Der Aufstand

Im gleichnamigen *) Star Trek Kinofilm (der 9.) rettet die Crew der Enterprise das Volk der Ba’ku, das auf einem weitab gelegenen Planeten zurückgezogen und unter freiwilligem Verzicht der Nutzung von Elektrizität und Computertechnik lebt. Ein kurzer Auszug aus Gesprächen des Enterprise-Captains Picard mit den Ba’ku Anij (weiblich) und Sojef (männlich) verdeutlicht deren Lebenseinstellung:

Anij: Ich denke, es fällt dem Captain schwer zu glauben, dass wir die Fähigkeit haben,  ein Positronengerät zu reparieren.
Sojef: Unsere technologischen Fähigkeiten sind nicht sichtbar,  da wir uns entschieden haben,  sie im täglichen Leben nicht einzusetzen. Wir glauben,  wenn man die Arbeit des Menschen einer Maschine überlässt,  dann wird ihm damit etwas weggenommen.
Anij: Aber früher erforschten wir die Galaxien genau wie Sie.
Picard: Ihnen steht  der Warp-Antrieb zur Verfügung ?
Anij: Wenn wir wollen: ja. Aber wohin würde er uns bringen? Doch nur weg von hier.

…und später:
Anij: Uns war immer klar,  dass wir isoliert bleiben müssen, um zu überleben. Das war nicht leicht. Viele junge Leute wollen mehr von andern Welten wissen. Ihnen gefallen Geschichten von einem aufregenden Lebensstil.
Picard: Die meisten in meinem Volk, die ein so schnelles Leben führen, würden ihre Seelen verkaufen, um es verlangsamen zu können.
Anij: Sie nicht?
Picard: Von Zeit zu Zeit…

*) Der Film heißt deshalb „Der Aufstand“, weil die Crew der Enterprise die Ba’ku gegen ausdrückliche Weisung der Föderation rettet und damit zu Aufständischen wird.

In der idealisierten Darstellung der Ba’ku sieht man glückliche, friedliche Wesen, die wegen einer eigenartigen Strahlung in diesem Teil des Universums nicht mehr altern, sobald sie erwachsen sind. Sie durchlaufen sehr lange Ausbildungszeiten (30 Jahre) und bringen es zu extremen körperlichen und mentalen Leistungen. Aus meiner Perspektive ist das Besondere an ihrer Lebensweise die Selbstbeschränkung auf ausschließlich mechanische Technik. Als Bauern nutzen sie Bewässerungskanäle und zum Zubereiten der Speisen nehmen sie Feuer, aber alle weitergehende Technik haben sie aus ihrem Leben verbannt.

Die Ba’ku leben in einem post-technischen Zeitalter. Sie kennen hochentwickelte Technik und wissen, was diese mit den Benutzern anstellen kann. Sie haben – um es mit einem allgegenwärtigen Phänomen unserer aktuellen Kultur auszudrücken – der gekrümmten Haltung eines ohne sein Smartphone hilf- und orientierunglosen Abhängigen eine Absage erteilt und verbessern lieber durch spielerische Übung ihre eigenen Fähigkeiten. Sie sind unabhängig und kein Ausfall von Technik kann ihnen etwas anhaben. Es sind keine Maschinenstürmer, die das Böse in jedem Stück Technik sehen und bekämpfen, sondern freie Wesen, die sich ohne Zwänge einfach am Leben freuen können. Nicht wie wir, die wir unter der permanenten Angst leiden, die Welt könnte uns abgehängt haben, wenn wir nicht ständig andere mit unseren Lebenszeichen belästigen oder solche von anderen konsumieren. Wer den Mut hat, eine Woche mal ohne jegliche Computertechnik zu leben (kein Smartphone, kein Tablet, kein Notebook und Desktop etc.;), wird den Grad an Abhängigkeit feststellen, den er heute schon erreicht hat. Und wer dann noch allen anderen Medienkonsum lässt, wird feststellen, wie unendlich viel Zeit für die Dinge des Lebens bleibt, die uns völlig stressfrei glücklich machen. So wie das Barfuß-Laufen…

Ich denke, ein kleiner Aufstand (eine Woche Medienentzug) kann jedem von uns guttun. Und sei es auch nur, um anschließend mit mehr Bewusstheit sein Level an digitalem Leben neu zu justieren.

Ein Gedanke zu: Der Aufstand

  1. Ganz meine Gedanken. Grade Läufer neigen dazu jede Menge Technik mit sich rumzuschleppen und machen sich regelrecht zu Sklaven ihrer Spielzeuge. Im Star Trek Sinne: das sind Borgs.

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