Weihnachtsbergmarathon

Am Heiligabend gibts Geschenke. Am Heiligabend, nicht am Heiligmorgen, oder? Bei mir war es dieses Jahr der Morgen des 24.12., an dem es das größte Geschenk für mich gab: reichlich Zeit, in der ich frei von familiären Verpflichtungen meine Laufleidenschaft ausleben konnte. Ein Lauf auf den Großen Feldberg, den zweithöchsten Berg Hessens. Von mir zu Hause aus prima zu Fuß erreichbar. Eigentlich wären es auf der direkten Strecke hin und zurück  jeweils ca. 12,5km, auf die sich die ca. 600 Höhenmeter verteilen. Eigentlich. An diesem Tag aber nicht: eine kleine Gruppe Läuferinnen und Läufer meines Vereins hatte sich vorgenommen, von Kelkheim aus auf den Feldberg zu laufen. Das sind zwar auch insgesamt ca. 25km, aber der Start liegt ca. 8km von meinem Wohnort entfernt und ich war zu faul, mit dem Auto nach Kelkheim zu fahren.

Gestartet wurde Am Reis, das ist ein Sportgelände mit Fußball- und Tennisplätzen und ein beliebter Treff für Taunusläufer. Von hier aus nach Mainz geht auch der bekannte ArQue-Lauf zugunsten von Menschen mit angeborener Querschnittslähmung.

Bevor es Am Reis gegen 09:00 Uhr losging, bin ich also gegen 08:15 Uhr von meinem Wohnort Schwalbach dorthin gelaufen. Ein wenig warm machen kann ja nicht schaden und die 8km sollten dafür ausreichen.

Kurz nach 09:00 Uhr starteten wir dann mit 8 Personen. Ein weiterer Läufer schloss sich auf dem ersten km noch an, und so trabten wir zu neunt in gemütlichem Tempo bergauf. Für einen Barfuß-Lauf wären zwar die Temperaturen geeignet gewesen, nicht aber der Untergrund: meist steinige Waldwege mit zwischen 5mm und 5cm großen Steinen, die so verteilt waren, dass man mit jedem Schritt welche erwischt. Also: Schuhe tragen. Um dabei nicht zu verweichlichen, hatte ich meine SoleRunners mit 1,5mm dünner Sohle angezogen, damit die Füße ordentlich arbeiten können. Regen gabs nicht, aber leichten Nebel.

Trails beim Aufstieg

aufstiegNach ca. dem halben Aufstieg wechselten wir von den Waldwegen auf richtige Trails, die über kleine Pfützen und große Wurzeln den Berg hinauf führten. Streckenweise ähnelte die Bewegung unserer Beine eher dem Zickzackstich einer Nähmaschine als einem klassischen Lauf.

Das Ziel – das Plateau des Großen Feldberg – erreichten wir nach 1:26. Wenn ich meinen Vorlauf noch dazu zähle, hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits 2:09 auf der Uhr.

Der Gipfel: voller Leute

gipfelZu unserer Überraschung war der Gipfel voller Leute: ungezählte Motorradfahrer, die wohl gehofft hatten, die Sonne am höchten Punkt sehen zu können. Wie man auf dem Selfie mit mir und Gruppe, Gipfelkreuz und Turm sieht, war es auch hier oben noch neblig. Außerdem waren da viele Oldtimer mit ihren Besitzern, die an diesem Tag eine Ausfahrt machten. Wir haben dann noch schnell ein paar Fotos gemacht und uns von jenen Läufern unserer Gruppe verabschiedet, die von ihren Partnern mit dem Auto abgeholt wurden. Und dann gings ohne größere Verzögerung zu sechst wieder runter, um nicht zu sehr auszukühlen.

Take the Long Way Home

Bergab liefen wir dann keine Trails mehr, sondern die klassischen steinigen Waldwege, und kamen nach 1:16 (für die anderen gesamt 2:42, für mich 3:25) wieder am Reis an. Das lange Bergablaufen bringt leider ganz andere Muskelbelastungen mit sich als das Laufen in der Ebene, und so ist es dann bergab auch ein wenig anstrengend, wenn man andauernd bremsen und dämpfen muss.

Am Reis gab es dann die große Verabschiedung und das Angebot, mich im Auto nach Hause mitzunehmen. Nein, dachte ich, wenn ich jetzt noch die 8km nach Hause dranhänge, wird es von der Streckenlänge her ein Marathon. Und genauso haben sich diese letzten 8km auch angefühlt. Schließlich kam ich nach einer Gesamtzeit von 4:09 wieder daheim an und war ganz gut erledigt.

Das Nachmalen der Strecke auf einer Karte ergab eine Gesamtstrecke von ca. 42,5km, also etwas mehr als ein Marathon. Was das ganze aber auf den letzten Metern so anstrengend machte, war das lange Trailstück beim Aufstieg und das Bremsen beim Runterlaufen.

So kam es dann, dass ich doch einen leichten Muskelkater habe, den ich am 25.12. mit Laufpause und tags drauf wieder mit einer regenerativ gelaufenen 15km-Einheit gepflegt habe. Dem Weihnachtsbergmarathon 2015 werde ich aber in meinem Gedächtnis einen großen, warmen Extraplatz geben.