Dreißig vor Acht

Manchmal kommt es ganz dumm. Man nimmt sich was vor, und wie von höherer Macht gelenkt, geschehen lauter Dinge, die das Vorhaben torpedieren.

Ich hatte mich auf eine Woche gefreut, in der ich morgens (aber nicht extrem früh) meine Kilometer sammeln konnte. Montag früh ging’s noch und ich konnte 18 km laufen. Am Dienstag hinderte mich der Job am Laufen (wir hatten das schon letztes Jahr, aber es ist inzwischen spürbar besser geworden), aber am Mittwoch früh wollte ich wieder eine schöne Strecke laufen.  Wecker vergessen zu stellen, und schon war’s geschehen: ich habe verschlafen und kurz nach dem Aufstehen begann schon die Arbeit. Der Werktätige läuft davor oder danach, aber nicht während der Arbeit. Also wieder nichts und ich vertröstete mich auf heute. Kaum war der Gedanke gedacht, kamen Meldungen über Zustellungsprobleme mit einer im Web bestellten Sendung. Also: Ersatzzustellung am Folgetag (heute) zwischen 08:00 und 12:00 Uhr. GRRRR, wieder nicht vor der Arbeit laufen.

ODER?

Natürlich! Das ist die Lösung: ein Mondscheinlauf! Wie idyllisch! Ich kann so weit laufen, wie ich will! Ich muss nur entsprechend früh aufstehen. Alles kein Problem!

Wecker auf 04:45 Uhr gestellt (und nicht verschlafen) und tatsächlich um kurz nach Fünf schon losgelaufen. Dunkel und kalt. Der Mond schien zwar durch den klaren Himmel und verwandelte die Wege in fahle silbrig-graue Bänder, aber es fühlte sich trotzdem an wie mitten in der Nacht. Mit moderatem Tempo wollte ich 30 km laufen und kurz vor Acht wieder zu Hause sein. Jetzt kommt die Kleidung ins Spiel. Als langjähriger Verfechter von „lieber am Anfang kalt als nach kurzer Zeit schon in die Sauna!“ hatte ich ein leichtes kurzes Shirt, ein leichtes langes Shirt und eine dünne Jacke drüber angezogen sowie eine lange Lauftight. Leguanos an den Füßen, natürlich ohne Socken, daher auch blank an den Knöcheln. Das Ganze führte dazu, dass ich – bei leichten Minusgraden – erst nach ca. 30 Minuten warm wurde, schließlich lief ich auch anfangs nur etwa mit einem 5:45er Schnitt. Je länger ich lief, umso schöner wurde es. Und auch wenn ich ausschließlich durch die Nase atmete, wurde ich immer ein wenig schneller. Gegen 07:50 Uhr kam ich wieder zu Hause an, hatte 30 km hinter mich gebracht und die letzten 20 Minuten sogar noch Tageslicht genießen dürfen.

ERKENNTNIS?

Es gibt keine bösen Mächte, die sich gegen den bedauernswerten Läufer verschwören. Es gibt nur unverschämt blöde Weckzeiten. Aber dann läufts 🙂

Ach ja: das Paket kam dann gegen 09:15 Uhr.

16 Gedanken zu: Dreißig vor Acht

  1. Lieber Wolfgang,

    Dein gemütliches Tempo bedeutet für mich schon Gerenne , deshalb enthalte ich mich diesbezüglich.
    Ich bin ja ein (krankhafter) Frühaufsteher, aber Laufen um diese Uhrzeit fällt mir extrem schwer, dann lieber um 23.00 Uhr…aber schön, dass es bei Dir geklappt hat. Ich wünsche Dir noch viele solche Läufe, auch bei Tageslicht

    1. Lieber Christian,

      unter der Voraussetzung, später am Tag den dafür ausgefallenen Nachtschlaf nachholen zu können, ist es durchaus vorstellbar, solche „Frühchen“ öfter zu veranstalten. Gestern aber war es einfach so, dass ich es mir nicht gefallen lassen wollte, schon wieder aufs Laufen zu verzichten. Der nächste „lange“ ist dann wieder am Wochenende dran, aber das ist ja fast immer (und auch gut) so. Allerdings starte ich zu den langen Läufen am Wochenende üblicherweise 2 Std. später, was sich völlig anders anfühlt 🙂
      Abends – wie bei dir – um 23:00 Uhr würde mir das Licht am Ende des Tunnels fehlen, es sei denn, ich laufe bis zum Morgengrauen, aber so weit bin ich noch nicht. Ultra kommt noch, aber nicht dieses Jahr.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. Hallo Wolfgang,

    mir geht es wie Christian was Uhrzeit und Tempo angeht. Darüber hinaus ist ein 30iger für mich ein Monatshighlight, das zelebriert und genossen werden will 🙂 So einen Lauf mal eben in den frühesten Morgen zu schieben finde ich sehr beachtlich.

    Ich lese schon etwas länger bei Dir mit und freue mich, wieder etwas öfters etwas von Dir zu sehen.

    Viele Grüße
    Volker

    1. Lieber Volker,

      als Monatshighlight kann ich meinen Frühmorgenlauf nicht gerade bezeichnen, dazu war der Beginn einfach zu frostig. Ich fands schön, dass er sich so gut entwickelt hat, aber die richtigen Highlights unter meinen langen Läufen sind immer die sonntäglichen in der Gruppe, wo man vor lauter Erzählen gar nicht merkt, dass man schon 25km in den Beinen hat. Meistens wird dann auch noch geblödelt, und wenn man vor Lachen kaum noch einen Schritt machen kann, fühle ich mich pudelwohl. Lachst du auch gerne beim Laufen?

      Liebe Grüße
      Wolfgang

      1. Lieber Wolfgang,

        dass muß ja wirklich eine lustige Truppe sein, mit der Du da unterwegs bist.

        Wenn ich in der Gruppe laufe, kommt es aber auch schon mal vor, dass wir was zu lachen haben 😉

        Meistens bin ich allerdings alleine unterwegs, da habe ich zwar auch schon mal gelacht, aber doch eher selten. Wenns mir unterwegs richtig gut geht, neige ich eher dazu mit mir selber zu reden 😀

        Liebe Grüße
        Volker

  3. Lieber Wolfgang, Hut ab: 4:45 Uhr – und das im Winter, um diese Zeit laufe ich nur bei 12- oder 24-Stunden-Läufen, aber dann bin ich schon “ warm „. Das würde ich nicht schaffen, ich bin so ein Schlaftier, das wäre für mich schon fast Körperverletzung (heute bin ich zum Übertreiben bereit !!).

    Es geht mir wie Christian, was das Tempo angeht, früher, ja früher…..(sagte meine Oma auch immer !), da bin ich auch …………, heute jedoch ziehe ich das langsamere Laufen vor.

    Wie auch immer – gut in der Zeit gewesen……Ziel erreicht – und wie ! Auf den Punkt !

    Das Paket kam auch noch – was für ein guter Tag – wirst du ihn wiederholen – oder lieber zu Zeiten laufen, an denen Normalos unterwegs sind ? Im Sommer könnte ich mir das gerade noch vorstellen, um diese Zeit zu starten ………….weißt du, wie kalt es bei uns in den Nächten ist ? Wir haben derzeit -8 Grad – na dann !!! 🙄

    1. Liebe Margitta,

      -8 Grad ist eine Ansage! Die kälteste Temperatur, bei der ich mal einen längeren Lauf gemacht habe, war -15 Grad, aber inzwischen wirds im Rhein-Main-Gebiet gar nicht mehr so kalt. An der Küste – glaube ich – hast du da Klamotten-technisch ’ne ganz andere Herausforderung als ich. Mann, gehts mir da gut 🙂

      Mal sehen, ob ich das Früh-Erlebnis wiederholen werde. Immerhin weiß ich jetzt, dass so was geht, und das ist schon viel wert.

      Liebe Grüße vom kühlen Hessen in den kalten Norden!
      Wolfgang

  4. Lieber Wolfgang, einen Dreissiger am morgen … aua 🙂 Dann würde ich wie ein apathisches Häuflein für den Rest des Tages am Schreibtisch sitzen. Respekt!
    Aber den Grund verstehe ich. Im Hochsommer gings mir ähnlich, nie hat es gepasst, immer kam was dazwischen. Allerdings bin ich dann auf die ganz späten Stunden ausgewichen, einfach ein kleines Nickerchen eingeschoben und dann ebenfalls Mondscheinläufe genossen, hat ein Riesenspaß gemacht. Sollte aber die Ausnahme bleiben, trotzdem schön zu lernen dass es möglich ist einfach so mitten in der Nacht auch mal lange Strecken zu laufen.
    Liebe Grüße, Oliver

    1. Lieber Oliver,

      die späten Läufe muss ich noch lernen. Ich bin zwar auch schon mal in der Winterzeit gegen 20:00 Uhr losgelaufen, aber dann nur 2 5km-Runden im nahen Wald. Wir hatten Neumond und es war fast stockdunkel, das hatte was abenteuerliches! Ansonsten aber laufe ich lieber am Morgen und beende den Lauf im Hellen 🙂

      Bei der Gelegenheit: ich habe gesehen, du bist auf der Starterliste für den Marathon in Düsseldorf. Ist das ne Strecke, bei der man auch barfuß laufen kann, also nicht ausschließlich alter, rauher Asphalt oder grobes Kopfsteinpflaster? Wenn ich es recht in Erinnerung habe, hast du ja schon mal dort einen Teil der Strecke ohne Schuhe zurückgelegt 🙂

      Liebe Grüße
      Wolfgang

      1. Letztes Jahr war mindestens ein Barfußläufer dabei, der war aber eher im sehr gemütlichen Tempo unterwegs, hat mehr als 4,5h gebraucht.
        Es geht fast nur über relativ glatten (Stadt-)Asphalt, aber auch einer ca. 2,5km langen Strecke Kopfsteinpflaster ziemlich am Anfang. Die ist echt nervig, selbst Autos dürfen da nur 30 fahren. Die letzten 10km waren zumindest problemlos zu laufen, ein Crack wie du sollte die ganze Strecke barfuß locker schaffen können. Ich werde im besten Fall in VFF, wahrscheinlich aber eher in den leichten Newtons laufen. Keine Experimente diesmal 🙂
        Bist du dabei??

        1. Hm, 2,5 km Kopfsteinpflaster. In Frankfurt gibt es ein kurzes Stück von wenigen Hundert Metern, die sogenannte Fressgass, auf der die Geldschubser in der Mittagspause gerne mal ein Prosecco-Gläschen aus der Hand gleiten lassen, das dann nach dem Aufschlag als Glassplitter in den breiten Fugen endet, in die man als Schuhloser besser nicht tritt.
          Wenn das in Düsseldorf aber keine Fußgängerzone ist, sollte sich auch die Anzahl der Splitter in Grenzen halten. Blöd ist halt, dass der Lauf damit anfängt. Wenn man sich da was in den Fuß tritt, ist der Spaß sehr zeitig vorbei 🙁

          Ob ich mitlaufe, weiß ich noch nicht, bin aber am überlegen. Genau deshalb stelle ich ja solche Fragen 🙂

          Liebe Grüße
          Wolfgang

          1. Lieber Oliver,

            das waren jetzt 2 Argumente für eine Teilnahme:

            1. doch nicht so viel Kopfsteinpflaster (größere Fugen sind nicht so schlimm, wenn auch die Steine oben rund und groß genug zumindest für den Vorfuß sind)
            2. du würdest dich freuen (ich mich auch)

            Ich mach das Ganze jetzt noch ein wenig vom Formaufbau abhängig. Wenn ich mich entschieden habe, gebe ich dir auf jeden Fall Bescheid, egal wie die Entscheidung ausgefallen ist.

            Liebe Grüße
            Wolfgang

  5. Respekt! Schon die Uhrzeit ist für mich undenkbar, und dann auch noch mitten im Winter. Davon bin gerade weit entfernt, aber das macht mir zum Glück gerade gar nicht mal etwas aus 🙂

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Lieber Sebastian,

      mich hatte einfach furchtbar genervt, dass immer wieder was dazwischen gekommen ist. Nach dem laufmäßig sehr unbefriedigenden Jahr 2017 hatte ich einfach die Schnauze voll, immer wieder aufs Laufen verzichten zu müssen, und habe dem äußeren Schweinehund gezeigt, dass er mich mal kreuzweise kann. Der innere freut sich inzwischen fast jeden Morgen, mit mir zu laufen, so brav ist der geworden 🙂

      Das ist aber keine Voraussetzung, ein glückliches Leben zu führen, und dir gehts ja sicher nicht schlechter, wenn du mal andere Schwerpunkte setzt. Schade ist halt immer nur, wenn einem die Schwerpunkte so schwer gemacht werden, und das wollte ich Dickkopf einfach nicht zulassen.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

Kommentare sind geschlossen.