Kalte Füße, warmes Herz

Der Blick aufs Thermometer zeigte heute morgen 6 Grad. Die Bodentemperatur lag wohl bei 3-4 Grad. Zu wenig, um ganz ohne Schuhe zu laufen. Aber mit SoleRunners und den dünnsten Socken drin war auch ein schönes Bodengefühl zu erwarten.

Für zwei Runden á 5 km im nahen Eichwald hatte ich mich mit einem Freund verabredet. Gemütliche Runden zum nebenher Plaudern. Kurze Sätze mit Schnappatmung sollten es nicht werden, und so erzählten wir uns von Gott und der Welt.

Die erste Runde war 3/4 rum, da kam das Gespräch aufs Barfuß-Laufen. Und Peng, da war er wieder, der Floh im Ohr. Und er gab keine Ruhe, bis ich den Entschluss fasste, die zweite Runde ohne Schuhe zu laufen, die SoleRunners in den Händen mitnehmend, falls es doch zu kalt sein würde.

Bis km 3 der Runde kühlten die Sohlen kontinuierlich ab und verloren so etwa die Hälfte des Bodengefühls. Nicht so sehr das Gefühl für die Steine, die spürte ich nach wie vor, aber das für die feine Oberflächenstruktur. Feinmotorisch bleiben die Füße aber voll ok. Hm, dachte ich, wenn das jetzt nicht schlimmer wird, kann man sich durchaus dran gewöhnen. Und weil wir die ganze Zeit weiterschwätzten, gab es auch gar keine Fokussierung auf die verlorene Gefühlshälfte. Zum Glück konnte ich mit einem kleinen Teil meiner Aufmerksamkeit die völlige Freiheit genießen, die mir das barfüßige Laufen (endlich wieder) gab.

Es fühlte sich an, als würde jemand mit warmen Händen mein Herz umfassen. Ein Gefühl wie Käsekuchen mit Kakao.

Endlich!
Wieder zu Hause!

Als wir nach der zweiten Runde den Wald wieder verließen, um den letzten knappen Kilometer heimwärts zu laufen, habe ich die SoleRunners wieder angezogen, weil sich auf den Wegen vom letzten Glatteis noch immer Streusalz befindet, mit dem ich nicht in Kontakt kommen wollte. Interessant, dass sich jetzt das Laufen in den SoleRunners viel weicher anfühlte als noch auf dem Hinweg zum Wald.

Überflüssig zu sagen, dass die Sohlen diesen kleinen Vorgriff auf eine hoffentlich lange Barfuß-Saison ohne jeden Schaden überstanden haben. Das Training der letzten Jahre hat sie so fest werden lassen, dass sie auch während der zurückliegenden Wochen ohne Barfuß-Training nicht schwächer geworden sind.

4 Gedanken zu: Kalte Füße, warmes Herz

  1. Hallo Wolfgang,

    Ich bin gespannt, wann Du die SoleRunners endgültig in Rente schickst 😉 apropos SoleRunners: ich habe bei Dir jetzt soviel darüber gelesen, dass ich die selbst mal ausprobieren möchte. Zwei Fragen dazu: welches Modell empfiehlst Du und wie fallen die aus. Ich hätte jetzt 41 gewählt, da ich das in den meisten normalen Schuhen auch habe. Gemessen habe ich Größe 40, das passt mir normal aber meist nicht, bei Laufschuhen hatte ich sogar schon einige in 42…

    Bei uns hatte es heute 12 Grad (Boden aber sicher weit kälter), da hättest Du sicher nicht lange überlegt 😉

    Gruß Sebastian

    1. Hi Sebastian,

      das mit der Rente wird noch dauern, ich nehm die SoleRunners nämlich auch dort, wo man Schuhe tragen muss, weil man sonst entweder nicht reingelassen oder permanent blöd begafft wird (Klassische Konzerte). Oder bei Sitzungen mit Kunden, solange sie mich noch nicht besser kennen. Aber sie beim Laufen nicht mehr benutzen zu müssen, weil auch Kälte nichts mehr ausmacht, ist schon ein Traum von mir.

      Falls du zur Größenermittlung die Herstellerseite oder eine inhaltsgleiche Tabelle benutzt hast: bei mir hat das immer gut geklappt. Wenn du allerdings auch im eisigen Winter – und dann mit dickeren Socken – laufen willst, miss die Fußlänge besser mit den dicken Socken, was vermutlich zur nächsten Größe führt.

      Die Nachfolger meines Modells (ich habe noch die FX Trainer 2) haben jetzt eine 2,5mm starke Sohle. Das ist – finde ich – noch nicht tragisch dick, hält aber sicher länger als die alten, nur 1,5 mm starken Sohlen. Als ich noch ein Lauftagebuch führte und neben der Streckenlänge auch die jeweils benutzen Schuhe notierte, kamen die SoleRunners auf eine Lebensdauer von 1.100 km, bis die Sohle ein Loch hatte. Die neuen halten sicher länger.

      Ich bin gespannt, wie du die Dinger findest.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. „Ein Gefühl wie Käsekuchen mit Kakao.“
    Sehr schön. 🙂
    Aber so in etwa fühlt es sich tatsächlich für mich auch jedesmal an, wenn ich meine Füsse nach einigen Schuhkilometern ins Barfussland befreie und losrenne. Plötzlich gehen noch ein paar Kilometer mehr als „eben noch“ vermutet.
    Meine Barfuss-Experimente bei Temperaturen um oder unter 0°C (ohne Schnee) haben übrigens gezeigt, dass das zwar möglich ist, aber nicht wirklich Spaß macht, da die Füsse von der Kälte abstumpfen und irgendwann kaum noch den Untergrund fühlen. Fehltritte in Splitter oder ähnlichem sind da ja fast vorprogrammiert. Also lieber minimale Schuhe an bzw nur kurze Strecken auf Asphalt rennen um die Hornhaut zu erhalten.
    … bald wird es wieder wärmer 🙂

    1. Hi Oliver,

      sehr beruhigend, dass es dir genauso geht mit dem schwindenden Bodengefühl. Ich meine aber, dass es bei mir vor einem Jahr spürbar schlimmer war und hoffe, dass es von Jahr zu Jahr besser wird, so dass ich irgendwann auch im Winter ohne Schuhe laufen kann. Und wenn das erst in zehn Jahren ist, dann warte ich halt so lange.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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