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Mal was langes?

Gestern hat mich die Lust auf einen langen Lauf gepackt. Warm sollte es werden, also bin ich schon früh aufgestanden, so um 05:30 Uhr.

Die fetten Nummern in Klammern beziehen sich auf die Bilder in der Galerie weiter unten. Die Seite einfach in zwei Tabs laden und dann die Beschreibung im einen Tab lesen, die Galerie im anderen Tab ansehen.

Ca. 1 Stunde später bin ich dann gestartet, nach einem minimalen Frühstück, bestehend aus einem bisschen Wasser, so etwa 1 Glas, und einer Tasse Getreidekaffe mit Milch (1), lecker! Ach ja, die Strecke: ca 33 km, natürlich (= ohne Schuhe, ohne Uhr), aber mit meiner kleinen GoPro Kamera. Eilig hatte ich es nicht, also trabte ich gaaaaanz gemütlich los…

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2016: 3 Projekte

Zufrieden?

Wovon hängt die Zufriedenheit eines Läufers ab?
Hm, oberflächlich betrachtet von ganz wenig:

  • Keine Wetterkatastrophen wie Orkan oder Hagel
  • Fehlen gesundheitlicher Beeinträchtigungen
  • Abwesenheit von Motivationskillern – besser bekannt als Schweinehund (Variante innerer)

Es müssen also nur einige Bedingungen nicht erfüllt sein, schon sind wir zufrieden?

Wer so läuft, hat das Zeug zum dauerhaften Glücklichsein. Ich kenne allerdings viele Läufer, denen das nicht reicht. Sie möchten ab und zu auch mal einen messbaren Erfolg erreichen, den sie sich gerahmt übers Bett hängen können, als da wären: Wettkampfergebnisse, Ranglistenplätze, Zeiten (gerne auch persönliche Bestzeiten) und vieles dergleichen mehr.

Ich muss gestehen: ich bin ein Mischtyp: mir reicht es fast immer, wenn ich laufen kann. Da kommt es mir entgegen, dass wir nur sehr selten unter Wetterkatastrophen leiden. Seitdem ich barfuß laufe, freue ich mich jeden Tag aufs Neue über gesunde Sehnen, Muskeln und Gelenke. Die Motivation ist für mich auch kein Problem, denn wenn ich keine Lust habe zu laufen, dann laufe ich auch nicht. Das kommt selten vor, aber an diesen Tagen bin ich froh, nicht zum Laufen gezwungen zu sein. Ein bis zwei Tage später packts mich dann sowieso wieder gewaltig.

Jetzt aber zu den Erfolgen, von denen sich manche Läufer so abhängig machen: ich kann nicht leugnen, dass ich auch gerne bestimmte Ziele erreiche. Ich sehe das als objektiven Beleg dafür, auf dem richtigen Weg zu sein, und das ist einfach erklärt:

Obwohl ich hochzufrieden bin, was meinen Umstieg von Schuh auf barfuß betrifft, bin ich mir unsicher, ob die vollständige Gesundung meines Laufapparats am Barfuß-Laufen selbst liegt. Vielleicht kommt der positive Effekt ja daher, dass ich als Barfuß-Läufer anders unterwegs bin als früher mit Schuhen:

  • ich mache kein Tempotraining auf der Bahn mehr (solche Übungen wie 10 x 400 m so schnell es geht)
  • die ganz schnellen Runden in meinem nahen Wald sind selten geworden
  • ich laufe die langen Strecken langsamer als früher.

Deshalb brauche ich auch – wenn auch selten – ab und zu mal einen Fakten-Check. Für dieses Jahr habe ich mir drei Fakten-Checks vorgenommen, die ich als kleine Projekte formuliert habe…

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Maschinelles Laufen

Wenn ich manchmal so sehr fasziniert bin von unserer Fähigkeit, auf zwei Beinen zu laufen,  beschleicht mich der Verdacht, dass ich nur einen Grund suche, nicht auf die viel schnelleren Vierbeiner neidisch zu sein.

Und tatsächlich: da unsere spezifisch menschliche Art der Fortbewegung nur den Trab, nicht aber den Galopp erlaubt (bei dem der Abstoß mit beiden Beinen geschieht), sind wir vergleichsweise langsam. Dass nicht alle Zweibeiner auf den Trab festgelegt sind, sieht man an den Känguruhs, die – sobald sie Gas geben – mit beiden Beinen springen. Oder – gleich 3 Nummern kleiner – an den Amseln, die für ihre Größe ziemlich schnell laufen (hüpfen) können, ebenfalls im Galopp.

Wir aber springen von einem Bein auf das andere und müssen dabei in erster Linie eine gewaltige Gleichgewichtsaufgabe lösen. Dies umso mehr, je unebener der Untergrund ist. Nicht, dass ich noch nie davon berichtet hätte, aber man staunt immer wieder über den Grund für diese nur auf den ersten Blick so ineffiziente Fortbewegungsmethode: in den weiten Steppen Afrikas (die Heimat unserer Spezies, auch wenn einige Ewiggestrige das aus ideologischen Gründen leugnen) boten wir dank der senkrechten Haltung der sengenden Sonne nur eine minimale Angriffsfläche. Verbunden mit der Fähigkeit zu schwitzen erlaubte uns dies, lange und ausdauernd hinter wesentlich schnelleren, aber Hitze-anfälligen Vierbeinern herzulaufen, bis diese schließlich den Hitzschlag erlitten oder erschöpft auf den erlösenden Speerwurf warten mussten. Wir waren (sind) eben hinterfotzige Raubtiere, die Werkzeuge benutzen…

Für uns hat sich also die Entwicklung starker, flexibler Füße, unglaublich strapazierfähiger Achillessehnen, perfekt aufeinander abgestimmter Gelenke und Muskeln und vor allem das Herausbilden einer ausgefeilten Propriozeption (Innenwahrnehmung aller Gelenkwinkel, Muskelspannungen, der Lage im Raum etc.) richtig gelohnt.

Wir haben irgendwann ein großes Gehirn entwickelt, das heute alle anderen Lebewesen auf dem Planeten beherrschen oder wenigstens vernichten kann. Wir haben Macht über Leben und Tod bekommen und in Folge dessen ein maßlos übersteigertes Selbstbewusstsein.

Inzwischen sind wir selbst in der Lage, Wesen zu erschaffen, die auf zwei Beinen laufen können und uns irgendwann einmal übertreffen sollen. Wir nennen sie Roboter und geben ihnen eine Gestalt, die unserer ähnelt, denn wir wollen zeigen, dass auch wir als Schöpfer taugen.

Wie weit wir damit bis heute gekommen sind, habe ich mir kürzlich angesehen und mich dabei ganz köstlich amüsiert. Ihr merkt schon: es macht mir verdammt viel Spaß, unsere Hightech-Errungenschaften durch den Kakao zu ziehen. Hier sind zwei meiner Fundstücke, die es anzuschauen lohnt:

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Jetzt läuft er wieder – Caballo Blanco

Das Weiße Pferd (Caballo Blanco), darunter wurde er einer weltweiten Leserschaft bekannt. Micah True, um den es hier geht, ist einer der Helden in dem 2009 erschienenen Buch „Born to run“ von Christopher McDougall. Zur Ikone wurde Micah, als er im Stammesgebiet der nordmexikanischen Tarahumara Indianer einen Ultralauf etablierte und zum Inbegriff der Freundschaft zwischen den laufbegeisterten Indianern und Ultraläufern aus der ganzen Welt wurde.

Am 27.03.2012 starb Caballo Blanco auf einem seiner Läufe überraschend. Wie sich herausstellte, litt er wohl an einer unerkannten Cardiomyopathie, einer krankhaften Veränderung des Herzmuskels.

Jetzt ist ein Film über ihn, die Tarahumara und den vom ihm ins Leben gerufenen Ultralauf erschienen und es ist schön, diesen großartigen Läufer und Menschen über 90 Minuten „live“ zu erleben.

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Trügt mein Gefühl?

Ich fühle mich wohl beim Laufen. Ich genieße jeden Schritt. Ich lasse mich von den Rückmeldungen der Fußsohlen, Muskeln und Gelenke gerne überströmen, so dass kaum noch Platz bleibt für Gedanken, die mich aus dem Hier und Jetzt in das gewohnheitsmäßige Dauergeplapper des Gehirns entführen.

Alles toll! Aber was, wenn mir mein Gefühl etwas objektiv Falsches vorgaukelt? Mir suggeriert, dass ich einen guten Laufstil habe, aber in Wirklichkeit bin ich unterwegs wie ein Pinguin im Tequila-Koma?

Da wird es doch Zeit, meine Empfindungen zu objektivieren und ein drittes Auge einzusetzen. Das Auge der Kamera. Es schaute ganz genau hin, als ich mich vor ein paar Tagen aufs Laufband begab. Und es zeigte mir – auch in Zeitlupe – was dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt.

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