Jubiläum: die ersten fünf Jahre!

Gestern vor 5 Jahren habe ich meinen ersten Lauf ohne Schuhe gemacht.

Auch damals schrieb ich schon übers Laufen, hatte auch schon einige Experimente mit immer weniger Schuh am Fuß hinter mir und landete dann – am 28.07.2011 – am definitiven Endpunkt der Schuh-Reduktion.

Heute habe ich mich an diesen denkwürdigen Lauf erinnert. Beim Lesen meines damaligen Beitrags fiel mir nicht nur mein Lauf wieder ein, sondern auch meine damalige Erinnerung an ein Erlebnis, das noch 30 Jahre länger zurückliegt…

Ich weiß noch gut, dass ich bei meinem ersten Barfuß-Lauf auf Bürgersteigen mit Asphalt und Verbundsteinen unterwegs war. Der Boden war angenehm warm und es gab nur kurze unangenehme Stücke, auf denen ich dann ging statt zu laufen. Meine Laufrunde führte mIch zu einer französischen Bäckerei im Nachbarort und brachte Croissants fürs Frühstück mit nach Hause.

Das Laufgefühl auf den zumeist glatten Oberflächen war unbeschreiblich: irgendwie kam ich mir vor wie damals in den frühen 80ern, als ich mit einem Freund einen Jugoslawien-Trip machte. Wir waren unterwegs in seinem alten Renault R4 und entschieden uns immer spontan, welche Abstecher wir machten und auf welchen Plätzen wir unser Zelt aufbauten. Da gab es ein kleines Flüsschen an der Grenze zu Albanien, hinter dem eine kleine idyllische Insel – Bojana – lag. Die hatten wir ausgesucht und wollten dort einige Tage zelten. Nachdem wir über das Flüsschen übergesetzt hatten und beim Zeltaufbau waren, fiel uns auf, dass die Mitbewohner auf dem Campingplatz nackt umherliefen. Da waren wir wohl unbeabsichtigt auf einem FKK-Gelände gelandet. Ohne lange zu überlegen, passten wir uns der Umgebung an und zogen ebenfalls die Klamotten aus. Und schon nach unerwartet kurzer Zeit machte das viel mehr Spaß als angezogen.

Zurück zu meinem Erstlings-Barfuß-Lauf: wie auf Bojana war das Gefühl anfangs empfindlich, vorsichtig, schutzlos, seltsam, ungewohnt, aber ganz schnell wurde es – ebenfalls wie damals auf der FKK-Insel – frei, natürlich, selbstverständlich, unbefangen, toll. Natürlich hatte ich auch Befürchtungen: was ist mit der Haut? Sonnenbrand auf den bislang immer bedeckten Stellen war auf Bojana ebenso zu befürchten wie Blasen an der Sohle bei meinem Lauf. Beides blieb aus, weil wir (ich) es nicht übertrieben haben: damals half Sonnencreme und vor 5 Jahren half einfach die Begrenzung der Streckenlänge auf 5 km.

Zelten nach Bojana: die Klamotten fühlten sich irgendwie komisch an.
Zelten nach Bojana: die Klamotten fühlten sich irgendwie komisch an.

Nachdem wir unseren Bojana-Abstecher beendet hatten und wieder auf einem „normalen“ Campingplatz zelteten, kam es uns doch ziemlich albern vor, wieder Kleider tragen zu müssen. Irgendwie hatte das Leben viel von seiner eben erst erworbenen Leichtigkeit verloren. Vielleicht ist ja das Natürliche doch das Schönste; beim Laufen jedenfalls fühlt es sich ganz sicher so an.

Wer beobachtet, wie sich kleine Kinder freuen, wenn sie die am meisten einengenden Kleidungsstücke – die Schuhe – ausziehen dürfen, kann verstehen, warum man sich für das gesellige Beisammensein ganz ohne Klamotten den Begriff FKK (Frei – Körper – Kultur) ausgedacht hat.

Freie Körper – kann’s was Schöneres geben?

5 Gedanken zu: Jubiläum: die ersten fünf Jahre!

  1. Lieber Wolfgang, fünf Jahre schon, da sieht man wieder einmal, gut Ding braucht eben Zeit, und die braucht es wohl auch, um unser zivilisiertes Gebein wieder dem zu führen, mit dem es einmal angefangen hat. Gratulation zu deiner Ausdauer, die mir leider auf diesem Gebiet fehlt, aber Frau kann nicht überall Ausdauer beweisen.

    Zum Thema FKK, ich mag es auch ohne, allerdings nicht dort, wo sich Menschen isolieren und auf FKK schwören, als gäbe es nichts Besseres auf der Welt, das ist genauso wie bei Veganern, die die Meinung vertreten, nur ihre Art und Weise sich zu ernähren, sei die einzig wahre. Darum distanziere ich mich von Massen, die alle gemeinsam in eine Richtung steuern, ich mache das lieber für mich alleine, und hier an der Ostsee gibt es genügend Möglichkeiten, sich auch diesbezüglich “ auszutoben „.

    In diesem Sinne 😎

    1. Liebe Margitta,

      wer von einer Ultraläuferin zu seiner Ausdauer gratuliert bekommt, darf sich schon was einbilden, stimmts? Spaß beiseite, das mit dem Laufen ohne Schuhe hatte von Anfang an Momente, die einfach nur glücklich machten und mir sagten, dass das der richtige Weg für mich ist. Und dann brauchts ja gar nicht mehr viel Energie, um ihn einfach weiterzugehen und ein riesiges neues Land zu entdecken.

      Anders als am Barfußlaufen bin ich am FKK nicht „hängengeblieben“. Der Urlaub 1981 war das einzige Mal, und das geschah ja auch nur aus Versehen. Einen gewissen Dogmatismus habe ich damals auch schon beobachten können, weil sich viele der gestandenen FKK-Fans abends, als es kühler wurde, eine Jacke, Schuhe und lange Strümpfe anzogen, aber eben keine Hose. Das fanden wir dann doch etwas übertrieben. Trotzdem waren die Leute sehr freundlich und zugänglich. Ich fände es ideal, wenn einfach keiner mehr dumm angeschaut werden würde, wenn er mal ohne Klamotten ins Meer springt oder umgekehrt am FKK-Strand eine Hose trägt. Das wäre für mich ein Zustand vollkommener Toleranz. Aber danach sieht es ja in der heutigen Zeit, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen schon rein aufgrund ihrer Kleidung verachten (ohne sich überhaupt zu kennen, wie absurd!), immer weniger aus. Schade!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. Hallo Wolfgang,

    hui – hier ist ja mittlerweile richtig was los. Hoffe das bleibt so und du lässt die Kommentare an. Der Wechsel auf diese Blog Plattform hatte ja auch was damit zu tun, dass du dir den Stress auf der alten nicht mehr geben wolltest, wenn ich mich recht erinner.
    Ist aber alles sehr nett hier – freut mich.

    Glückwunsch zu deinem Jubiläum!

    Barfuß habe ich (nach ca. 200km letztes Jahr) erstmal wieder komplett ausgelassen, da ich (schon wieder) einen microbruch im Fuß hatte. Jetzt weiß ich auch warum, habe ein Knochendichte Problem. Nach über 2 Jahren ausschließlich Huarache, Barfuß, oder ganz dünne Neopren Schuhe habe ich mir gestern wieder das erste Paar echte Schuhe bestellt zum Laufen, weil ich wieder mehr Kilometer machen möchte (muss, Osteopororse wird mit Sport bekämpft), ohne den Fuß wieder kaputt zu haben. Wobei das angenehmer ist als ein Wirbel, das weiß ich leider aus Erfahrung.

    Jetzt habe ich schon wieder viel zu viel über andere Themen (und mich) gequatscht, eigentlich wollte ich dir (euch) nur diesen Link legen:

    http://german.barefootrun.de/

    Wir sind nicht alleine!

    mfg stefan

    1. Hallo Stefan,

      schön, mal wieder was von dir zu hören, auch wenn Microbruch und Osteoporose nicht gerade gute Nachrichten sind. Bei allen, von denen ich von solchen Brüchen erfahren habe, war es ein spezielles Anpassungsthema: zu schnell auf zu wenig Schuh übergegangen oder zu hohe Intensitäten, ohne dass die Knochendichte sich in der kurzen Zeit anpassen konnte. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es eine Ernährungs- oder Hormonbedingte Ursache haben könnte. Ist sicher nicht verkehrt, das einmal abzuklären.

      Den Link zu german.barefootrun.de habe ich mir angesehen. Sieht alles ganz prima aus, auch die Grundüberzeugungen im Manifest. Allerdings konnte ich gar keine aktuellen Inhalte finden, das ist alles schon ein paar Jahre alt. Machen die nix mehr? Würde ich schade finden!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  3. Hallo Wolfgang,

    argh – habe gar nicht auf die Jahreszahl geachtet. Sah so schön aus und dann schläft das Ding ein. Schade, schade.

    Überlastungsbruch: Ja, der erste vor 2 1/2 Jahren war definitiv selbst schuld und der Klassiker. Muskeln und Bänder/Sehnen war ich durch, die konnten den neuen Laufstil aufm Vorfuß ziemlich ungedämpft. Knochen aber noch nicht und ich habe die große Leichtigkeit genossen, vor der alle gewarnt haben bei der Umstellung auf den Vorfuß.
    Den vor einem halben Jahr hätte ich eigentlich auch absehen müssen, vor allem vor dem Hintergrund meines Wirbelbruchs aus nichtigem Anlass und der darauf folgenden Diagnose. Ich habe es irgnoriert, wollte es nicht wahr haben und den Ultra laufen, den ich mir vorgenommen hatte. Also habe ich nach 2 Monaten Pause wegen dem Wirbelbruch Vollgas gegeben und bin genau drei Wochen weit gekommen, bis wieder Schluss war und ich den Ultra absagen musste.

    Hormone und Stoffwechsel ist alles schon untersucht, nix gefunden, außer VitaminD Mangel. Aktuell nur VitaminD und Calcium, gezieltes Rückentraining (Wirbel sind besonders schlecht) und allgemein mehr Bewegung. Biphosphonate werde ich nicht nehmen, den Chemiemist können die behalten.
    Immerhin trainiere ich deutlich ganzheitlicher, hab jahrelang nix für den Oberkörper getan und vor allem das Rumpftrining ist sehr positiv für das Laufen.

    mfg stefan

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