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Maschinelles Laufen

Wenn ich manchmal so sehr fasziniert bin von unserer Fähigkeit, auf zwei Beinen zu laufen,  beschleicht mich der Verdacht, dass ich nur einen Grund suche, nicht auf die viel schnelleren Vierbeiner neidisch zu sein.

Und tatsächlich: da unsere spezifisch menschliche Art der Fortbewegung nur den Trab, nicht aber den Galopp erlaubt (bei dem der Abstoß mit beiden Beinen geschieht), sind wir vergleichsweise langsam. Dass nicht alle Zweibeiner auf den Trab festgelegt sind, sieht man an den Känguruhs, die – sobald sie Gas geben – mit beiden Beinen springen. Oder – gleich 3 Nummern kleiner – an den Amseln, die für ihre Größe ziemlich schnell laufen (hüpfen) können, ebenfalls im Galopp.

Wir aber springen von einem Bein auf das andere und müssen dabei in erster Linie eine gewaltige Gleichgewichtsaufgabe lösen. Dies umso mehr, je unebener der Untergrund ist. Nicht, dass ich noch nie davon berichtet hätte, aber man staunt immer wieder über den Grund für diese nur auf den ersten Blick so ineffiziente Fortbewegungsmethode: in den weiten Steppen Afrikas (die Heimat unserer Spezies, auch wenn einige Ewiggestrige das aus ideologischen Gründen leugnen) boten wir dank der senkrechten Haltung der sengenden Sonne nur eine minimale Angriffsfläche. Verbunden mit der Fähigkeit zu schwitzen erlaubte uns dies, lange und ausdauernd hinter wesentlich schnelleren, aber Hitze-anfälligen Vierbeinern herzulaufen, bis diese schließlich den Hitzschlag erlitten oder erschöpft auf den erlösenden Speerwurf warten mussten. Wir waren (sind) eben hinterfotzige Raubtiere, die Werkzeuge benutzen…

Für uns hat sich also die Entwicklung starker, flexibler Füße, unglaublich strapazierfähiger Achillessehnen, perfekt aufeinander abgestimmter Gelenke und Muskeln und vor allem das Herausbilden einer ausgefeilten Propriozeption (Innenwahrnehmung aller Gelenkwinkel, Muskelspannungen, der Lage im Raum etc.) richtig gelohnt.

Wir haben irgendwann ein großes Gehirn entwickelt, das heute alle anderen Lebewesen auf dem Planeten beherrschen oder wenigstens vernichten kann. Wir haben Macht über Leben und Tod bekommen und in Folge dessen ein maßlos übersteigertes Selbstbewusstsein.

Inzwischen sind wir selbst in der Lage, Wesen zu erschaffen, die auf zwei Beinen laufen können und uns irgendwann einmal übertreffen sollen. Wir nennen sie Roboter und geben ihnen eine Gestalt, die unserer ähnelt, denn wir wollen zeigen, dass auch wir als Schöpfer taugen.

Wie weit wir damit bis heute gekommen sind, habe ich mir kürzlich angesehen und mich dabei ganz köstlich amüsiert. Ihr merkt schon: es macht mir verdammt viel Spaß, unsere Hightech-Errungenschaften durch den Kakao zu ziehen. Hier sind zwei meiner Fundstücke, die es anzuschauen lohnt:

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Hetzjäger

Ich bin schnell. Sehr schnell. Viel schneller als du. Wenn du mir zu nahe kommst, laufe ich dir einfach weg. Du bist hartnäckig. Liest meine Spur. Findest mich immer wieder. Du scheuchst mich auf, aber du kriegst mich nicht. Du gibst nicht auf, bist entsetzlich hartnäckig. Es ist heiß. Immer wenn ich mich hechelnd kühlen will, treibst du mich wieder zum rennen an. Du sollst mich nicht kriegen. Ich bin schneller als du. Aber mir wird immer heißer. Und immer wieder scheuchst du mich auf. Mir ist leicht schwindelig. Ich muss immer wieder rennen und kann mich nicht kühlen. Jetzt sehe ich nicht mehr richtig. Ich muss mich unbedingt kühlen. Plötzlich stehst du vor mir. Ich muss hecheln, kann nicht mehr weglaufen. Du schleuderst irgendwas auf mich. Ein reißender Schmerz, ich kriege keine Luft mehr. Mir wird schwarz vor Augen. Noch so ein schrecklicher Riss in meiner Flanke. Ich kann nicht mehr…

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Diagnose: unheilbar

Es gibt eine Situation, vor der wir alle Angst haben. Die uns bis ins Mark erschüttert. Nach der nichts mehr ist wie vorher. Es ist die Diagnose: unheilbar erkrankt. Wer sie bekommt, weiß, dass seine Tage gezählt sind.

Stephen Emmott hat ein Buch geschrieben, in dem kurz und schlüssig dargelegt wird, dass unser Heimatplanet unheilbar erkrankt ist. Weil wir bereits heute über den Punkt hinweg sind, ab dem Hilfe noch wirken könnte. Wer das Buch gelesen hat, ist tief bedrückt. Nicht weil die Fakten und deren Zusammenwirken überraschend sind; das alles haben wir schon mal gehört. Nein: weil sie von ihren Folgen her betrachtet werden. Mich hat das Buch richtig fertig gemacht.

Ich wollte diesen Blogbeitrag als Buchbesprechung verfassen, bin aber schließlich bei einer dringenden Aufforderung zum Handeln gelandet. Warum? Weil ich ein bis ans Naive grenzender Optimist bin, der sich einen kleinen Funken Hoffnung nicht zerstören lässt: die Hoffnung, das Ruder doch noch rumreißen zu können, wenn sich nur genügend Menschen schnellstmöglich dafür einsetzen. Sprechen wir aber erstmal über das Buch…

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Trügt mein Gefühl?

Ich fühle mich wohl beim Laufen. Ich genieße jeden Schritt. Ich lasse mich von den Rückmeldungen der Fußsohlen, Muskeln und Gelenke gerne überströmen, so dass kaum noch Platz bleibt für Gedanken, die mich aus dem Hier und Jetzt in das gewohnheitsmäßige Dauergeplapper des Gehirns entführen.

Alles toll! Aber was, wenn mir mein Gefühl etwas objektiv Falsches vorgaukelt? Mir suggeriert, dass ich einen guten Laufstil habe, aber in Wirklichkeit bin ich unterwegs wie ein Pinguin im Tequila-Koma?

Da wird es doch Zeit, meine Empfindungen zu objektivieren und ein drittes Auge einzusetzen. Das Auge der Kamera. Es schaute ganz genau hin, als ich mich vor ein paar Tagen aufs Laufband begab. Und es zeigte mir – auch in Zeitlupe – was dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt.

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