Laufen, um abzunehmen? Bloß nicht!

Seit 2001, als ich mit der Lauferei anfing, schwankt mein Gewicht im Jahresverlauf immer so um 7-8 kg. Ich esse (außer in der Weihnachtszeit) zwar immer gleich viel, laufe aber – je nach Jahreszeit – ganz unterschiedliche Umfänge. Meine Wochenkilometer-Anzahl liegt minimal bei 15 und maximal bei 130, daher die Gewichtsschwankungen!
Ich würde aber nie nie! nie!!! laufen, um abzunehmen.

Deshalb habe ich auch keine Waage. Mein Gewicht kriege ich raus, wenn Hund oder Katze mal wieder zum Tierarzt müssen. Dann, so etwa 3-4 mal im Jahr, stelle ich mich auf die große Bodenplatte, auf der man Hunde der Rassen Kangal oder Fila Brasileiro, Berner Sennenhunde und andere Wuchtbrummen wiegt. Die geht nicht gleich kaputt, wenn ich mich mal draufstelle. Zwischendurch merke ich Gewichtsveränderungen daran, wie gut mir Hosen passen und in welches Loch der Dorn des Armbands gesteckt werden muss, damit die Uhr nicht schlabbert.

Wenn das Laufen so einen direkten Einfluss auf das Gewicht hat, warum soll man denn dann nicht laufen, um abzunehmen?

Wer läuft, um abzunehmen, ist selten so locker, dass er den Effekt einfach geschehen lassen kann. Im Gegenteil: nach jeder Laufwoche muss gecheckt werden, wieviel Gramm  (Kilo?) jetzt wieder runter sind. Viele hoffen sogar, den Effekt täglich messen zu können. Wie oft bringt das Wiegen Frust und Unmut darüber, dass das Laufen doch nix taugt? Und wie wenig bleibt noch von dem Zauber, den man beim Laufen erleben kann, wenn man es nicht als Mittel zum Zweck benutzt? Wie unvoreingenommen kann ich noch laufen, wenn ich dauernd an mein Gewicht denken muss, und mich vielleicht sogar quäle, damit ich später auf der Waage Erfolge feiern kann, obwohl mir das Laufen gerade gar keinen Spaß macht?

Besser ist das umgekehrt: den Spaß am Laufen bekommen, kultivieren, und darüber die Strecken immer weiter ausdehnen. Und plötzlich – wenn du gar nicht mehr daran denkst – fällt dir auf, wie leicht du plötzlich läufst. Das liegt zwar auch an deinen Laufumfängen mit ihrem Kalorienverbrauch, nicht zuletzt aber auch daran, dass sich dein Körper dem Laufen anpasst. Er produziert Hormone, die das Gewicht regulieren, und sorgt dafür, dass du es wirklich schwer hast, schwer zu werden, vorausgesetzt du pumpst dich nicht absichtlich mit massenweise Junk Food und Unmengen an kalorienhaltigem Gesöff auf.

Wenn dann alles sich richtig gut entwickelt hat, kannst du das Laufen kaum noch als Mittel der Gewichtsreduktion nutzen, weil du so ergonomisch und effizient läufst, dass du auch bei langen Läufen von 30km und mehr kaum noch „Körner“ brauchst.