Trügt mein Gefühl?

Ich fühle mich wohl beim Laufen. Ich genieße jeden Schritt. Ich lasse mich von den Rückmeldungen der Fußsohlen, Muskeln und Gelenke gerne überströmen, so dass kaum noch Platz bleibt für Gedanken, die mich aus dem Hier und Jetzt in das gewohnheitsmäßige Dauergeplapper des Gehirns entführen.

Alles toll! Aber was, wenn mir mein Gefühl etwas objektiv Falsches vorgaukelt? Mir suggeriert, dass ich einen guten Laufstil habe, aber in Wirklichkeit bin ich unterwegs wie ein Pinguin im Tequila-Koma?

Da wird es doch Zeit, meine Empfindungen zu objektivieren und ein drittes Auge einzusetzen. Das Auge der Kamera. Es schaute ganz genau hin, als ich mich vor ein paar Tagen aufs Laufband begab. Und es zeigte mir – auch in Zeitlupe – was dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt.

Ein gutes und schnelles Laufband fand ich ganz in meiner Nähe bei RUNNERS POINT im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach bei Frankfurt/Main. Der Geschwindigkeitsaspekt war mir deshalb wichtig, weil man sich ab einer bestimmten Geschwindigkeit nicht mehr verstecken kann, sondern so laufen muss, dass man den Speed auch aus- und durchhält.

Die Mitarbeiterinnen des Laufshops waren sehr freundlich und haben mir das Laufband für meine Aufnahmen überlassen. Vielen Dank dafür!

Ich habe mich bei der Wahl des Bildausschnitts auf die unteren Extremitäten beschränkt und viel Wert darauf gelegt, Fußaufsatz, Pronation und Ausrichtung der Füße zu filmen.  Und bis auf einen Aspekt – die Schrittfrequenz – sieht es genau aus wie es sich anfühlt:

Die große Variation in der Schrittfrequenz möchte ich nicht unkommentiert lassen, zumal ich immer der Meinung war, über alle Laufgeschwindigkeiten eine fast gleiche Schrittfrequenz von 185 – 190 Steps/Min. zu haben. Das Video zeigt aber, dass ich bei einem sehr langsamen Lauftempo mit 162 Steps deutlich darunter liege und bei hoher Geschwindigkeit mit 206 Steps doch ziemlich „kurbele“. Ich vermute, die vielen kurzen Schritte bei 17 km/h sind dem Respekt vor dem Laufband geschuldet, weil ich mich nicht getraut habe, richtig große Schritte zu machen. Ein Fehltritt auf die vordere Abdeckung hätte locker für einen guten Mittelplatz bei den YouTube-Videos der dämlichsten Sportunfälle ausgereicht. Und die niedrige Schrittfrequenz bei 8 km/h war wohl eher ein rhythmisches Hopsen als ein effizientes Laufen. Schlecht angefühlt hat es sich jedenfalls nicht!

6 Gedanken zu: Trügt mein Gefühl?

  1. hallo wolfgang,

    tolle seite,super aufnahmen,

    läufst du normalerweise mit metronom?
    da könntest du bei unterschiedlichen geschwindigkeiten die schrittfrequenz gleichbehalten,
    die schrittlänge würde sich halt verändern

    gruß andi

    1. Hallo Andi,

      lieben Dank für dein Feedback zu den Aufnahmen!

      Das Metronom-Laufen kenne ich vom ChiRunning, wo es empfohlen wird, um eine gleichmäßige Schrittfrequenz bei allen Geschwindigkeiten sicherzustellen. Ich laufe zwar nicht mit Metronom, aber wenn ich draußen laufe und mal eine Uhr dabei habe, messe ich ab und zu mal aus reiner Neugier meine Schrittfrequenz, und bekomme immer Werte zwischen 185 und 190, allerdings laufe ich dann immer in meiner Komfort-Range zwischen 10 und 15 km/h. Die „Abweichler“ auf dem Laufband sind bei 8 km/h und 17 km/h entstanden und ich war selbst neugierig, woher das kommt. Ganz sicher kann ich es immer noch nicht sagen, aber es muss was mit dem Laufband zu tun haben, denn draußen ist es anders. Bist du schon mal in diesen unterschiedlichen Geschwindigkeiten mit Metronom auf dem Laufband gewesen? Ich wäre neugierig, wie sich das dann angefühlt hat.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

      1. hallo wolfgang,
        ja, ich war schon öfters am laufband und ja es ist in der tat ein komplett anderes laufgefühl,das nach vor lehnen funktioniert da bei mir überhaut nicht und dadurch war ich abgelenkt,
        ich hab dann auf einen tipp hin das laufband in der neigung um ein bis zwei grad erhöht, da gings dann viel besser,und wenn ich jetzt das metronom eingeschaltet lasse ,kann ich unterschiedliche geschwindigkeiten mit unterschiedlicher schrittlänge mühelos laufen

        lg. andi

  2. Hallo Wolfgang,

    Echt gelungene Aufnahmen. Ist das ne gopro?
    Aufgefallen ist mir das du die Flüsse, besonders bei 13 u.17 kmh, ziemlich hoch wirfst. Ob das für den Energieaufwand von Nachteil ist weis ich nicht. Ich Laufe in/auf Huaraches und versuche sofern es der Untergrund zulässt, die Flüsse nur ganz leicht anzuheben weil ich mir denke jeder cm anheben kostet Energie. Allerdings hab ich nicht eine so tolle Kamera um mich beim laufen mal selber zu sehen. Deshalb kann ich mich auch täuschen und laufe vllt ähnlich wie du.
    Deine Seite ist super. Ich hoffe ich kann die Huaraches irgendwann mal zu Hause lassen.

    Laufenden Gruß
    ManniF

    1. Hallo Manni,

      du vermutest richtig: es ist ne GoPro. Die Dinger sind – nicht nur wegen der Zeitlupe, sondern auch wegen des robusten Gehäuses – sehr praktisch, sieht man davon ab, dass sie kein Display zur sofortigen Qualitätskontrolle haben (kann man als Zubehör nachkaufen, was aber den Gesamtpreis verteuert).

      Die Sache mit den „hochfliegenden“ Füßen entsteht von ganz alleine. Je schneller ich laufe, umso mehr kommen die Füße dem Po näher. Tatsächlich spart man dadurch Energie, denn das „eingeklappte“ Bein ist viel kürzer als das lang gestreckte, und ein kurzer Hebel ist viel leichter zu beschleunigen und nach vorne zu bringen als ein langer. Ich bin da keine Ausnahme: ich habe mal beim Hamburg Marathon die Führungsspitze (natürlich ausschließlich Kenianer) mit der Kamera aufgenommen; bei denen berührt die Ferse fast den Po, wenn sie mit 20 km/h dem Ziel entgegensausen. Wenn das nicht maximal energieeffizient wäre, könnten die nicht in knapp über 2 Std. die Distanz bewältigen 🙂

      Liebe Grüße und gute Läufe in der kalten Jahreszeit (wenns zu kalt wird, laufe ich auch in Huaraches oder Sole Runners)!
      Wolfgang

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