Unermüdliche Füße

Der Frankfurt Marathon kommt langsam in Sicht. In genau 11 Wochen ist es soweit. Nach dem vergnüglichen Lauf im letzten Oktober möchte ich dieses Jahr wieder ohne Schuhe mitmachen, vielleicht sogar ein wenig schneller, wenn es die Füße bereits ertragen. Als neugieriger Mensch will ich wissen, was ich ihnen zumuten kann. Hier mein Bericht vom heutigen langen Lauf…

Aufgestanden bin ich um 05:45 Uhr. Bei den Temperaturen der letzten Tage empfahl es sich, früh unterwegs zu sein, um nicht bei erwarteten Laufzeiten zwischen 2,5 und 3 Stunden als Röstzwiebel heimzukehren.

Los gings dann um 06:30 Uhr bei noch moderaten Temperaturen. Meine Runde führt mich von meinem Wohnort Schwalbach über die Orte Eschborn und Praunheim an die Nidda, der ich flussabwärts durch Hausen und an Griesheim, Sossenheim und Nied vorbei bis nach Höchst folge, wo sie in den Main mündet. Von Höchst aus geht es dann am Silobad (das frühere Freibad der Farbwerke Höchst) vorbei nach Unterliederbach, durchs Feld nach Oberliederbach und von dort über Sulzbach zurück nach Hause.

Vor dem Start hatte ich 2 Glas Wasser getrunken, aber auf Trinkflasche oder Trinkrucksack verzichtet. Ich will hier nicht wiedergeben, was ich von Läufern halte, die bei minimaler Geschwindigkeit wenige km laufen, aber einen an Karl Mays Kopfgeldjäger erinnernden Trinkflaschengürtel umgebunden haben, damit sie unterwegs nicht jämmerlich verdursten. Für absolute Notfälle hatte ich mir 5,- EUR eingesteckt, dafür bekommt man an jeder Tanke eine ausreichend große Flasche Wasser. Warum also den Körper mit überflüssigem Ballast behängen? Ich habe jedenfalls noch kein Tier gesehen, dass mit einem Getränkehalfter unterwegs ist. Ich habe allerdings auch keine Lauf-App, die mich alle 3 Minuten vor dem drohenden Dehydrationstod warnt. Zum Glück.

Mein Ziel war es, mit minimaler Anstrengung bei akzeptabler Geschwindigkeit die geschätzt 30 km zu laufen, und so freute ich mich, dass die Sohlen schon bald ihre frühmorgendliche Sensibilität gegenüber unangenehmeren Böden (meistens: rauher, alter Asphalt) aufgaben und mich ungestört auf Ballen und Zehen aufsetzen ließen, bis auch die Ferse den Boden leicht berührte, um dann „die Sehnen-Feder“ zu entspannen und den ganzen Läufer nach vorne zu schieben. Der Anstrengung hatte ich einfach eine Obergrenze gesetzt durch Beschränkung auf Nasenatmung, und auch diese musste mit ruhigen tiefen Atemzügen erfolgen.

Bis zum Erreichen der Nidda ging es meistens leicht bergab, was auf dem freien Feld durch einen angenehm kühlenden Gegenwind kompensiert wurde. An der Nidda musste ich ab und zu bei gleicher Anstrengung langsamer laufen, was an den stellenweise stark erodierten Uferwegen lag. Auf Waschbetonplatten mit ihren runden kleinen Kieseln läuft es sich jedenfalls angenehmer. Aber das waren ja glücklicherweise nur immer kurze Teilstücke. Mein letztjähriges Vergnügen, zwischenzeitlich auf den angrenzenden Rasen- und Parkflächen zu laufen, ist dank der langen Trockenheit zwar immer noch ein gutes Training für die Fußmuskulatur, aber wegen der inzwischen knochenharten Untergründe, in die sich Ästchen, Steinchen und Samenkapseln kein bisschen mehr eindrücken, doch eher unangenehm.

Nach dem Verlassen der Nidda kommt das traditionell schwerste Teilstück, das (immerhin hat man schon 100 Laufminuten in den Beinen) bis zu Hause meistens leicht ansteigt. Hier konzentrierte ich mich auf die Armarbeit und versuchte, die Beine so gut es geht, zu entspannen. Als dann auf Feldwegen einige hässliche Stellen mit Split und kleinem Schotter kamen, merkte ich, dass zwar die Arme und Beine nicht mehr ganz taufrisch waren, aber die Füße konnten die unangenehmen Stellen noch genauso ausgleichen wie zu Beginn des Laufs. Erstaunlich: gerade die Körperteile, die nach dem Umstieg auf das barfüßige Laufen am meisten gefordert zu sein schienen, steckten die Kilometer am lockersten weg. Als wäre nichts gewesen.

Auf den letzten 4 Kilometern kam dann schon mal der Gedanke an ein Glas Wasser auf, aber da es ja nicht mehr weit war, freute ich mich darauf, es zu Hause zu trinken.

Nach 2:47:30 Std. war ich wieder zu Hause (ja, ich habe auf die Uhr geschaut, auch wenn ich sehr oft ohne Uhr laufe). Die Strecke habe ich dann später mit gmap-pedometer.com nachgemalt und als Ergebnis eine Länge von 31,3 km ermittelt. Für einen 5:21 Min/km-Schnitt kam mir die gesamte Anstrengung allerdings vergleichsweise gering vor; ich kann mir gut vorstellen, dass das barfüßige Laufen mit seinem sehr natürlichen Fußaufsatz den Hauptteil dazu beigetragen hat, für diesen langen Lauf nur wenig Energie benötigt zu haben.

Die Fußsohlen waren nach meiner Rückkehr – und das lässt wirklich für den Frankfurt Marathon hoffen – kaum belastet. Die Füße haben sich allemal wesentlich besser angefühlt als früher, wenn ich nach knapp 3 Stunden die Laufschuhe ausgezogen habe – egal wie gut diese auch immer gepasst haben.