Farben des Winters

Welche Farbe hat der Winter? Weiß natürlich, weiß wie der Schnee. Wer im Hochgebirge wohnt, darf dies noch zu Recht behaupten. Und wir? Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass der Schnee nur noch selten mehr als ein paar Tage liegenbleibt. Grund genug, uns an den vielen anderen Farben zu erfreuen, die es in den neuen milden Wintern zu sehen gibt.

Wenn ich in meinem nahe gelegenen Wald laufe, versuche ich, mich nicht an irgendwelchen Gedanken festzuhalten oder beim Laufen Probleme zu wälzen, sondern lasse die Eindrücke meiner Umgebung auf mich einströmen. In diesem Winter nehme ich die Farben des Waldes besonders deutlich wahr. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, aber es tut mir absolut gut. Ich sehe Bäume mit vielen Schattierungen von grün und braun, die man kaum so malen könnte. Ihre Rinde ist glatt, gefurcht und oft mit Moos oder Flechten besetzt, die ihre eigenen Farben mitbringen. Sie fließen in Echtzeit und 3D an mir vorbei und sie scheinen mir versichern zu wollen, dass ich in ihrer Nähe gut aufgehoben bin.

baum_europaparkManchmal bleibe ich stehen, wenn das Gesehene mich dazu einläd. Das ist auch immer der Fall, wenn ich Wildtiere in meinem Wald sehe. In den letzten Tagen haben öfters Rehe meinen Weg gekreuzt. Ich bewundere, wie leicht sie auf ihren schlanken Beinen federnd durch den Wald laufen. Auch die Rehe haben Farben, die mich begeistern. Alles findet sich zusammen zu einer Welt voller pastelliger, winterlicher Farben, die mich das gewalttätige Treiben unserer Menschenwelt mit dem hässlichen Lärm und dem allgegenwärtigen Größenwahn völlig vergessen lässt.

Für mich bedeutet das Laufen in der Natur mehr als nur ein Mittel, körperliche Fitness zu erreichen. Und auch mehr, als nur den Geist und den Körper im Einklang wahrzunehmen. Für mich ist Laufen in der Natur eine zeitweise Rückkehr in eine unschuldige Zeit, in der wir noch den Wunsch hatten, in und mit unserer Umwelt zu leben, indem wir uns ihr anpassen. Und nicht umgekehrt.