Mal was langes?

Gestern hat mich die Lust auf einen langen Lauf gepackt. Warm sollte es werden, also bin ich schon früh aufgestanden, so um 05:30 Uhr.

Die fetten Nummern in Klammern beziehen sich auf die Bilder in der Galerie weiter unten. Die Seite einfach in zwei Tabs laden und dann die Beschreibung im einen Tab lesen, die Galerie im anderen Tab ansehen.

Ca. 1 Stunde später bin ich dann gestartet, nach einem minimalen Frühstück, bestehend aus einem bisschen Wasser, so etwa 1 Glas, und einer Tasse Getreidekaffe mit Milch (1), lecker! Ach ja, die Strecke: ca 33 km, natürlich (= ohne Schuhe, ohne Uhr), aber mit meiner kleinen GoPro Kamera. Eilig hatte ich es nicht, also trabte ich gaaaaanz gemütlich los…

Los gings bei mir zu Hause und gleich durch den idyllischen kleinen Europapark (2), über schmale Wege mit sogenannten Knochensteinen (3), auf denen sich unglaublich viele  rote Wegschnecken tummelten. Die waren noch langsamer unterwegs als ich.

Bei einem der Schwalbacher Wahrzeichen (4) – hieß früher „die VDO“, heute ist die Continental drin – ging es auf die sogenannte Limes-Spange. Der Blick schräg zurück zeigt die helle Morgensonne über einem Kornfeld (5).  Dann links abgebogen und auf die lange Strasse am Main-Taunus-Zentrum (6) vorbei, das ist eines der ältesten Einkaufszentren Deutschlands, inzwischen schon mehrfach runderneuert und vergrößert.

Die lange Strasse heißt Königsteiner Strasse, sie führt nach Frankfurt-Höchst (7) unter einer der am stärksten befahrenen Autobahnen Deutschlands, der A66, durch. Auch in Höchst (wo das Ziel meines Zehners lag, siehe unten) geht sie noch kerzengerade weiter (8). Überraschung dann hinter der Scheibe eines Autohauses: „FREUDE HEISST SIE WILLKOMMEN“ (9). Meinen die mich? Dann mach ich doch mal ein Selfie…

Die Eisenbahn-Brücke in der Nähe des Höchster Bahnhofs ist von unten sehenswert: die Nieten der alten Stahlkonstruktion werden so geschickt angestrahlt, dass sie selbst wie tausend kleine Leuchten aussehen (10).

Den Kreisel (11) hinter der Brücke passiere ich und erreiche ein paar hundert Meter weiter den Main. Das Bild (12) schaut gegen die Laufrichtung zu dem nur 150m entfernten Ziel des Kreisstadtlaufs (mein „Zehner ohne“). Wieder in Laufrichtung sehe ich das Hausboot Venus (13), mit deren damaligen Bewohnern ich vor ca. 30 Jahren in einer Band gespielt habe. Es macht einfach viel Spaß, auf so einem Lauf am Morgen so viele Erinnerungen wach zu rufen.

Wenige Meter weiter kommt das kleine Niddabrückchen (14), über das ich ans Mainufer gelange. Hier kommt die erste längere Wiese (15), auf deren unebenem, von Hunden immer wieder angegrabenen Grund die Füße so richtig Arbeit bekommen. Und wieder ein paar hundert Meter weiter habe ich die Nidda erreicht, an der jetzt reichlich Kilometer zu machen sind. Das Bild (16) zeigt den Uferweg; 15 Meter weiter rechts findet man die Oeserstrasse, die auf der Strecke des Frankfurt Marathons liegt. Immer wenn ich den Marathon laufe, denke ich an dieser Stelle umgekehrt an meine langen Niddaläufe.

Danach kommt ein Teil der Nidda, an dem früher eine Staustufe war; inzwischen hat man ihr mehr Fläche gelassen und ein natürlicheres Flussbett mit Steinen und Stromschnellen modelliert. Wer das Bild (17) in voller Größe sieht, entdeckt in dem hinteren, ruhigen Teil einen Reiher, der geduldig auf Beute wartet.

Im nächsten Bild sieht man rechts den Uferweg und mittig die Nidda (18), die hier wieder ganz ruhig dem Betrachter entgegen fließt. Dann geht es unter einigen Autobahnbrücken hindurch immer weiter geradeaus bis zu einer Eisenbahnbrücke (19), unter der sich jeder bücken muss, der größer als 1,80 m ist, will er sich nicht den Kopf stoßen.

Kurz hinter der Brücke gibts dann im Solms-Park wieder reichlich Wiese (20), bevor man dann über ein Brückchen auf die andere Niddaseite kommt.

Erst ca. 5 km später wird dann das Flüsschen auf Höhe der Römerstadt wieder verlassen. Ab jetzt ist die Strecke fast ausschließlich eben oder leicht ansteigend. Durch die Heddernheimer Kirchstrasse (21) geht es über Niederursel (22) in die Nordweststadt. Hier habe ich vom 3. bis zum 11. Lebensjahr gewohnt und viel Zeit im Feld hinter den Hochhäusern verbracht. Das Bild zeigt die Spielwiesen meiner Kinderzeit (23). Mitten im Bild ist die Unterführung unter der A5, durch die ich gleich nach Steinbach laufen werde.

Auf der Steinbacher Seite gehts dann stärker bergauf durch die Felder. Hier noch schnell eine Aufnahme mit der Nordweststadt im Hintergrund (24), und dann liegen nur noch 8 Kilometer vor mir.

Das Laufen macht mir immer noch viel Spaß. Es ist zwar warm, aber durch das leichte Schwitzen wird so viel Verdunstungskälte erzeugt, dass ich die Temperatur wirklich angenehm finde.

1,5 Kilometer vor meinem Zuhause erreiche ich den Kronberger Hang (25), eines der Schwalbacher Gewerbegebiete. Von den Bürohäusern bekommt man aber nichts mit, außer dass man sie sehen kann. Jetzt noch an einer Kleingartenkolonie vorbei, nach links abbiegen, den Ostring überqueren und nach ein paar weiteren Metern habe ich das Schlussstück erreicht: eine der vielen Wiesen, die man damals – Anfang der 70er Jahre – noch reichlich in den Siedlungen anlegte, als der Bauplatz noch nicht so teuer war wie heute. Hier – nach inzwischen 33 Kilometern – bekomme ich Lust auf einen kleinen Schlusssprint: ich nutze die Wiesenstücke (26) als Anlauf, um über die quer liegenden Fußwege zu springen. Nach 3 Hopsern ist der Lauf zu Ende, wie schade! Das waren jetzt ziemlich genau 180 Minuten Freude. Aber auch richtig schön, dass ich solche Strecken inzwischen ohne Schuhe laufen kann, und sich anschließend meine Füße (27, 28) kein bisschen unangenehm anfühlen; ganz anders als noch zu der Zeit, als ich noch mit Schuhen unterwegs war.

Bildergalerie des langen Niddalaufs: auf das erste Bild klicken und mit der Cursortaste rechts durchblättern oder auf die Links „< Zurück“ oder „Weiter >“ am unteren Bildrand klicken.

 

Und hier noch das Video der letzten Meter:

Fast hätte ich es vergessen: die Tour für alle, die Karten lieben: http://www.gmap-pedometer.com/?r=6915148

6 Gedanken zu: Mal was langes?

  1. Lieber Wolfgang, toll, wie du das geschafft hast, alle möglichen Untergründe problemlos zu belaufen.

    Auf dem Video erscheint es mir, als ob du auf der Ferse aufsetzt – ist das so ?

    Schade, dass du nicht auf meinen letzten Kommentar( letzter Post ) reagiert hast !

    Schwüle Grüße von der Ostsee

    1. Liebe Margitta,

      dir entgeht aber auch nichts! Das mit der Ferse ist mir auch aufgefallen, und einen kurzen Moment dachte ich daran, dass man jetzt denken könnte „Aha: er schwätzt was vom Vorfußlauf und das Video beweist das Gegenteil!“. Dann habe ich aber nochmal überlegt, was ich da tue: ich nehme Anlauf für einen Sprung, der mit der Kraft der Beinmuskeln weit und hoch sein muss, damit ich nicht auf der Bordsteinkante lande. Und du hast recht: hierfür setze ich mit der Ferse auf, um gegen die Laufrichtung zu bremsen und den Vortrieb in Höhe umzuwandeln. Ich glaube, das geht nicht anders. Und bei der Landung muss das „Landebein“ auch weit nach vorne gebracht werden, was wiederum zum Fersenaufsatz führt. Ein paar Meter weiter gehts dann wieder wie gewohnt ohne Ferse.

      Das mit deinem Kommentar (letzter Post) war keine böse Absicht! Ich hatte gar nicht angenommen, dass darin eine Frage steckt, die du gerne beantwortet hättest. Umgekehrt erwarte ich auch nicht, dass auf meine Kommentare immer ein Kommentar des Blog-Betreibers kommt; theoretisch könnte ja auch ein anderer Leser auf einen Kommentar was antworten. Also: nimms mir nicht übel; ich werde mich bessern 🙂

      Liebe Grüße aus dem schwül-feuchten Vordertaunus
      Wolfgang

  2. Natürlich nehme ich es dir nicht übel, aber ich gehe immer davon aus, dass mein Kommentar nicht gelesen wurde, wenn es keine Reaktion darauf gibt, zumal ich bemüht bin , auf jeden Kommentar zu antworten, genau aus diesem Grund.

    Das mit der Ferse aufkommen irritiert mich ein wenig, zumal ich ja auch Vorfußläuferin bin und IMMER mit dem Vorfuß zuerst aufsetze – komisch ! 😳

    1. Tja, liebe Margitta, weil mich das auch irritiert hat, habe ich die Aufzeichnungen meiner GoPro nochmal durchgesehen. Tatsächlich hatte ich vorgestern auch noch bei 3 anderen Teilstrecken mal den Videomodus an. Ich habe jetzt die Aufnahmen zusammengeschnitten und in ca. 8-facher Zeitlupe hochgeladen.

      Schau es dir mal an: https://youtu.be/rBQ6LOnAZtQ (habe leider vergessen, den Ton auf 0 zu drehen; Ton in Zeitlupe klingt immer bescheuert; musst deinen Lautsprecher stumm schalten!). Man sieht dort den Fußaufsatz beim 5:30er Schnitt: Außenkante Kleinzehengrundgelenk -> Pronation mit Aufsatz von Ballen, Zehen, Rest des Fußes. Auch die Ferse bekommt Kontakt, aber kaum Druck. So laufe ich auf glattem Asphalt; wird es schwieriger, laufe ich mehr über Zehen und Ballen, um einen längeren Federweg zu haben. Aber wie gesagt: beim Sprung über Hindernisse sieht das alles anders aus 🙂

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  3. Hallo Wolfgang, danke für das Teilhaben am langen Lauf. Spornt mich definitiv an noch mehr ohne Schuhe zu laufen, „irgendwann“ schaffe ich hoffentlich auch mal so eine Strecke. Machbar wäre es hier jedenfalls; mir ist aufgefallen, dass ich fast jede Strecke mittlerweile unterbewusst auf Barfuß-Tauglichkeit prüfe 🙂
    Die Sache mit der Ferse kommt wir sehr bekannt vor, besonders auf Wiese sieht es so aus als würde man ständig mit der Ferse aufkommen, stimmt aber nicht, es ist eigentlich immer eine Art „Reindrehen“ über den seitlichen Fuss (gut zu erkennen an der nackten Fußsohle) und dann sanftes „Auftatschen“ mit der Ferse. Der weiche Untergrund macht es nur etwas einfacher dieses Auftatschen im Ablauf schneller möglich zu machen, auf Stein oder Asphalt unmöglich. Ich bemerke das manchmal bei schnellen Sprints (rote Ampel) über die Strasse, selbst bei grösseren Schritten dann doch wieder brav auf den Vorderfuss aufzukommen. Ferse dagegen wäre sehr schmerzhaft, da tatsche ich auf Asphalt nicht mal. Eigentlich ist barfuss laufen ja recht einfach 😉
    Beste Grüße, Oliver

    1. Hi Oliver,

      genau so fühlt es sich bei mir auch an. Und das „Reindrehen“ bekommen Lauf-Einsteiger als „Pronation“ verkauft, für die man unbedingt einen Schuh mit Pronationsstütze braucht. Dass dadurch ein gesundes Fußgewölbe gar nicht mehr federn und mithin das Knie (und den Rest oberhalb) effizient schützen kann, ist offensichtlich.

      Da ist – wie du sagst – barfuss laufen recht einfach: sobald man – nach langsamer Eingewöhnung der Sohle – irgendeinen Teil ungünstig belastet, bekommt man sehr schnell eine entsprechende Rückmeldung. Beim Laufen mit Schuhen wird dieses Feedback über die Konstruktion des Schuhs verändert und die nur schwer festzustellende Fehlbelastung trifft Strukturen, die dann krank werden, ohne selbst direkt an ihr beteiligt zu sein.

      Aber mein Hauptgrund für das Laufen ohne Schuhe ist das maximal freie Gefühl, durch nichts beim Laufen behindert zu werden.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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