Danke für diesen einmaligen Tag!

Mein erster Barfuß-Marathon. Das Gefühl auf der Strecke war so locker und frei. Ich bin ohne Uhr gelaufen. Erst nach der Halbmarathon-Marke habe ich stärker auf die Kilometerschilder geachtet. Habe nur durch die Nase geatmet, außer beim Gespräch mit anderen Läufern. Bin zum Trinken stehen geblieben, weil ich – bei aller Aufregung vor dem Start – den Lauf genießen wollte. Und ich habe ihn genossen.

Wenn man sonst sagt, alles habe sich gegen einen verschworen, so war es gestern in Frankfurt genau umgekehrt: alles hat mich unterstützt. Das Wetter war mild, kein Wind, kühle und damit angenehme Bodentemperaturen, sogar die Wasserpfützen an den Getränkestationen waren für die Füße angenehm und erfrischend.

fra_marathon_2014_sequenzDaumen hoch bei km 25

Einzig die Fressgass‘ – die Banker-Fressmeile nahe der Alten Oper – mit ihren Pflastersteinen und den vielen tausend Scherben in den Fugen war ätzend. Aber nach dem zweiten Passieren der Pflastersteine lag dann schon km 40 hinter mir und die Pforten zum Paradies gingen ganz weit auf: glatte Strassen bis ins Ziel, die grandiose Festhalle und dann – eigentlich viel zu plötzlich – die Ziellinie. Für das Gefühl im Ziel gibt es keine Worte.

Ein Traum wurde wahr. Und ich mittendrin.

Heute – einen Tag später – habe ich ein wenig Muskelkater und Sohlen, denen man die Strecke noch anmerkt: keine Verletzungen, aber sie sind ein wenig empfindlicher; das kenne ich gut und das gibt sich bis morgen.

Viel viel wichtiger als diese wirklich geringen körperlichen Nachwirkungen ist der Schub für die Seele: ich habe am eigenen Körper erlebt, wozu uns die Natur befähigen kann, wenn wir sie nur lassen. Und das Schönste daran ist: jeder kann das. Wie die meisten anderen Menschen bin auch ich von der Natur nur ganz normal ausgestattet. Kein Superkörper und auch kopfmäßig keine Anzeichen für Hochbegabung. Aber ich bin immer neugierig und ich wollte wissen, was alles geschieht, wenn man der Natur in sich ein wenig Raum zur Entwicklung gibt. Und bin fürstlich belohnt worden.

Ich wünsche Euch allen, dass ihr solche Glücksgefühle auch erleben dürft!

8 Gedanken zu: Danke für diesen einmaligen Tag!

  1. Herzlichen Glückwunsch Wolfgang,
    dass alles so zusammengespielt hat und dass es so toll geklappt hat.
    Deine Zeit unter 4 Stunden und das barfuß, Respekt muss ich da sagen.

    Viele Grüße aus Bayern
    Martl

    1. Hallo Martl,

      danke für den Glückwunsch. Aber Respekt musst du nicht haben, ich hab doch nur der Natur den ihr zustehenden Platz gelassen und aufgehört, meine Füße einzusperren. Der Rest kam mit Freude und ganz von allein.

      Lieben Gruß
      Wolfgang

  2. Herzlichen Glückwunsch!
    Barefoot Wolfgang 🙂 Jetzt ist es amtlich!

    Aber was muss ich Bild Nr. 4 sehen?! :-O Kommst du etwa mit der Ferse zuerst auf? Und das barfuß auf Asphalt?! Oder kippst du deinen Fuß noch schnell genug nach vorne, um mit dem ganzen Fuß auf der Außenseite zu landen? 🙂

    Glückwunsch, grandiose Leistung! Weiter so! Und das als „Genussläufer“, tolle Sache!

    Liebe Grüße
    Jochen

    1. Hallo Jochen,

      ich bin dir sehr dankbar, dass du das mit dem scheinbaren Fersenlauf gemerkt hast. Beim Laufen fühlt es sich tatsächlich überhaupt nicht danach an. Die Bilder sind ja einem Video entnommen, und das habe ich mir jetzt nochmal in Zeitlupe angesehen. Man kann mit etwas gutem Willen erkennen, wie es sich auch anfühlt: der Fuß ist auf Bild 4 am vordersten Punkt, aber er berührt den Boden noch nicht. Ein Bruchteil einer Sekunde später bewegt er sich nach hinten mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Strasse, wodurch die Reibung auf ein Minimum reduziert wird. Der Kontakt erfolgt aber tatsächlich zuerst mit der Fuß-Außenseite (Kleinzehengrundgelenk), dann der Ballen und dann die Ferse. Wenn die Ferse aufsetzt, ist sie schon so weit unter dem Körper, dass sie kaum noch Druck bekommt, sondern nur noch den Stand stabilisiert.

      Wenn du dir die Zeitlupe mal ansehen möchtest: http://youtu.be/Kw1A8vsEUw4.
      Die Bildqualität ist allerdings gerade wegen der Zeitlupe eher bescheiden.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

      1. Hi Wolfgang.

        Passt schon. Wenn ich mir deinen Fußabdruck anschaue, bist du etwa unterwegs wie Daniel Martinek: http://youtu.be/n21gAbXpXGA

        Wenn ich barfuß laufe ist mein Fußabdruck auch ein anderer, wie wenn ich z.B. die VFF trage, da bin ich oft nämlich nur über Ballen unterwegs, barfuß nutze ich auch mehr Fußfläche.

        Liebe Grüße
        Jochen

  3. Hallo Wolfgang,

    herzlichen Glückwunsch – solange du so viel Spaß an einem Wettkampf hast, bist du ein Gewinner, egal oder besser grade weil du ein paar Sekunden verlierst, weil du nicht hechelnd wie ein Hund die Strecke zurücklegen willst, sondern das ganze entspannt angehst.

    Der vermeintliche Fersenaufsatz auf Bild 4 ist mir auch aufgefallen, wobei ich mir auch ohne Zeitpluen Video recht sicher war, dass es in einem Mittelfußaufsatz enden wird, für Ferse ist der Vorfuß schon zu tief.
    Vor allem aber die Körperhaltung, bzw. der Aufsatz recht weit vor dem Körperschwerpunkt hat mich irritiert. Wäre es nicht sinnvoller die Neigung zu erhöhen und kleinere Schritte zu machen, um immer unterhalb des Köperschwerpunktes bzw. noch dahinter aufzusetzen?

    1. Hallo Stefan,

      du hast absolut recht, was einen optimal effizienten Bewegungsablauf betrifft. Früher, als ich noch Minimalschuhe benutzte, bin ich auch so gelaufen.

      Beim Laufen auf nackten Fußsohlen bin ich von dieser Optimalform zur Zeit noch ein wenig entfernt (umso mehr, je rauher der Grund ist oder je weiter die Distanz), sonst halten meine Ballen das nicht lange genug durch. Ich bin in Frankfurt einfach so gelaufen, wie es sich optimal (Entspannung und Druckverteilung auf die Sohle) angefühlt hat: Schrittfrequenz laut Video in Normalgeschwindigkeit: 185 Schritte/Minute; schnellere kleinere Schritte hätten mich sicher mehr angestrengt.

      Ich rechne aber schon damit, dass ich in Zukunft – wenn die Sohlen abermals robuster geworden sind – auch stärker auf dem Vorfuß laufen kann. Mal sehen, wie sich das so entwickelt 🙂

      1. Interessant finde ich an der Stelle die Ausführungen von Barefoot Ken Bob, sinngemäß etwa: barfauß laufen lernt man am besten auf schwierigem Untergrund, wie z.B. Schotter. Man lernt in wenigen Minuten mehr als in Monaten barfuß laufen auf „einfachem“ Untergrund.

        Entspannte Fuß- und Körperhaltung auf Schotter habe ich bisher beim Laufen aber nur sehr selten geschafft, teilweise gehe ich einfach über schwierige Passagen, weil es dann technisch einfacher wird.

        Grüße
        Jochen

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