MUTTER

DU hast uns, deine Kinder, groß gezogen. Hast uns alles gegeben, was wir zum Leben brauchen. Hast uns nicht gehindert, DICH auszuzehren, DEINE anderen Kinder zu quälen und zu vernichten.

Wir meinten, erwachsen genug geworden zu sein, um auf eigenen Beinen zu stehen. Wir haben DICH verspottet und für primitiv erklärt. Wir haben DICH bestohlen und verletzt, und zeitweise haben wir DICH sogar verlassen, weil wir uns anmaßten, eine bessere Mutter finden zu können.

Vielleicht müssen wir DICH erst aus der Ferne sehen, um DEINE Schönheit und Güte, DEINE Weisheit und auch DEINE Zerbrechlichkeit zu begreifen.

The Earth seen from Apollo 17

Ich möchte mich bei DIR entschuldigen. Für all die unsägliche Überheblichkeit, mit der wir Kinder auf DIR herumtrampeln. Ich schäme mich dafür, wie wenig DU heute noch im Bewusstsein DEINER Kinder präsent bist. Sieh es als ein Zeichen meiner Reue an, dass ich mich nach dem direkten Kontakt zu DIR sehne. Nach dem Kontakt meiner unbekleideten Fußsohlen mit DEINER Haut, DEINER Erde, DEINEM Boden, DEINEN Wurzeln und DEINEN Gräsern. Und während um mich herum so viele DEINER Kinder meinen, in einer aufregenden, neuen, künstlichen Welt leben zu können, wache ich auf und erkenne, wie lächerlich diese Illusion ist. Drei Minuten ohne DEINEN Sauerstoff, sieben Tage ohne DEIN Wasser, drei Wochen ohne DEINE Nahrung, und niemand mehr träumt von einem Leben ohne DICH.

Und für alle Science Fiction Fans, die bis hier durchgehalten haben: wir sind hoffentlich die einzige Spezies, die ihr einziges Großraumschiff systematisch (und mindestens ebenso fahrlässig) vor die Hunde gehen lässt.