Schlagwort-Archive: Leben

Grüne Füße

Das Laufen macht bei diesem herrlichen Frühlingswetter so viel Spaß, dass man es am liebsten einsaugen und als Konserve in den Keller stellen möchte, falls mal wieder schlechtere Tage kommen.

Geht nicht? Stimmt. Aber wenigstens die Bilder kann man konservieren. Als Barfußläufer habe ich mir natürlich eher die Füße meiner Mitgeschöpfe ausgesucht: viele Bäume haben grüne Füße bekommen im Laufe der Jahre, ob sie noch lebendig sind oder schon im langen Prozess des Vergehens.

Sie sehen so wunderhübsch aus, dass ich euch einfach heute ein paar Bilder von ihnen mitbringen musste, eingefangen im sanften, milden Morgenlicht.

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Resonanz

Seit dem ich 2001 mit dem Laufen angefangen habe, gab es keine so lange Zeit des Nichtlaufens wie die vergangenen 4 Wochen. Und wenn ich nicht müde werde, von der Stärkung des Immunsystems durch Barfuß-Laufen zu berichten, so ist es doch umso unangenehmer für mich, dass es ausgerechnet eine Virusinfektion war, die mich die letzten Wochen lahmgelegt hat. So durfte ich das volle Programm über Schluckbeschwerden, Schnupfennase, Kopfschmerzen, unstillbarem Hustenreiz, zermürbender Schlappheit und unruhigen Nächten erleben.

Immerhin konnte ich während der Liegephasen ein 800 Seiten starkes Soziologiebuch lesen: der Jenaer Professor Hartmut Rosa hat es verfasst. Es hat den Titel „Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung“ und es hat auf der Rückseite des Einbands die absolute Kurzzusammenfassung: „Resonanz bleibt das Versprechen der Moderne, Entfremdung aber ist ihre Realität.“

Warum schreibt ein Barfuß-Laufen-Blogger wie ich über ein Soziologie-Buch?

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Verbundenheit

Wie war das mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel? In der Rangliste der Versprechen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gebrochen werden, stehen diejenigen ganz weit oben, die man sich selbst zu Sylvester gibt. Das mag zum einen an der lockeren Stimmung liegen, in der man sich und seine Lieben auf der Sylvesterparty befindet (bekannter Effekt: Promille führen zur Selbstüberschätzung), zum anderen daran, dass es einfach ein netter Brauch ist, ein paar Dinge im nächsten Jahr besser machen zu wollen als im letzten. Und so nimmt man sich nochmal vor, was schon im letzten Jahr nicht erreicht wurde (oder noch wildere Sachen).

Ich hatte mir daher vorgenommen, mir nichts mehr vorzunehmen, und hielt das für ziemlich schlau. Wer keine Ziele hat, reißt auch keine. Ein wirksamer Schutz gegen Enttäuschungen also? Weit gefehlt: wer keine Ziele hat, reißt nicht nur keine Ziele, er reißt gar nichts mehr, denn ohne Ziele keine Vision, ohne Vision kein Weg, und ohne Weg keine BeWegung, oder?

Die Frage lautet daher: wie schafft man Bewegung ohne Weg? Und wenn man sich ohne Weg bewegt, wohin kommt man? Simple Fragen am Anfang eines neuen Jahres, und ein paar Antworten, die – wider Erwarten – doch etwas mit Laufen zu tun haben 🙂

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Emily

Laufen mal anders – oder: wir haben wieder einen Hund.

Fast ein Jahr ist es her, dass uns Fredy Sonnenschein verlassen hat. Ausgerechnet am Tag des Frankfurt Marathon 2015 hat er uns in einem für Hunde recht hohen Alter verlassen, nachdem er nur ein Jahr bei uns war. Wir waren so traurig, dass wir nicht überstürzt einen Nachfolger suchten. Jetzt – nach fast einem Jahr – gibt es den Nachfolger…

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unverpuppt

Lange schon habe ich den Eindruck, mich beim Thema Laufen in einer Matrjoschka-Puppe zu befinden.

Kennt ihr diese Puppen? Sie sind aus Holz gefertigt, bunt bemalt und bestehen aus zwei Teilen. Öffnet man sie, kommt eine kleinere Puppe zum Vorschein. Öffnet man die kleinere Puppe, sieht man, dass eine noch kleinere Puppe darin steckt und so weiter. Die innerste Puppe ist der unteilbare Kern der Matrjoschka. Unteilbar (griechisch: atomos) erschien auch zum Zeitpunkt der Wortschöpfung das Atom, und so darf man gespannt sein, wie das innerste Püppchen aussieht.

Als notorisch neugieriges Kind wollte ich schon immer wissen, was wirklich in den Dingen steckt. Was liegt da näher, als auch dem Laufen mal durch Entfernung der Puppenhüllen auf den tatsächlichen Grund zu gehen?

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Locker lesen – locker laufen!

Eine Buchempfehlung für alle, die sich nicht gern selbst im Weg stehen

Ein wichtiger Grundsatz beim Laufen lautet: setze nur so viel Kraft ein, wie du wirklich brauchst. Gelingt es uns, diesem Grundsatz so weit wie möglich zu folgen, entsteht ein müheloses, leichtes, freudvolles und vergnügliches Laufen.

Ich vergleiche immer wieder gerne das Laufen mit dem Leben; mir fällt auf, dass die meisten Läufer so laufen, wie sie leben. Manche versuchen, mit hohem Einsatz bestimmte Ziele zu erreichen („train hard, win easy“). Nicht wenige verlieren dabei ihre Lockerheit und werden zu verbissenen Athleten, die sich von mächtigen Gegnern umstellt sehen („Der Job hindert mich daran, richtig zu trainieren“, „Die Scheiß Erkältung, genau jetzt…“, „Das Wetter hat einfach nicht gepasst“ etc.). Nur allzu gerne übersehen sie, dass sie selbst es sind, die es sich so schwer machen.

Patrick Lynen hat ein kleines Büchlein verfasst, welches uns in 33 täglichen Mini-Lektionen die ehrgeizig zusammengekniffenen Augen öffnet für eine Welt voller Wunder, wie wir sie mit kindlich-unvoreingenommenem Gemüt noch erleben durften…

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Wissen für Waldläufer

Wenn wir achtsam im Wald laufen, ahnen wir, von vielen faszinierenden Lebewesen umgeben zu sein. Die größten von ihnen – die Bäume – sehen wir (zumindest oberirdisch) so gut, dass wir dazu neigen, den Rest zu übersehen. In diesem Zusammenhang bekommt das Sprichwort „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ eine neue, tiefere Bedeutung. Das Treiben unter der Erdoberfläche bleibt vor unseren Augen versteckt, unabhängig davon, ob es sich um die Vorgänge im Wurzelwerk der Bäume, das Leben der Mikroben oder die komplexen Aktivitäten der Pilze handelt. Nicht, dass man all dies kennen muss, aber eine geballte Ladung neuer Informationen über das Leben im Wald kann die Augen öffnen und für ganz neue, erfüllende Lauferlebnisse sorgen.

Der Förster Peter Wohlleben hat jetzt ein Buch über Bäume geschrieben.

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unschuldig

Das Laufen ist für mich im Laufe der Zeit viel mehr geworden als ein Sport, der mich fit hält. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Analogie zum gesamten Leben, weil man dabei immer wieder andere Aspekte und Prinzipien des Seins erkennen kann, genau wie man das ganze Bild schon in einem kleinen Hologramm-Bruchstück sehen kann, wenn man es nur von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet.

Heute geht es mir um das Erstarren, wenn wir unsere Erfahrung nicht als sanften Ratgeber benutzen, sondern wie ein Schutzschild zur Verteidigung der Komfortzone vor uns her tragen.  Aufs Laufen komme ich erst am Ende des Beitrags wieder zurück, also Geduld!

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