Kneipp’sche Pediküre

Ich will mir nicht nachsagen lassen, ein Schönwetter-Läufer zu sein. Nein, auch im Regen macht das Laufen Spaß, hauptsache, die Brille wird nicht vollgeregnet. Aber wozu gibts denn Schirmmützen?

Gesagt, getan: Schirmmütze aufgesetzt und im Regen losgetrabt. Den Anfang der Strecke machten einige hundert Meter auf der Wiese, dann ging’s in den Wald über Wurzeln und Bucheckern, dann wieder über Wiesen und schließlich bin ich dann mehrere Kilometer auf Feldwegen gelaufen. Alles natürlich barfuß. Und alles auf nassem Boden…

Das Laufgefühl war sehr angenehm. Selbst auf Streckenabschnitten mit rauhem Asphalt lief es sich butterweich. Vermutlich kam dieser Kinderpopo-Effekt daher, dass die Nässe des Bodens einen idealen Weichmacher darstellt. Als ich vor ca. 3 Jahren anfing, barfuß zu laufen, habe ich mir gleich beim ersten längeren Lauf fast die gesamte Hornhaut abgeraspelt. Zwar ist es – für Schuh-Läufer überraschend – gerade die Hornhaut, auf die man am meisten verzichten kann, weil sie als totes Gewebe Schmutzpartikel und Keime nicht aktiv abwehren kann; trotzdem zeigte mir diese Erfahrung, wie stark die Boden-Reibung der Sohle zu schaffen macht. Ich habe daher mehr als sonst darauf geachtet, so wenig Reibung wie irgend möglich zu erzeugen, und das heißt:

  • kleine Schritte mit hoher Frequenz
  • Fußaufsatz mit geringer Spannung
  • möglichst wenig Abdruck aus dem Sprunggelenk, sondern nur Streckung des Knies
  • deutliche Beckenrotation für eine mittlere Schrittlänge trotz der kleinen Schritte.

Die gesamte Strecke war ca. 20 Kilometer lang. Ich bin zwar schon fast doppelt so weit barfuß gelaufen, aber noch nie bei konstant nassem Boden, und so war ich neugierig, wie meine Fußsohlen das wohl überstanden hatten…

Nach dem Duschen waren zwar keine Blasen zu sehen, aber die Farbe der belasteten Stellen der Sohle war im Gegensatz zum sonst rötlichen Farbton eher als rosa zu bezeichnen. Richtig dünnhäutig ist die Sohle nicht geworden, aber eine kostenlose Kneipp-Kur mit gleichzeitiger Pediküre war’s schon.

Da meine Sohlen inzwischen soweit sind, dass sie bei trockenem Boden höchstwahrscheinlich auch die Marathon-Distanz ohne Schaden überstehen würden, bleibt die spannende Frage: was wird, wenn es während des gesamten Wettkampfs regnet? Vielleicht bekomme ich die Antwort ja am 26. Oktober 2014: wenn der Boden nicht zu kalt ist, starte ich – natürlich ohne Schuhe – beim Marathon in Frankfurt. Angemeldet hab ich mich jetzt…