Wieder barfuß – jippiiieh!

Ein Winter mit 15 Grad (plus!) im Januar. In Deutschland – Hessen – Vordertaunus. Ich treibe zwar schon seit über einem halben Jahrhundert mein Unwesen auf dem Planeten, aber an sowas kann und will ich mich nicht erinnern.

Ein Januar mit trockener Kälte und alles unter einer friedlichen, weißen, schützenden Schneedecke wäre mir am liebsten. Aber was bleibt mir übrig? Ich nehme es wie es kommt und freue mich über einen geschenkten Barfuß-Lauftag.

Seit dem 19.12.2014 war ich nicht mehr barfuß unterwegs. Klar, zu Hause mach‘ ich nix anderes, aber im Wald oder auf Feldwegen, das hatte jetzt erst mal Pause.

Heute – mit Blick auf das Thermometer – gabs kein Halten mehr. Und natürlich gings nicht auf die glatten Feldwege, sondern gleich richtig: ab in den Wald!

Bis dahin sind es ca. 800m, auf denen vom letzten Schneefall noch Gestreutes liegt. Glücklicherweise kein Salz mehr (das hat ein gütiger Regen in die Botanik gespült), aber kleiner, zum Teil scharfkantiger Splitt. War aber zu ertragen und eine gute Vorbereitung auf den Wald, in dem ich schon lange nicht mehr barfuß war. In der Marathonvorbereitung hatte ich mich ja eher an die langen, glatten, ebenen Feld-, Warenwirtschafts- und Flussuferwege gehalten.

Jetzt erreiche ich meinen Wald, bin schon ein bisschen aufgewärmt, mache noch ein wenig Zehengymnastik und dann gehts endlich los. Der Waldweg ist heute ein ständig wechselnder Mix aus nasskaltem Belag aus Erde und zermahlenen Blättern, kleinen und größeren Schottersteinen, deren Kanten oft gut spürbar nach oben stehen und weichem, nachgebendem Waldboden (leider der kleinste Anteil). Nach ca. 1,5 km stoppt die Nässe-bedingte Fuß-Abkühlung, Die Sohlen sind jetzt zwar kalt, haben aber noch ausreichend Sensorik, um gut auf Steine reagieren zu können. Ich laufe nicht schnell, aber mit gestrecktem Körper. Ich freue mich, dass ich nicht mehr – wie am Anfang der letzten Saison – gezwungen bin, den Druck der Steine auf die Sohle durch weiches Abfedern mit dem ganzen Körper reduzieren zu müssen, sondern nur etwas weicher in die Knie gehen muss,  und schon ist der Boden nicht mehr unangenehm. Die Greifbewegung mit den Zehen beim Erstkontakt mit dem Boden hilft sehr, und die Arme können sich locker auf das Rhythmus-Machen konzentrieren. Auf einem nicht ganz so nassen Teilstück werden die Füße sogar wieder wärmer, und das ganze beginnt, richtig Spaß zu machen.

Die letzten 3 der 5 km meiner Waldrunde fühle ich mich wieder pudelwohl, so als wäre alles Laufen seit dem letzten Barfuß-Tag falsch gewesen. Ich fange an, den Wetterkapriolen dankbar zu sein und genieße eine Sanftheit des Laufens, die man in Schuhen jedweder Art unmöglich erreichen kann, ich jedenfalls nicht. Deshalb laufe ich ja – so oft es möglich ist – ohne Schuhe.

Am Ende der Runde muss ich mich davon abhalten, einen weiteren Durchgang dranzuhängen, obwohl die Versuchung wirklich groß ist. Aus vielen Erfahrungen habe ich gelernt, dass man bei Umstellungen nicht gleich in die Vollen gehen sollte. Und der Wald mit seinen vielen Steinen will langsam erobert werden.

Das nächste Mal kommt bestimmt.