Was werden wir erreichen?

fuesse_auf_rasenWer zulässt, dass seine Füße wieder ihren Anlagen entsprechend benutzt werden, wird sich schon nach kurzer Zeit über eine Reihe deutlich wahrnehmbarer Verbesserungen freuen können. Die stärker werdenden Füße ermöglichen nicht nur eine bessere Körperhaltung und reduzieren dadurch Haltungsbeschwerden, die Barfüßigkeit schützt auch vor Erkältungen und Erkrankungen der Füße wie Hühneraugen oder Fußpilz, ganz zu schweigen von dem unangenehmen Geruch von Käsefüßen.

Füße: die wichtigste Verbindung zur Erde

Earthing

Hinweis: esoterischer Inhalt Wenn Elektriker von Erdung sprechen, meinen sie eine Verbindung zu einer Masse mit dem Ziel des Potenzialausgleichs. Das wohl bekannteste Beispiel ist der Blitzableiter, die Blitzschutzerdung. blitzeinschlagDamit sollen gefährliche Spannungen an einen Ort geleitet werden, wo sie uns nicht mehr schaden können. Earthing ist die esoterische Version des Blitzableiters: durch eine gute Verbindung zum Boden – vorzugsweise durch nackte Füße – werden schädliche Potenziale abgeleitet. Und umgekehrt: wir werden mit nützlicher Energie aus dem Boden aufgeladen. Man mag dazu stehen wie man will, aber ein gutes Gefühl ist es allemal, mit nackten Füßen auf der Erde (meint: ein leitfähiger Boden und keine isolierte Schicht) zu stehen. Wer mehr wissen will, für den haben ich zu diesem Thema einen Beitrag verfasst.

Struktur, Temperatur, Konsistenz, Griffigkeit

Weit weniger esoterisch ist, was wir auch ohne Feingefühl vom Boden mitkriegen. Mit unserer Sohle fühlen wir die Struktur: glatter Asphalt fühlt sich ganz anders an als nasser Lehmboden oder eine von Oberflächenwurzeln der Bäume durchzogene Wiese im Park.

Was uns anfangs häufig Probleme bereitet, ist die Intensität der Wahrnehmung: wer lange nicht mehr draußen barfuß gelaufen ist, dem wird schon ein einziger Kilometer auf rauhem Asphalt richtig weh tun.

asphalt_rauhRauher Asphalt: der Fleischklopper für die untrainierte Sohle

Nach der Gewöhnung an die intensivere Wahrnehmung kehren sich die Vorzeichen um und man vermisst das Gefühl der Bodenstruktur, wenn man mal wieder Schuhe tragen muss.

15Gleiches gilt für die Temperatur: es ist wahnsinnig toll, an einem lauen Frühlingsmorgen die Unterschiede zwischen den von der Sonne erwärmten und den schattigen Teilen des Weges zu spüren.

Konsistenz und Griffigkeit erschließen sich uns ohne Schuhe vollständig und erlauben uns – nicht zuletzt auch durch die Greiffunktion der Zehen – einen sicheren Stand auch bei schlüpfrigen Untergründen, wo wir mit Schuhen nur auf ein gutes Profil der Sohle hoffen dürfen.

Gefühl und angemessene Reaktion

Wie reagiert man angemessen auf den Boden? Diese Frage stellen sich Schuhträger nicht, weil sie kaum Reaktionsmöglichkeiten haben. Entweder die Schuhe kommen mit dem Boden zurecht oder…

…sie treten ihn platt oder rutschen weg. Je unebener der Boden ist, desto schwieriger ist das Laufen mit Schuhen. Der Barfußläufer kann den Fuß verwinden, durch Anziehen der Zehen verkürzen oder auch mal nur auf Zehen und Ballen laufen. Wer Schuhe mit halbwegs stabilen Sohlen trägt, hat diese Flexibilität nicht. Er „liest“ den Boden nicht, weil sein Gefühl durch die Sohle stark gedämpft wird und er kann den Fuß nicht angemessen an den Untergrund anpassen. Schuhträger werden einwenden, dass der Schuh dafür dem Fuß einen guten Schutz bietet. Barfußläufer wissen, dass gut trainierte Füße wunderbar ohne diesen Schutz auskommen; ihre Füße sind nämlich robust (eine fast durchstichfeste Sohle) und dennoch maximal flexibel.

Wer gut steht, fällt nicht

Wie wichtig ein guter Stand (im Leben) ist, sieht man häufig bei alten Menschen, die ihn verloren haben. Sie fallen leichter, laufen oft wackelig und unsicher. Sie haben keinen elastischen Körper mehr und auch keine schnelle Reaktion, selbst wenn sie noch wache Sensoren haben. Auch sind die Muskeln nicht mehr stark und können im Notfall den Sturz nicht verhindern. Und weil sie das wissen, haben sie große Angst vor dem Fallen. Angst, die ihre Unsicherheit verstärkt: ein Teufelskreis! Solange wir jung sind, ist das alles kein Thema. Es sei denn, es hat die eigenen Eltern oder Großeltern erwischt. Gut, wer bis ins hohe Alter kräftige Füße hat!

TestKleiner Test gefällig? Einfach mal 30 Sekunden lang auf einem Bein stehen. Wer nicht absolut ausbalanciert steht, dessen Fuß muss ziemlich arbeiten. Der verschärfte Test erfolgt mit geschlossenen Augen: jetzt brauchen wir den sensiblen Fuß, um sogar noch vor unserem Gleichgewichtsorgan im Ohr mitzukriegen, dass wir die Balance verlieren. Und der kräftige Fuß bringt den Körper wieder in die absolute Senkrechte.

Freiheiten

barfuss_auf_sandWie frei haben wir uns im letzten Sommerurlaub am Strand gefühlt? Einfach so loslaufen, ohne erst Schuhe anziehen zu müssen. Sand zwischen den Zehen? Egal! Hauptsache, keine Schuhe mit Sand drin! Barfußläufer haben überall das freie Sandstrand-Feeling, die härtesten sogar im Winter.

Eine Freiheit ganz anderer Art ist die freie Beweglichkeit der Füße. Kein Schuh hindert den nackten Fuß daran, sich optimal dem Boden anzupassen und uns somit einen sicheren Stand und eine gute Basis für den Vortrieb zu geben.

Für Faule gibt es dann noch die Freiheit, unsere „Laufgeräte“ während der Benutzung schon gereinigt zu bekommen. Ein versehentlicher Tritt in einen Hundehaufen ist nach Durchstreifen der nächsten Wiese schon wieder vergessen (der Schuhläufer muss zu Hause lange schrubben, bis er die weiche Masse wieder aus dem Mesh rausgewaschen hat).

wasserlaufOder die Freiheit, einfach mal schnell durchs Wasser laufen können. So schnell wie die Füße wieder trocken sind, schafft das kein Schuh.

Schuh-Fans zeigen jetzt auf ihre Gore-Tex-Schlappen, die erst gar kein Wasser reinlassen. Hm, wenn der durchquerte Bach tiefer als 15 cm ist, wird der Vorteil zum Nachteil, weil die Gore-Text-Schlappen dann doch vollaufen und das Wasser nicht wieder rauslassen.

Gesundheit!

Erkältungen: wenn wir dem Körper erlauben, sich angemessen auf die Außentemperatur einzustellen, dann werden wir tatsächlich weniger frieren. Haben wir dagegen in Schuhen zu warme Füße, wird unser Temperaturempfinden irritiert.

birneKalte Füße führen – anders als die Meisten denken – nicht zu Erkältungen, sondern verhindern nur, dass die Füße zu viel Wärme an die Umgebung abgeben.

Als ich mit der Barfüßigkeit anfing, habe ich auf dem kalten Fliesenboden der Küche immer kalte Füße bekommen. Den Gedanken „Du wirst dich erkälten oder holst dir was an die Nieren“ habe ich verworfen, weil auch Hund und Katze barfuß in der Küche laufen und sich nicht erkälten. 3 Wochen lang waren die kalten Füße sehr unangenehm, dann war ich „durch“. Nicht dass ich dann warme Füße auf dem kalten Boden hatte (warm war die Fußoberseite, nicht aber die Sohle), aber das unangenehme „Kalt“-Gefühl wich dem vollständig akzeptierten Gefühl, dass man auf einem kalten Boden auch kalte Füße hat. Erkältet habe ich mich tatsächlich nicht, ganz im Gegenteil: ich hatte seitdem keine Erkältung mehr.

Verletzungen: Je weniger Schutz, desto weniger Gefahr! Das klingt paradox, oder? Erklärbar wird das, wenn man bei dem Wort Schutz zwischen aktivem und passivem Schutz unterscheidet. Ein Schuh bringt immer einen passiven Schutz = ich werde geschützt, und zwar genau so gut, wie der Schuh dies kann. Sehr gut schützt ein Schuh gegen Verletzungen der Sohle durch gefährliche Objekte. Schlecht bis gar nicht schützt ein Schuh gegen Fehlbelastungen des Fußes oder Umknicken als Folge eines falschen Fußaufsatzes, einer zu steifen Sohle oder einer zu hohen Ferse. Anders der Fuß: er hat zwar eine vergleichsweise dünne Schutzschicht (die Fußhaut, die „Plantaraponeurose“ genannte Sehnenplatte und dazwischen ein System mit Fett gefüllter Faszien-Kammern), aber er kann sich dem Boden sehr flexibel anpassen und somit aktiv schützend Verletzungen vermeiden. Diesen Schutz gibt es allerdings nicht frei Haus: er wird besser, wenn man ihn trainiert und den Fuß Druckreizen aussetzt, wie sie beim Barfuß-Laufen auf unebenen Untergründen auftreten. Weiterer Teil dieses aktiven Schutzes ist die schnelle Reaktion auf gefährliche Bodenstellen: wer sofort den auf einem spitzen Stein auftreffenden Fuß entlastet, schützt ihn vor der gefährlichen Stelle. Auch die Geschwindigkeit solcher automatisierter Reaktionen wird mit zunehmender Übung immer höher.

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