auf jeden Fall, wahrscheinlich sogar haltbarer.
    Da ich penetrant alleine laufe, wird nicht viel gelacht. Aber ich bekomme immer mal wieder zu hören, dass ich beim Laufen wohl selig vor mich hin lächele. Passt also 🙂
    Liebe Grüße, Oliver

    1. Lieber Oliver,

      ich wusste gar nicht, dass es Leguanos mit Schnürung gibt. Wahrscheinlich bin ich einfach zu selten auf Produktsuche im Web unterwegs. Macht auch nichts, jetzt weiß ichs ja von dir. Wie auch immer: bei den Leguanos fand ich es lange blöd, dass sie – zumindest meine Exemplare – die Sohle nicht an der Seite etwas höher gezogen haben, und dadurch immer dazu neigen, Wasser zu ziehen, wenn man im Feuchten läuft. Da ich meinen Füßen aber inzwischen auch schon barfuß Schnee zugemutet habe, ist mir das inzwischen reichlich egal geworden, selbst wenn es kalter nasser Schnee ist, der durchdringt. Dafür ist das Laufgefühl aber immer noch sehr sehr weich, und das gefällt mir an den Dingern. Beim Obermaterial haben meine ziemlich bald ein kleines Loch gekriegt, als ich mal einen scharfen Stein seitlich erwischt habe. Lustigerweise ließ sich das Loch aber mir 3-4 Lagen Textilkleber dauerhaft stopfen, und seitdem halten die Dinger ohne sichtbaren Verschleiß. Von daher kann ich nix Negatives über die Laufsocken sagen. Ich wünsch dir genausoviel Spaß – auch dauerhaft – mit den Dingern!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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