Rissiko

Immer wieder versuche ich in meinen Beiträgen zu zeigen, dass Barfuß-Laufen das gesündeste Laufen ist. Es ist gut für die Gelenke, die Lauftechnik, es härtet ab – ja, auch gegen Erkältungen.

Ich wäre unehrlich, wenn ich die Schattenseite meiner Lieblingssportart unterschlagen würde. Am letzten Sonntag habe ich mir einen Riss in der Fußsohle zugezogen.

Es war ein schöner langer Lauf. Gleiche Strecke wie hier beschrieben, nur in umgekehrter Richtung. Ich hatte ca. 25 der 33 km hinter mir und lief in Frankfurt-Höchst durch die Fußgängerzone der Königsteiner Strasse. Hier gibt es glatte, angenehme Gehwegplatten, über die man locker laufen kann. Es gibt auch keine Bäume auf diesem Stück, so dass man nicht auf Eicheln, Bucheckern, Kirschkerne oder Haselnussschalen achten muss.

Ich genoss das Teilstück und achtete nicht allzusehr auf den Boden, bis ich mit dem rechten Fuß auf etwas Dickes trat. Reflexartig versuchte ich den Schritt vorzeitig zu entlasten, aber noch bevor ich den Fuß anheben konnte, knackste es.  Ich hatte spontan den Eindruck, auf eine kleine Flasche a la Underberg getreten zu sein, die wohl beim drauf Treten zerbrochen sein muss, aber genau weiß ich es nicht. Weil mir nichts weh tat, bin ich weitergelaufen, ohne der Sache auf den Grund zu gehen.

Wieder zu Hause, schaute ich mir schnell mal die Sohlen an und entdecke: nichts.

Erst am Nachmittag spürte ich – nachdem ich etwa eine Stunde lang im Liegen gelesen hatte – ein unangenehmes Gefühl so zwischen Drücken und Brennen. Das genauere Hinschauen offenbarte einen ca. 4cm langen, 2mm tiefen Riss in der Sohle im Übergang zwischen Ballen und Fußgewölbe, auf dessen Grund es rötlich feucht schimmerte. „So ’ne Kacke,“ dachte ich, „jetzt hat’s dich doch erwischt!“. Nicht, dass ich so etwas bei mir kategorisch ausgeschlossen hätte, aber auf einem stinknormalen Gehweg hätte ich das einfach nicht erwartet, sondern eher in einer Wiese, wo Scherben unter Gras liegen.

Nachdem ich – um die Heilung nicht zu gefärden – 3 Tage mit Laufen ausgesetzt habe, bin ich heute wieder unterwegs gewesen. Mit Fivefingers und Zehensocken war die Sohle ausreichend geschützt. Also war es nur in so fern spannend, ob der inzwischen ganz gut verheilt aussehnende Riss die Scherkräfte aushalten würde, die bei der üblichen Pronation auftreten. Ich bin auch nur 14 km gelaufen, weil ich kein Risiko eingehen wollte. Immerhin ist ja Ende nächsten Monats in Frankfurt Marathon!

Ergebnis des heutigen Laufs (und zwar nach dem Duschen, damit es auch noch mal einen Wasserfestigkeits-Test gibt): alles ok, keine Erweiterung des Risses. Er ist zwar noch sichtbar, es gibt aber keinen Spalt mehr.

Ich werde trotzdem erst wieder am Sonntag barfuß laufen, um ganz sicher zu gehen, bin aber froh, dass 3 Tage Aussetzen ausreichten, um die fürs Laufen notwendige Festigkeit wieder herzustellen.

Vielleicht ist das ja das schönste Fazit aus der Sache: es gibt beim Barfuß-Laufen keine absolute Sicherheit vor Verletzungen, auch wenn man noch so sehr aufpasst oder noch so schnell reagiert, aber das Vertrauen, dass auch im Verletzungsfall alles wieder ganz schnell in Ordnung kommt, ist viel mehr wert als jede absolute Sicherheit.

8 Gedanken zu: Rissiko

  1. Lieber Wolfgang,

    “ : es gibt beim Barfuß-Laufen keine absolute Sicherheit vor Verletzungen, auch wenn man noch so sehr aufpasst oder noch so schnell reagiert, aber das Vertrauen, dass auch im Verletzungsfall alles wieder ganz schnell in Ordnung kommt, ist viel mehr wert als jede absolute Sicherheit. “

    Trifft das nicht auf alle Arten des Laufens zu ? Man kann auch mit Schuhwerk leider Verletzungen nicht ganz aus dem Weg gehen.

    Wie auch immer, die Gefahr beim barfuß Laufen ist natürlich wesentlich größer. Wenn du durch die Fußgängerzone in Ffm-Höchst läufst, könnte ich mir lebhaft vorstellen, dass überall irgendwelche Gefahren für die Füße lauern, darf gar nicht daran denken, brennende Kippen (bin mal in eine barfuß getreten !!), Glas und und und, da kann man wohl nicht genug aufmerksam sein.

    ABER – und jetzt kommt das ABER, deine Füße erholen sich scheinbar schnell von irgendwelchen Attacken unserer Umwelt – möge es immer so bleiben. Aus meiner persönlichen Erfahrung heilt Sportlerfleisch sowieso seeeeeeeeeeehr schnell – zu unserem großen Glück – so etwas wie eine kleine Belohnung !!

    Pass‘ gut auf dich auf ! 😎

    1. Liebe Margitta,

      versprochen! Ich werd‘ – auch in Zukunft – gut auf mich aufpassen. Insofern war der Riss ein kleines Lehrstück zum Thema Achtsamkeit, welches jetzt – im 5. Jahr schuhlosen Laufens – genau richtig kam. Wenn sehr lange nichts passiert, wird man nachlässig, und das ist niemals gut.

      Ich bin dankbar, dass nicht mehr dabei passiert ist als der jetzt schon prima verheilte Riss.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. Lieber Wolfgang,

    das passt zu meiner Erfahrung, das Barfußlaufen ist nicht nur gesünder und angenehmer für die Gelenke und die Wirbelsäule, sondern auch die Haut am Fuß selbst geht mit einer Schädigung lockerer um. Ich habe mir im Frühjahr zwischen Ballen und Großzeh eine Riss-Quetschwunde auf feinkörnigem Schotter zugezogen, da ich auf ein Stück Metall (!?) getreten war. Pausiert habe ich nicht, allerdings habe ich auf den folgenden Läufen Schuhe getragen. Bereits nach 3-4 Tagen war fast nichts mehr zu sehen, ausser einem verfärbten Hämatom.
    Ich wünsche Dir, dass Dir in Zukunft solche Unbill erspart bleibt.

    Salut

    1. Lieber Christian,

      ich habe genau wie du den Eindruck, dass die Haut am Fuß robuster, dynamischer und agiler ist und deshalb Verletzungen besser wegstecken kann. Stelle ich mir vor, wie nach unserer Auffassung Evolution funktioniert, ist das auch logisch, denn die Fortbewegung ist überlebenswichtig (Futtersuche, Flucht,…). Andere verletzte Hautpartien kann man bis zur Ausheilung schonen, aber die Füße müssen immer funktionieren.

      Ich bin überdies der Überzeugung, dass es zu allen Zeiten der Menschwerdung gefährliches und potenziell verletzendes Terrain gegeben hat, über das unsere Vorfahren mit bloßen Füßen gelaufen sind. Insofern ist die schnelle Heilung die beste Lösung für die Aufgabe, weiche, schnell reagierende, kräftige, sensible und doch permanent „arbeitsfähige“ Füße zu haben. Allemal besser als eine zu feste Sohle, die zwar seltener verletzt wird, dann aber viel länger braucht, um ihre Festigkeit im Rahmen der Heilung wiederzuerlangen. Wieder einmal eine geniale Lösung von Mutter Natur, auf die zu vertrauen dem Leben mehr innere Stärke und Lockerheit geben kann 🙂

      Vielen Dank auch für die guten Wünsche, in Zukunft ohne solche Erlebnisse auszukommen. Das wünsche ich dir ebenso!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  3. Lieber Wolfgang,

    Die drei Tage Zwangspause waren sicherlich auch für den Rest Deines Körpers gut. Gerade jetzt, nur wenige Wochen vor deinem Saisonziel, hat der Riss vielleicht nur das ausgelöst, was sowieso mal anstand 😉 Klingt abgesehen davon aber nach einer komischen Verletzung, ein so langer, aber zum Glück nicht tiefer Riss. Eher nicht nach Schnitt…

    Pass gut auf dich auf und genieße das tolle Vorbereitungswetter 🙂

    Beste Grüße
    Sebastian

    PS: …habe zuletzt viel gegen die digitale Falle gearbeitet 😉

    1. Lieber Sebastian,

      ich werde es nicht mehr herausfinden, was diesen Riss verursacht hat, bin mir aber ziemlich sicher, dass es etwas mit dem Gegenstand zu tun hat, auf den ich da getreten bin. Schaue ich mir die Sohle heute an, sieht man nur noch einen kurzen, sehr feinen Strich von ca. 2 cm Länge, ein wenig dunkler als es die Linien sind, die man in der Fußsohle hat (analog zu den Linien in der Handinnenfläche). Ist alles zugeheilt, wie ich heute morgen bei einem etwas schnelleren 20 km Lauf sehen konnte. Als wäre nichts gewesen…

      Für den Marathon trainiere ich deutlich weniger ernsthaft als zu der Zeit, als ich ihn noch in Schuhen (oder Sandalen) lief. Das ist auch gut so, denn mir ist das Laufen inzwischen auf andere Weise wichtig: eher erlebnis- als ergebnisorientiert.

      Zur digitalen Falle: ich bin zur Zeit an einem begeisternden Buch dran: „Ich bin raus“ (Robert Wringham), in dem es ebenfalls um eine Falle geht, zu der die digitale Falle ein Steigbügelhalter ist: die Falle aus Konsum, Arbeit und den Folgen dieses Gespanns. Natürlich auch um Wege, ihr zu entkommen. Sicher werde ich auch darüber was schreiben, da es sich thematisch ja leicht mit dem geringen Impact des Barfuß-Laufens verbinden lässt.
      Ich freue mich aber für dich, wenn du der digitalen Falle weniger auf den Leim gehst, denn die saugt wirklich jede Menge Lebensenergie ab.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  4. Hallo Igel,

    tatsächlich ist nach 10Jahren meine Website fertig: architekt-kitze.de. Du kannst sie ja mal in unsere Website einpflegen….

    Ich hoffe, es geht Dir gut und der Huf ist ausgeheilt….

    Liebe Grüße
    Rainer

    1. Hallo Rainer,

      das mit der Website ist erledigt 🙂

      Der Huf ist längst ausgeheilt und bereit für den Marathon am 30.10.2016. Daumen drücken!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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