Schlagwort-Archive: Freiheit

Ganz nah dran

Perspektive entscheidet. Manchmal ist es wichtig, mitten im Geschehen zu sein. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist das Zuschauen nichts, sie müssen teilnehmen oder sogar im Mittelpunkt stehen. Wird man älter, kann man es sich immer öfter leisten, das Geschehen gelassen von außen (oder oben) zu betrachten.

Für mich ist es wichtig, meine Perspektive noch wechseln zu können. Nichts wäre für mich schlimmer als zum Zuschauen verdammt zu sein wie die vielen alten Leute, die ihren Zug nicht mehr durch einen spontanen Sprint erreichen können.

Perspektivwechsel, die uns ermöglichen, das Leben nie langweilig werden zu lassen, kann man trainieren. Zum Beispiel (klar, wir sind ja in einem Barfuß-Läufer-Blog) durch Laufen ohne Schuhe…

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Ein schöner Tag

Heute ist ein schöner Tag! Das Licht am Morgen lockt mich. Laufklamotten an und raus! Schuhe natürlich nicht, es soll schon die volle Dröhnung sein, das ganze Gefühl!

Der Boden ist noch kalt. Das fühlt sich nicht mal unangenehm an. Die ersten 10 Minuten sind immer sehr intensiv, dann haben die über Nacht feinfühlig gewordenen Nerven einen Teil ihrer Botenstoffe verfeuert (das ist meine Interpretation dieser lustigen Gewöhnung) und die Sohlen fühlen sich schon mehr an wie die der Sole Runner Schuhe.

Ab jetzt darf auch mal zwischendurch gesprintet werden, gerade so wie es Spaß macht. Im Straßenbereich, um die grüne Fußgänger-Ampel noch zu erwischen oder im Wald, wenn vor der Engstelle da vorne noch eine Läufergruppe überholt werden muss.

Die unbedingte Freiheit, die das Laufen ohne Schuhe meinen Füßen gibt, überträgt sich schnell auf meine Stimmung und macht mich übermütig. Je schneller ich laufe, umso weniger scheinen die Unebenheiten des Bodens in die Sohlen zu drücken, so als würde sich die Federkraft der Füße mit steigender Belastung vergrößern.

Irgendwann stehe ich wieder vor dem Haus und mein Lauf ist beendet. Die Freiheit der letzten Stunde wird sich wie ein wärmendes Licht auf die kommenden Stunden legen. Heute ist ein schöner Tag!

Analoge Macht

Wir bauen die neue Welt. Aus digitalen Bausteinen. Weil wir uns seit Gutenberg auf schriftliche Informatiosübertragung spezialisiert haben, brauchen wir Augen = Kameras. Für die Information, was mit uns los ist, haben wir weitere Sensoren (Puls, Blutdruck, Lage, Atmung etc.). Eigentlich alles, was wir selbst auch schon mit unseren Sinnen wahrnehmen können, nur eben digital. Und damit technisch übertragbar und von Dritten verarbeitbar. Ob die Dritten nun Smartphone heißen oder NSA, ist völlig egal. Alles, was verarbeitet werden kann, wird verarbeitet. Wir müssen nur noch auf die Empfehlungen der Dritten warten. Für die Pulsuhr-Fans heißt das: „Mach langsam!“ oder „Gut gemacht, du läufst in deiner OwnZone“. Träger von Fitness Tracker-Armbändchen lassen sich morgens berichten, wie sie in der Nacht geschlafen haben. Alle Nutzer dieser Informationen aber teilen ein Schicksal: sie überlassen die Beurteilung ihres Zustands einem Dritten.

In diesem Beitrag werbe ich dafür, eine digitale Pause einzulegen und die analoge Macht wiederzuentdecken. Keine Angst, meine Botschaft lautet nicht: „zurück auf die Bäume“, sondern: „baue zwanglos auf das beste System!“. Natürlich am Beispiel Laufsport.

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Jubiläum: die ersten fünf Jahre!

Gestern vor 5 Jahren habe ich meinen ersten Lauf ohne Schuhe gemacht.

Auch damals schrieb ich schon übers Laufen, hatte auch schon einige Experimente mit immer weniger Schuh am Fuß hinter mir und landete dann – am 28.07.2011 – am definitiven Endpunkt der Schuh-Reduktion.

Heute habe ich mich an diesen denkwürdigen Lauf erinnert. Beim Lesen meines damaligen Beitrags fiel mir nicht nur mein Lauf wieder ein, sondern auch meine damalige Erinnerung an ein Erlebnis, das noch 30 Jahre länger zurückliegt…

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unverpuppt

Lange schon habe ich den Eindruck, mich beim Thema Laufen in einer Matrjoschka-Puppe zu befinden.

Kennt ihr diese Puppen? Sie sind aus Holz gefertigt, bunt bemalt und bestehen aus zwei Teilen. Öffnet man sie, kommt eine kleinere Puppe zum Vorschein. Öffnet man die kleinere Puppe, sieht man, dass eine noch kleinere Puppe darin steckt und so weiter. Die innerste Puppe ist der unteilbare Kern der Matrjoschka. Unteilbar (griechisch: atomos) erschien auch zum Zeitpunkt der Wortschöpfung das Atom, und so darf man gespannt sein, wie das innerste Püppchen aussieht.

Als notorisch neugieriges Kind wollte ich schon immer wissen, was wirklich in den Dingen steckt. Was liegt da näher, als auch dem Laufen mal durch Entfernung der Puppenhüllen auf den tatsächlichen Grund zu gehen?

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Regenwald

Michael Sandler, der US-amerikanische Barfuß-Läufer, bekennt in seinem Buch „Barefoot Running“, dass er es liebt, wenn ihm der Matsch durch die Zehen quilt.

Ich hatte damit immer meine Schwierigkeiten, denn in meinem Laufrevier gibt es keinen Matsch, der nicht kleinere oder größere Steine verbirgt. Einfach so in ein Schlammloch treten verbiete ich mir daher genauso wie das eigentlich lustvolle „in die Pfütze tappen“, denn auch am Grund von Pfützen liegt manchmal scharfkantiges Zeug, auf das man niemals barfuß treten möchte.

Heute war es unmöglich, Matsch und Pfützen zu vermeiden. Wir wurden zwar von den schlimmsten Auswüchsen der heftigen Regenfälle verschont, die zur Zeit unser Land überziehen, aber für eine komplette Durchwässerung meines Waldes hat es gereicht.

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TDL 1

Heute habe ich meinen ersten barfüßigen Tempodauerlauf (TDL) im steinigen Wald über 10 km gemacht. Das ganze war so toll, dass ich mir vorgenommen habe, eine ganze Menge darüber zu schreiben. Ich hatte auch schon einen ersten Entwurf fertig, der meinen Stolz darüber zum Ausdruck bringen sollte, wie gut sich meine Sohlen in den letzten Jahren entwickelt haben. Und dass man so etwas nirgendwo kaufen kann. Nicht für alles Geld der Welt! Und wie organisch, locker und leichtfüßig sich dieser schnelle Lauf im ganzen Körper angefühlt hat.

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unschuldig

Das Laufen ist für mich im Laufe der Zeit viel mehr geworden als ein Sport, der mich fit hält. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Analogie zum gesamten Leben, weil man dabei immer wieder andere Aspekte und Prinzipien des Seins erkennen kann, genau wie man das ganze Bild schon in einem kleinen Hologramm-Bruchstück sehen kann, wenn man es nur von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet.

Heute geht es mir um das Erstarren, wenn wir unsere Erfahrung nicht als sanften Ratgeber benutzen, sondern wie ein Schutzschild zur Verteidigung der Komfortzone vor uns her tragen.  Aufs Laufen komme ich erst am Ende des Beitrags wieder zurück, also Geduld!

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