Nicht käuflich

Jetzt, wo ich sie habe, fällt mir auf, wie lange es doch gedauert hat, bis ich sie hatte.

Keine Bestellung bei Amazon, kein schneller Kauf beim Laufshop so im Vorbeigehen.

Selbst eine Sonderanfertigung beim plastischen Chirurgen wäre schneller gegangen.

Dafür waren sie billig.

Nicht einen Cent hab ich ausgegeben. Im Gegenteil, ich hab sogar ne Menge Geld gespart.

Die Rede ist von den Sohlen, auf denen ich mein Lauftraining absolviere.

Es sind meine eigenen, meine Fußsohlen.

Ich musste einfach nur Geduld haben. Viel Geduld. Musste warten, bis die körperlichen Anpassungen von alleine kamen. Woche für Woche, Monat für Monat. Natürlich reicht warten nicht, man muss die Dinger auch benutzen. Das ist dann aber auch schon alles. Nur benutzen, das reicht.

Und heimlich, ganz heimlich und fast nicht zu merken, passten sich die Sohlen an. Wurden fester, robuster. Kräftiger, unempfindlicher, und doch kein bisschen weniger empfindsam.

Die ganze Saison – von den ersten wärmeren Tagen bis jetzt zum September – habe ich nur zwei mal Schuhe getragen. Mag dumm klingen, aber beim zweiten und bislang letzten Lauf mit Schuhen habe ich sogar eine Blase bekommen. Früher ist das in diesen Schuhen nicht passiert. Inzwischen bewegen sich meine Füße aber mehr, und da engen Schuhe nur ein, daher die Blase – seitlich oben am Großzeh, genau da wo sonst kein Stoff drüber ist. Sonst, wenn ich barfuß laufe.

Wenn ihr auch solche Sohlen haben wollt, mit denen es sich so prima laufen lässt, dass man nie wieder Schuhe tragen will, dann müsst ihr einfach nur mal eine Saison lang barfuß laufen und alle anderen Laufgewohnheiten komplett ausknipsen:

  • keine Wettkämpfe,
  • kein Wettkampf-orientiertes Training,
  • runter mit den Wochenkilometern,
  • runter mit dem Speed.

Und wie durch ein Wunder werdet ihr über kurz oder lang merken, wie phantastisch das freie und unbehinderte Laufen sein kann. Wie erfrischend die große Wiese mit all ihren Unebenheiten sein kann, an der ihr auf eurer Hausstrecke immer entlang gelaufen seid. Aber niemals drüber, denn ihr hättet ja eure Laufschuhe mit gemähtem Gras oder Hundekacke versaut oder nasse Füße bekommen. Wie schön jetzt nasse Füße sind, wenn man keine Schuhe trägt! Und wie schnell die wieder trocken und sauber sind!

Den ganzen Spaß hab ich jetzt für umsonst. Kaufen hätte ich ihn ja eh nicht können.

Weil er nicht käuflich ist.

2 Gedanken zu: Nicht käuflich

  1. Glückwunsch zu deinem neuen Blog! Den alten habe ich in den letzten Wochen ab und an mal gelesen und bin auch von einem Blog über die ganze Welt zu einem Barfuß-Blog übergegangen.
    Allerdings bin ich noch nicht auf deinen Distanzen. Mit Spannung lese ich, wie sich deine Sohlen anpassen. Gerade jetzt im herbst finde ich Eicheln, Buchecker-Hülsen usw. nicht immer angenehm auf den Trails, nach einigen Kilometern will ich oft einfach nicht mehr recht locker laufen. Aber es scheint, als könnte das alles noch viel viel besser werden 🙂 Ich freu mich drauf!

    1. Hallo Jochen,

      wenn ich die Beiträge in deinem Blog lese, erkenne ich die gleichen Erfahrungen wie ich sie gemacht habe und noch mache: im Vergleich zum Barfuß-Beginner halten unsere Sohlen immer mehr aus, auch wenn es nach wie vor manch harte Herausforderung gibt, vor allem im Herbst, wenn die Bäume ihre Früchte abwerfen.

      Um wieder ein wenig Ausdauer zu bekommen, habe ich allerdings mein Laufen im Wald (wo es bei uns leider auch viel Schotter gibt) stark reduziert und bin dafür längere Strecken auf Asphalt, Bürgersteigen und Feldwegen unterwegs, nehme aber jeden Park immer „mitten durchs Grün“. Wenn ich auch geschrieben habe „keine Wettkämpfe„, werde ich doch in 10 Tagen in Frankfurt den Marathon laufen, allerdings nicht auf Zeit, sondern auf Genuß. Aber danach gehts auch wieder in die wilde Natur, weils einfach viel schöner ist, auch wenn die schwierigsten Strecken nur im ganz langsamen Trab zu schaffen sind.

      Was ich aber ganz grundsätzlich gelernt habe: je länger man schon aufs barfuß Laufen umgestiegen ist, umso robuster werden die Füße und man hält laufend Untergründe aus, auf denen man früher nicht mal hätte gehen können, und auf dieses Wachstum kann man sich absolut verlassen. Ich weiß jetzt, dass ich schon weit gekommen bin, aber das meiste liegt noch immer vor mir. Und darauf freue ich mich, genau wie du!
      Haasky / Wolfgang

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