Osterwetter

Sturm Niklas hatte in den Tagen vor Ostern für scheußliches Wetter gesorgt. Kälte, Nässe und ein unangenehm scharfer Wind machten den Aufenthalt im Freien zu einem spaßbefreiten Erlebnis. Pünktlich zu Ostern wurde das Wetter zwar besser: Karfreitag und Ostersonntag waren richtig schöne Tage; kalt war es in den Morgenstunden aber noch immer. Am heutigen Ostermontag früh habe ich mich dann entschieden, trotz der sehr bescheidenen 4 Grad Außentemperatur die Schuhe wegzulassen.

Statt wie sonst erst mal 200m zu Fuß zu gehen und dabei ein wenig Zehengymnastik als Aufwärmübung zu machen, trabte ich gleich los, damit die Füße in Bewegung kommen und länger warm bleiben. Vorsichtshalber hatte ich mir einen kleinen Rundkurs ausgesucht, bei dem ich jederzeit wieder nach Hause abbiegen konnte. Und so beobachtete ich ohne Stress, was die Bodenkälte mit meinen Füßen anstellte:

Die ersten 500m waren noch sehr angenehm, weil ich mit warmen Füßen gestartet war.

Auf dem darauf folgenden Kilometer wurde das Feingefühl der Sohle immer schwächer und es kam eine kalte Pelzigkeit auf, die immer dann von einem leichten Brennen begleitet wurde, wenn der Boden sehr rauh wurde. Alles aber in einem gut erträglichen Maß, so dass ich mich noch nicht für die Rückkehr nach Hause entschied.

Danach veränderte sich das Gefühl in der Sohle nicht mehr, nur die Zehen wurden tauber, was das Gefühl für den Boden betraf. Die Greifbewegung spürte ich noch deutlich, und die Farbe der Zehen ging in ein leichtes rosa über, so wie die Finger aussehen, wenn man ohne Handschuhe einen Schneeball geformt hat. Gut durchblutet, aber kalt.

Das Laufgefühl war noch überaus angenehm, ich entschied mich aber dann doch zur Umkehr, weil ich nicht riskieren wollte, mir etwas in den Fuß zu treten, was ich dann wegen der reduzierten Sohlenempfindlichkeit erst gemerkt hätte, wenn es der Sohle schon geschadet hat.

Auf dem letzten Kilometer (es wird wohl der fünfte gewesen sein) nahm die Empfindung der Sohle wieder etwas zu, obwohl der Boden nicht wärmer wurde, und ich hatte plötzlich Lust, doch noch länger zu laufen. Alle, die mich jetzt für bekloppt halten, müssen wissen, dass mich das sanfte, weiche, federnde Gefühl des Laufens ohne Schuhe so begeistert, dass ich auch ein unangenehmes Gefühl in der Sohle dafür in Kauf nehme. Das ist mir allemal lieber als in Schuhen zu laufen, auch wenn diese das Etikett „Barfußschuhe“ tragen. Trotz alledem entschied ich mich, nach Hause zurückzukehren, um nicht selbst gegen das Prinzip der allmählichen Gewöhnung zu verstoßen, das ich anderen so gerne empfehle.

Was für mich ganz neu war: es gab nach diesem Lauf keinen „Auftau-Schmerz“, nachdem ich wieder in der Wärme war. Das dumpfe ziehende Brennen, wenn man Füße (oder Hände) aufwärmt, nachdem sie sehr kalt geworden waren, kam einfach nicht. Entweder waren die Füße nicht lange genug so kalt oder ich habe mich schon ein wenig an das Laufen mit sehr kalten Füßen gewöhnt.

Lustig waren wie immer die Leute, die meinten, sie würden sich mit kalten Füßen eine Erkältung holen. Das ist natürlich genauso primitiv gedacht wie falsch. Man wird ja auch durch den Verzehr von Fett nicht fett: wer dies glaubt und deshalb auf den Fett-reduzierten und ersatzweise mit Glukose-Fructose-Sirup angereicherten 0% Fett-Drecksfraß ausweicht, wird tatsächlich fett. Komischerweise glaubt niemand, dass man durch den Verzehr von rohem Gemüse selbst roh wird. Mir könnten da durchaus noch so ein paar lustige Aberglaubens-Sätze einfallen…