Locker lesen – locker laufen!

Eine Buchempfehlung für alle, die sich nicht gern selbst im Weg stehen

Ein wichtiger Grundsatz beim Laufen lautet: setze nur so viel Kraft ein, wie du wirklich brauchst. Gelingt es uns, diesem Grundsatz so weit wie möglich zu folgen, entsteht ein müheloses, leichtes, freudvolles und vergnügliches Laufen.

Ich vergleiche immer wieder gerne das Laufen mit dem Leben; mir fällt auf, dass die meisten Läufer so laufen, wie sie leben. Manche versuchen, mit hohem Einsatz bestimmte Ziele zu erreichen („train hard, win easy“). Nicht wenige verlieren dabei ihre Lockerheit und werden zu verbissenen Athleten, die sich von mächtigen Gegnern umstellt sehen („Der Job hindert mich daran, richtig zu trainieren“, „Die Scheiß Erkältung, genau jetzt…“, „Das Wetter hat einfach nicht gepasst“ etc.). Nur allzu gerne übersehen sie, dass sie selbst es sind, die es sich so schwer machen.

Patrick Lynen hat ein kleines Büchlein verfasst, welches uns in 33 täglichen Mini-Lektionen die ehrgeizig zusammengekniffenen Augen öffnet für eine Welt voller Wunder, wie wir sie mit kindlich-unvoreingenommenem Gemüt noch erleben durften…

Langsam anfangen

Die Übungen fangen tatsächlich ganz langsam an. Das erste Kapitel nimmt gleich den Druck aus dem Kessel und verleitet uns dazu, den Freitag bewusst laaaaaangsam anzugehen. Den Freitag? Richtig: das Buch startet – mit Absicht – freitags, damit auch der typische Wochenrhythmus (Arbeit – Freizeit) optimal genutzt werden kann. Wer sich das Buch zulegt, sollte bitte mit der ersten Tageslektion bis zum nächsten Freitag warten – es lohnt sich.

Jeder Tag bringt einen anderen Aspekt von Bewusstheit

Das Büchlein streift ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit einem Füllhorn an Ideen alle wichtigen Aspekte unseres Daseins. Ob es um die ständige Online-Verfügbarkeit oder die rastlose Verstrickung in Aktivitäten geht, ob es um die Intuition als Quelle guter Entscheidungen oder um die Selbst- und Außenwahrnehmung sowie unsere Reaktion auf andere Menschen geht, immer werden wir aufgefordert, einen bestimmten Aspekt bewusst zu erleben.

Ganz sanft entsteht so im Laufe von 33 Tagen der Eindruck, dass es auch ganz anders geht und dass es viele lohnenswerte Alternativen zu unserer Angewohnheit gibt, in einer bestimmten Weise zu leben.

Ergebnis

Das mindeste, was man nach der Lektüre des Buchs (und seinen Bewusstseins-Übungen) bekommt, ist ein geweiteter Blick auf die Realität, mehr Toleranz gegenüber uns selbst und unserem Umfeld sowie die Lust, manchmal wieder ohne Angst einfach etwas auszuprobieren.

Das beste, was passieren kann, ist eine veränderte Weichenstellung für das weitere Leben: die Fähigkeit, Alles aus einer frischen, neuen, nicht durch Denkgewohnheiten eingeschränkten Sicht zu betrachten. Alles meint: auch unser Laufen. Wer das Gefühl hat, seinem Laufen würde Lockerheit gut tun, der sollte das Buch unbedingt lesen, auch wenn es gar nichts mit dem Laufen zu tun hat. Eine lockere Einstellung zum Leben wirkt sich garantiert auch auf die Weise aus, wie wir laufen.

Ich kann das Büchlein nur wärmstens empfehlen. Zu einem Preis, den man sonst gerne für 3 Tütchen PowerGel ausgibt, bekommt man eine viel effizientere Energiequelle, denn:

In der Ruhe liegt die Kraft…

2 Gedanken zu: Locker lesen – locker laufen!

  1. Hallo Wolfgang,

    na das klingt doch interessant. Beim Laufen brauche ich mich sicher nicht noch lockerer zu machen, aber bei allem anderen kann das wohl nicht schaden. Ich werde mir Deinen Tipp zum Preis von drei Powergels holen – auf letztere verzichte ich dafür. Ich habe unterwegs in der Regel genug Luft zum kauen 😉

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Hi Sebastian,

      ich denke, du wirst den Kauf nicht bereuen.

      Was ich sehr schön fand, war die minimale Zeit, die das Lesen und Einfühlen in das Tagesmotto nur brauchte. Selbst bei größtem Stress kann man diese maximal 5 Minuten locker (!) erübrigen. Die Wirkung entfaltet sich dann, wenn man sich tagsüber immer mal wieder an das jeweilige Motto (und – fast automatisch – auch an die früheren Mottos) erinnert.

      Schöne Übungen, um in bewegter Zeit doch ab und zu mal die Ruhe im Zentrum des Zyklons zu genießen.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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