Aufgabenverteilung

Schon die kleinsten Lebewesen organisieren ihre Aufgaben arbeitsteilig. Ein Einzeller erledigt die Fortbewegung mit anderen Strukturen als die Verdauung. Je größer und komplexer ein Organismus wird, umso wichtiger ist eine gut aufeinander abgestimmte Verteilung der Aufgaben. Das trifft insbesondere auf Organismen zu, die komplexe mechanische Aufgaben mittels Muskel-bewegter Gliedmaßen erledigen. Die mögliche Varianz der Umsetzung ist oft erheblich:

  • Ich schreibe mit zwei Fingern am Rechner, andere setzen alle 10 ein.
  • Manche Menschen können auf Händen laufen, ich nehme dafür die Füße.

Schaut man sich eine Reihe von Läufern an, merkt man erst, wie sehr die Aufgabenverteilung bei der Laufbewegung von Mensch zu Mensch variiert. Manche laufen nur „aus den Beinen raus“, andere schwingen die Arme in höchst unterschiedlicher Weise. Jeder läuft anders, und die optimale Laufbewegung ist etwas sehr subjektives. Dennoch sollte man sich mal ansehen, wie eine grobe (und gerechte) Aufgabenverteilung aussehen sollte.

Wenn wir die natürliche Aufgabenverteilung nicht durch so etwas Überflüssiges wie Laufschuhe, 1,5-Liter-Flaschen oder um die Hüften geschlungene Jacken stören, können wir gut beobachten, welche Aufgaben welcher Körperteil übernimmt:

arbeitsteilung_beim_laufen

Die Aufgaben im einzelnen von unten nach oben (vom Fuß zum Genuss):

Boden-Management

Unsere Füße kümmern sich um die optimale Verbindung zum Boden. Sie stellen sanft den Kontakt zur Erdoberfläche her, ertasten deren Struktur, passen sich ihr an und gleichen Unebenheiten aus. Sie ermöglichen dem Rest des Körpers eine gleichmäßige Bewegung und Belastung. Als sehr bewegliches Adapter müssen sie hart arbeiten, wofür sie viele kleine Gelenke und etliche kurze Muskeln in einer genialen Konstruktion vereinen.

Federkraft

Den größten Federweg erzeugen wir mit der Beugung des Knies. Je nachdem wie weich oder gespannt wir das tun, können wir den Aufprall dämpfen (bergab sollte man die Dämpfung nicht allein dem Fuß überlassen) oder mit nur minimalem Energieverlust nach vorne drängen. Das ganze gelingt umso besser, je weniger wir in der Hüfte abknicken.

Antrieb

Unser eigentlicher Motor ist das Becken mit den verbundenen Gesäß- und Rückenmuskeln. Es überträgt den Rhythmus der Arme und die Spannung der Rückenmuskeln auf die Beine und ist das Widerlager für den Beinschub. Die aktive Becken-Rotation sorgt für einen langen Schritt bei gleichzeitig hoher Schrittfrequenz.

Rhythmus

Den Rhythmus machen wir mit den Armen. Sie geben den Takt vor, entweder locker steuernd oder kraftvoll fordernd. Der Armschwung ist nicht nur der Ausgleich für die Bewegung der Beine, sondern auch und insbesondere der Impulsgeber für das Becken. Hat man es treppauf mal sehr eilig, merkt man erst richtig, welchen immensen Beitrag die Arme als Taktgeber zur Fortbewegung leisten.

Wahrnehmung, Erlebnis, Genuss

Was wäre das Laufen ohne die Wahrnehmung? Ein Zombie-Vergnügen ohne jeden Spaß! Erst durch das Gehirn, in dem alle Information zusammenkommen, wird das Laufen erlebbar. Und wenn wir unsere Arbeitsteilung richtig vorgenommen haben (bloß nicht alleine mit den Beinen laufen!), wird das Erlebnis zum Genuss.