Unperfektes Marathon-Training

Schätze, es gibt mehrere hundert Bücher, die sich mit dem Thema „Training für den Marathon“ beschäftigen. Spezielle, die ganz auf die lange Distanz ausgerichtet sind. Solche, die uns das Laufen erklären und als krönende Zugabe noch einen Marathon-Trainingsplan mitliefern. Wissenschaftlich fundierte und solche, die auf eigenen Erfahrungen beruhen, deren Allgemeingültigkeit der Autor ohne tiefere Skepsis annimmt.

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Ich habe in meinem Läuferleben drei verschiedene Trainingspläne befolgt:

  • Den von Steffny/Pramann (Buch: Perfektes Marathontraining). Solide, sachlich, erklärt auch seine grundlegenden Prinzipien. Mein erster Plan.
  • Den von Greif (Buch: Greif – for running life). Engagiert, anfeuernd, die Sprache im Buch entspricht dem Cover. Gut für Läufer, die sich gerne heiß machen lassen.
  • Den nach meinem Gefühl (intuitiv nach den gleichen Prinzipien: Reiz setzen und entspannen,  kontinuierliche Belastungssteigerung und rechtzeitiges Vom-Gas-Gehen).

Lustigerweise habe ich unabhängig vom Trainingsplan immer ähnliche Zeiten gelaufen;  Abweichungen von 5 Minuten seien bei einer so langen Strecke gestattet. Dieses Jahr laufe ich nach einem ganz anderen Plan, der so recht in keine Kategorie passt…

Was ist in diesem Jahr anders?

Ich laufe den Marathon ohne Schuhe und ohne festes Zeitziel. Das bringt gänzlich andere Erfolgsfaktoren mit sich als ein beschuhter Lauf auf Zeit. Was muss erfüllt sein, damit es klappt?

  1. Die Temperaturen müssen stimmen. Unter 5 Grad Bodentemperatur ist mir das noch zu riskant, denn Füße erfrieren kann man nur einmal.
  2. Die Sohlen müssen für die Streckenlänge robust genug sein.

Punkt 1 kann ich nicht beeinflussen. Sollte es am 26.10.2014 aber Sonnenschein in Frankfurt geben, wird dieser sicher helfen, den Straßenbelag aufzuwärmen. Und da ich dieses Jahr nicht im ersten Block starte, werden die vielen Läufer vor mir vielleicht auch ein wenig den Boden warmgetrampelt haben.

Punkt 2 hat auch wieder mit dem Wetter zu tun: sollte es nämlich regnen, könnten meine bislang auf eine Streckenlänge von 35km erfolgreich getesteten Fußsohlen ein wenig aufweichen und dann doch nicht ganz durchhalten.

Ansonsten sieht mein Trainingsplan einfach so aus, dass ich immer so lange gelaufen bin, wie es meine Füße gut ausgehalten haben. Damit meine ich: nach dem Laufen keine unangenehmen Gefühle in der Fußsohle oder in den Bändern und Gelenken haben. Zu Beginn der Saison waren das 5 km und schon bald 10, ab dem Sommer gingen dann schon 20 km problemlos , vor wenigen Wochen habe ich dann die Streckenlängen langsam auf bis zu 35 km ausgedehnt und bin auch schneller gelaufen. An Wochenkilometern kamen auf diese Weise anfangs der Saison nur 10 – 30, momentan etwa 50 – 60 und vor ein paar Wochen sogar einmal 100 zusammen.

In einem Satz zusammengefasst lautet mein Marathon-Trainingsplan also:

Lauf so weit du kannst, ohne dass dir nachher die Füße weh tun, und steigere das genau in dem Maße, wie du Lust dazu hast.

Falls es in zweieinhalb Wochen nicht zu kalt wird, werden wir ja sehen, wohin mich dieser mega-primitive Trainingsplan gebracht hat.