Der 3-Grad-Test

In 11 Tagen starte ich beim Frankfurt Marathon. Bodenfrost könnte ich dann kaum gebrauchen, wenn ich barfuß laufen will. Der heutige Tag begann kalt genug, um schon mal zu testen, wie kalt es meine blanken Füße inzwischen aushalten können.

Statt – wie sonst – erst mal 200m zu gehen, um die Füße auf Betriebstemperatur zu bringen, bin ich daher bei gemessenen 3 Grad und regennassem Boden gleich losgetrabt, damit die Füße nicht schon vor dem Start erfrieren.

Der erste Kilometer ging noch ganz gut, obwohl das Gefühl in den Sohlen spürbar nachließ. Um warm zu bleiben, habe ich mit den Zehen Greifbewegungen gemacht, sobald sie in der Luft waren.

Der zweite Kilometer führte dann dazu, Steinchen und die Rauhheit des Asphalts nur noch als dumpfes Brennen zu spüren; gleichzeitig hatte ich den Eindruck, das Bewegen der Zehen ginge zäher. Da kein Ende der Verschlechterung absehbar war, beschloss ich, wieder heimwärts zu laufen, was immerhin eine Strecke von ca. 4 km ergäbe.

Kilometer 3 führte zu einer weiteren Abnahme des Gefühls im Fuß; die Zehen konnte ich noch bewegen, spürte die Bewegung aber nicht mehr deutlich. Was ich jetzt noch in den Füßen spürte, war ein leichter Kälteschmerz, der sich jedoch nicht verschlimmerte.

Der letzte Kilometer brachte im Kopf die Erleichterung, dass ich ja bald wieder im Warmen sein würde. Die Vorstellung, bei gleichen Temperaturen in 11 Tagen noch 38 weitere Kilometer laufen zu müssen, war jedoch ziemlich grausam. Das heißt: wenn wir beim Marathon am 25.10. nur 3 Grad Bodentemperatur haben, kann ich dieses Jahr nicht barfuß teilnehmen.

Wieder zurück im warmen Haus, tauten die Füße langsam auf, was ziemlich unangenehm war, aber diese Gefühle kenne ich schon aus den vergangenen Jahren.

Die 3 Grad heute waren eine neue Untergrenze, an die ich mich im weiteren Jahresverlauf wiederholt herantasten möchte. Alles eine Frage allmählicher Anpassung. Erzwingen kann und will ich nichts, sondern nur behutsam die Grenze verschieben. Und wenn es noch 5 weitere Jahre dauern soll, bis ich mal barfuß auf Eis und Schnee laufen kann, dann ist es halt so. Warum sich darüber Gedanken machen?