Schlagwort-Archive: Zukunft

Resonanz

Seit dem ich 2001 mit dem Laufen angefangen habe, gab es keine so lange Zeit des Nichtlaufens wie die vergangenen 4 Wochen. Und wenn ich nicht müde werde, von der Stärkung des Immunsystems durch Barfuß-Laufen zu berichten, so ist es doch umso unangenehmer für mich, dass es ausgerechnet eine Virusinfektion war, die mich die letzten Wochen lahmgelegt hat. So durfte ich das volle Programm über Schluckbeschwerden, Schnupfennase, Kopfschmerzen, unstillbarem Hustenreiz, zermürbender Schlappheit und unruhigen Nächten erleben.

Immerhin konnte ich während der Liegephasen ein 800 Seiten starkes Soziologiebuch lesen: der Jenaer Professor Hartmut Rosa hat es verfasst. Es hat den Titel „Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung“ und es hat auf der Rückseite des Einbands die absolute Kurzzusammenfassung: „Resonanz bleibt das Versprechen der Moderne, Entfremdung aber ist ihre Realität.“

Warum schreibt ein Barfuß-Laufen-Blogger wie ich über ein Soziologie-Buch?

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Maschinelles Laufen

Wenn ich manchmal so sehr fasziniert bin von unserer Fähigkeit, auf zwei Beinen zu laufen,  beschleicht mich der Verdacht, dass ich nur einen Grund suche, nicht auf die viel schnelleren Vierbeiner neidisch zu sein.

Und tatsächlich: da unsere spezifisch menschliche Art der Fortbewegung nur den Trab, nicht aber den Galopp erlaubt (bei dem der Abstoß mit beiden Beinen geschieht), sind wir vergleichsweise langsam. Dass nicht alle Zweibeiner auf den Trab festgelegt sind, sieht man an den Känguruhs, die – sobald sie Gas geben – mit beiden Beinen springen. Oder – gleich 3 Nummern kleiner – an den Amseln, die für ihre Größe ziemlich schnell laufen (hüpfen) können, ebenfalls im Galopp.

Wir aber springen von einem Bein auf das andere und müssen dabei in erster Linie eine gewaltige Gleichgewichtsaufgabe lösen. Dies umso mehr, je unebener der Untergrund ist. Nicht, dass ich noch nie davon berichtet hätte, aber man staunt immer wieder über den Grund für diese nur auf den ersten Blick so ineffiziente Fortbewegungsmethode: in den weiten Steppen Afrikas (die Heimat unserer Spezies, auch wenn einige Ewiggestrige das aus ideologischen Gründen leugnen) boten wir dank der senkrechten Haltung der sengenden Sonne nur eine minimale Angriffsfläche. Verbunden mit der Fähigkeit zu schwitzen erlaubte uns dies, lange und ausdauernd hinter wesentlich schnelleren, aber Hitze-anfälligen Vierbeinern herzulaufen, bis diese schließlich den Hitzschlag erlitten oder erschöpft auf den erlösenden Speerwurf warten mussten. Wir waren (sind) eben hinterfotzige Raubtiere, die Werkzeuge benutzen…

Für uns hat sich also die Entwicklung starker, flexibler Füße, unglaublich strapazierfähiger Achillessehnen, perfekt aufeinander abgestimmter Gelenke und Muskeln und vor allem das Herausbilden einer ausgefeilten Propriozeption (Innenwahrnehmung aller Gelenkwinkel, Muskelspannungen, der Lage im Raum etc.) richtig gelohnt.

Wir haben irgendwann ein großes Gehirn entwickelt, das heute alle anderen Lebewesen auf dem Planeten beherrschen oder wenigstens vernichten kann. Wir haben Macht über Leben und Tod bekommen und in Folge dessen ein maßlos übersteigertes Selbstbewusstsein.

Inzwischen sind wir selbst in der Lage, Wesen zu erschaffen, die auf zwei Beinen laufen können und uns irgendwann einmal übertreffen sollen. Wir nennen sie Roboter und geben ihnen eine Gestalt, die unserer ähnelt, denn wir wollen zeigen, dass auch wir als Schöpfer taugen.

Wie weit wir damit bis heute gekommen sind, habe ich mir kürzlich angesehen und mich dabei ganz köstlich amüsiert. Ihr merkt schon: es macht mir verdammt viel Spaß, unsere Hightech-Errungenschaften durch den Kakao zu ziehen. Hier sind zwei meiner Fundstücke, die es anzuschauen lohnt:

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Verpixt Euch!

Die Digital Natives waren gestern. Zugegeben, der Hype um Web 2.0, Industrie 4.0 und Mensch irgendwas.0 war riesig, aber bei hellem Licht betrachtet hat er uns nicht weitergebracht. Zu sehr wurden die Dinge vergröbert, um sie einem Computer (oder – wenn ihr unbedingt wollt – einer todesgeilen Smartwatch) verständlich zu machen und damit steuern zu können. Aber eins nach dem anderen…

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Lieber Franziskus!

Wer hätte gedacht, dass ich in meinem Laufblog mal was zu einer katholischen Enzyklika schreiben werde? Vor allem, weil ich mich schon lange anderen Weltsichten näher fühle als dem Christentum. Dem ZEN-Buddhismus zum Beispiel oder der Sicht vieler indigener Völker auf die Natur. Mit einer auf dem Leiden eines einzelnen basierenden Religion, die ihre Anhänger auffordert, sich die Erde untertan zu machen, hatte ich nicht mehr viel am Hut.

Jetzt hast du als Häuptling aller Katholiken ein Programm für deine Anhänger, aber bewusst auch für alle anderen Menschen verfasst, das inhaltlich und von seinem Appell-Charakter her so nah an meinem Denken ist, dass ich alle Leser meines Blogs ebenso herzlich wie dringend auffordere, dieses Programm zu lesen und den Empfehlungen für eine Planet-Erde-kompatible Lebensweise zu folgen.

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Der Aufstand

Im gleichnamigen *) Star Trek Kinofilm (der 9.) rettet die Crew der Enterprise das Volk der Ba’ku, das auf einem weitab gelegenen Planeten zurückgezogen und unter freiwilligem Verzicht der Nutzung von Elektrizität und Computertechnik lebt. Ein kurzer Auszug aus Gesprächen des Enterprise-Captains Picard mit den Ba’ku Anij (weiblich) und Sojef (männlich) verdeutlicht deren Lebenseinstellung:

Anij: Ich denke, es fällt dem Captain schwer zu glauben, dass wir die Fähigkeit haben,  ein Positronengerät zu reparieren.
Sojef: Unsere technologischen Fähigkeiten sind nicht sichtbar,  da wir uns entschieden haben,  sie im täglichen Leben nicht einzusetzen. Wir glauben,  wenn man die Arbeit des Menschen einer Maschine überlässt,  dann wird ihm damit etwas weggenommen.
Anij: Aber früher erforschten wir die Galaxien genau wie Sie.
Picard: Ihnen steht  der Warp-Antrieb zur Verfügung ?
Anij: Wenn wir wollen: ja. Aber wohin würde er uns bringen? Doch nur weg von hier.

…und später:
Anij: Uns war immer klar,  dass wir isoliert bleiben müssen, um zu überleben. Das war nicht leicht. Viele junge Leute wollen mehr von andern Welten wissen. Ihnen gefallen Geschichten von einem aufregenden Lebensstil.
Picard: Die meisten in meinem Volk, die ein so schnelles Leben führen, würden ihre Seelen verkaufen, um es verlangsamen zu können.
Anij: Sie nicht?
Picard: Von Zeit zu Zeit…

*) Der Film heißt deshalb „Der Aufstand“, weil die Crew der Enterprise die Ba’ku gegen ausdrückliche Weisung der Föderation rettet und damit zu Aufständischen wird.

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Hetzjäger

Ich bin schnell. Sehr schnell. Viel schneller als du. Wenn du mir zu nahe kommst, laufe ich dir einfach weg. Du bist hartnäckig. Liest meine Spur. Findest mich immer wieder. Du scheuchst mich auf, aber du kriegst mich nicht. Du gibst nicht auf, bist entsetzlich hartnäckig. Es ist heiß. Immer wenn ich mich hechelnd kühlen will, treibst du mich wieder zum rennen an. Du sollst mich nicht kriegen. Ich bin schneller als du. Aber mir wird immer heißer. Und immer wieder scheuchst du mich auf. Mir ist leicht schwindelig. Ich muss immer wieder rennen und kann mich nicht kühlen. Jetzt sehe ich nicht mehr richtig. Ich muss mich unbedingt kühlen. Plötzlich stehst du vor mir. Ich muss hecheln, kann nicht mehr weglaufen. Du schleuderst irgendwas auf mich. Ein reißender Schmerz, ich kriege keine Luft mehr. Mir wird schwarz vor Augen. Noch so ein schrecklicher Riss in meiner Flanke. Ich kann nicht mehr…

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Stell dir eine Welt vor

Eine Welt, in der:

keine_kriegees keine Kriege gibt

 

umweltkein Land vernichtet oder verseucht wird

 

alle_menschenalle Menschen gleich viel wert sind

 

tiere_achtenTiere als Persönlichkeiten geachtet werden

 

nicht_perfektwir gerne gut, aber nicht zwanghaft perfekt sind

 

smartphone_suechtiges keine Sucht nach materiellen Objekten gibt

 

religionenniemand eine Religion zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht

 

cyberlovewir keine Scheinwelt brauchen, um zueinander zu finden.

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