Gute Luft

Als vor ein paar Jahren noch amerikanische Soldaten in Frankfurt/Main stationiert waren, fielen mir öfters große Gruppen von Uniformierten auf, die rund um ihre Kaserne joggten. Ich fand das immer besonders dämlich, lag das Areal doch an einer der am stärksten befahrenen Einfallstraßen. Hier, wo die A66 Frankfurt erreicht, bilden sich regelmäßig lange Staus mit den typischen stinkenden Abgaswolken.

In dieser lebensfeindlichen Umgebung liefen die GI’s ihre Runden um den Block und ich musste immer an das Gelbkreuz-Gas denken, das als chemische Waffe in Kriegen eingesetzt wurde. Nun ja: wenn es keinen Krieg gibt, muss man sich halt mit was anderem schädigen.

Heute sind die GI’s wieder zurück in den USA; bei uns gibt es Katalysatoren und leidlich überwachte Emissionswerte sowie Autos, die bei Stillstand den Motor abschalten und Tabu-Zonen für Dreckschleudern. Ich wohne inzwischen nicht mehr in Frankfurt, sondern am Fuße des Taunus. Mein Ort wird vom nahen Mittelgebirge her mit viel Frischluft versorgt, und ich empfinde die Luft als gut.

Die Flechten aus dem Beitragsbild habe ich in der Nähe aufgelesen. Flechten werden häufig als Indikatoren für gute Luft betrachtet, da sie nicht – wie andere Organismen – die Luft filtern, weshalb sie sehr anfällig sind für bestimmte Verschmutzungen der Luft. Verschlechtert sich die Luftgüte, verschwinden die Flechten.

Gute Luft brauchen wir, um unseren Sport im Freien auszuführen, ohne uns dabei (anders als die GI’s) mit Schadstoffen zu belasten. Als „Gute Luft“ wird aber auch die Fähigkeit bezeichnet, länger mit unserer Kraft auszukommen, ohne dass wir uns völlig erschöpfen. „Die zweite Luft“ nennt man es, wenn man wieder Kraft bekommt, nachdem man schon ein Energiedefizit spürte.

Auch wenn wir meistens unsere Beine, manchmal den Rumpf und die Arme, Lauftechnik und -taktik trainieren: es ist oft die Lunge, die uns Grenzen setzt. Die Lunge selbst ist selten Ziel eines bewussten Trainings.

Weil ich in diesem Winter bislang schwerpunktmäßig langsame Läufe („Nasenatmung“) gemacht habe, gehört meine Lunge im Gesamtsystem eher zu den wenig trainierten Organen. Ein wettkampforientiertes und systematisches Training liegt mir derzeit fern; also kommt aktuell eher was Spielerisches in Frage:

Das Fahrtspiel

Beim „Spiel mit der Fahrt“ (Geschwindigkeit) sind keine festen Intervalle, Geschwindigkeiten, Pausen etc. vorgegeben, auch keine Gesamtdauer. Vielmehr soll man nach Lust und Laune mal Gas geben und dann wieder langsamer laufen. Jetzt liegt es an uns, wie heftig wir dabei atmen müssen und mit welchen Trainingsreizen wir dadurch die Lunge kitzeln. Wichtig ist, dass das ganze vor allem Spaß macht, der Trainingseffekt kommt dann garantiert.

Wer schon eine Lunge hat, die die Tempospritzen des Fahrtspiels mühelos wegsteckt, kann anfangen, flotter zu rennen; auch hierfür existiert ein Trainingsmittel:

Der Tempodauerlauf

Als lange Strecke (aber deutlich kürzer als der langsame ganz lange Lauf), die in gleichmäßigem, flotten Tempo gelaufen wird, macht der TDL in erster Linie deshalb Spaß, weil das Erlebnis des eigenen Vorwärtskommens – speziell im Vergleich zum langsamen langen Lauf – eine große Stärke und Leistungsfähigkeit suggeriert. Läuft man in einer Gruppe, zieht man die anderen mit (oder wird von ihnen mitgezogen); läuft man allein, kann man genießen, dass man die meisten anderen Läufer auf derselben Strecke überholt. Ein grenzwertiger Sonderfall des TDL ist noch

Der Stundenlauf

Beim Stundenlauf versucht man, eine Stunde lang in gleichbleibender Geschwindigkeit so schnell zu laufen wie man kann (da hört der Spaß dann wirklich auf) und merkt sich dann, wie weit man gekommen ist. Bei der Wiederholung (frühestens eine Woche später, weil das ganze wirklich viel Regeneration braucht) auf gleicher Strecke kann man dann leicht feststellen, ob man weiter gekommen ist = schneller unterwegs war. Der Stundenlauf eignet sich für Läufer, die auf Spaß beim Training – zumindest bei dieser Einheit – keinen gesteigerten Wert legen, das Ding ist nämlich knochenhart, vorausgesetzt, man hat am Ende der Stunde wirklich alles gegeben.

Egal welches Trainingsmittel man für sich wählt, bei allen wird die Lunge belastet und trainiert. Und wie immer sollte man Steigerungen in der Belastung langsam vornehmen. Achtet man darauf, dass die Einheiten immer noch Spaß machen (also eher Fahrtspiel und TDL), sollte man schon bald richtig „Gute Luft“ haben.