Wieder auf freiem Fuß

19. Dezember 2014. Morgens um sechs haben wir bereits 11 Grad Celsius. Es fällt schwer, dabei nicht an Klimawandel zu denken. Es fällt aber noch viel schwerer, dabei nicht ans Laufen ohne Schuhe zu denken. Ich jedenfalls habe es nicht geschafft…

Gedacht, getan: 3/4 Tight angezogen, damit schon die Waden die warme Luft abkriegen, die ersten 100m zu Fuß gegangen, und dann langsam losgetrabt.

Kam mir schon so vor, als wäre die Luft doch deutlich wärmer als der Boden, das kann aber auch an der Nässe liegen, die nach den langen Regenfällen der letzten Tage noch auf den Wegen liegt wie Blei. Richtig kalte Füße hab ich trotzdem nicht bekommen, auch nicht, als ich immer wieder durch die nassen Wiesen seitlich der Feldwege gelaufen bin, um das ultimativ weiche Laufgefühl zu kriegen (und mich zu erden).

Nach etwa 2 km war der Flow da: die Füße fühlten sich ganz weich und beweglich an, und anstrengend war es sowieso nicht, weil ich von Anfang an nur durch die Nase atmete und deshalb auch nicht arg schnell lief.

Wenn es nicht so schön gewesen wäre, hätte ich sicher die letzten Tage mit Huaraches und Sole Runners bedauert oder mich geärgert, dass wahrscheinlich doch noch etliche kalte Tage kommen werden, bis die Barfuß-Saison endlich wieder beginnt. Nein, an sowas konnte und wollte ich heute nicht denken.

Nach ca. 16km kam ich wieder zu Hause an, zwar mit halb getrocknetem Schlamm zwischen den Zehen, aber überglücklich über diese vorgezogene Weihnachtsamnestie: endlich wieder auf freiem Fuß.