Zeit(für)Umstellung

Ende der Winterzeit: mit einem Schlag erscheinen die Tage wieder länger, die zunehmende Sonnenbestrahlung macht gute Laune und alle haben wieder mehr Lust auf „draußen“. Natürlich auch wir Läufer. Ganz besonders aber wir Barfuß-Läufer.

Auch wenn wir dieses Jahr keinen harten Winter hatten, so gab es doch oft Temperaturen nahe am Nullpunkt. Für mich als Barfußläufer, dessen Füße noch nicht eisfest sind, bedeutet das: Fußbekleidung tragen. Und das macht mir natürlich viel viel weniger Spaß als der Genuss völliger Freiheit für die Füße.

Die Umstellung auf die Sommerzeit markiert für mich einen Punkt, ab dem ich der Versuchung, ohne Schuhe auch bei derzeit noch niedrigen Temperaturen zu laufen, nicht mehr widerstehen möchte. Notfalls warte ich ab, bis die Sonne die dünne Oberflächenschicht des Bodens erwärmt hat und laufe dann.

Heute, am Morgen nach der Zeitumstellung, habe ich einen kleinen Härtetest vorgenommen, wie gut meine Füße die Winterzeit überstanden haben. Eine Strecke von ca. 15km, überwiegend Feldwege und Bürgersteige und auch mal Straßen, wo die Bürgersteige in Folge einer ungebremsten Bautätigkeit aufgerissen wurden. Der Boden fühlte sich bei Lufttemperaturen um 10 Grad noch recht kalt an und er war nass. Mit Ausnahme der kurzen trockenen Stellen in Unterführungen (genial: der dort gut sichtbare feuchte Fußabdruck zeigt, wie gleichmäßig man aufsetzt und sich abdrückt) hatte ich permanenten Wasserkontakt.

Trotz des Kälte bedingt nachlassenden Gefühls in der Sohle war es wieder das gleiche Vergnügen wie immer. Ein sensationell weiches, federndes Laufgefühl mit ganz wenig Impact und Gelenkbelastung. Ich musste an Laufkollegen von mir denken, die seit langem schon mit Achillessehnenproblemen kämpfen. Wie gerne würde ich sie mal in meinen Körper schlüpfen lassen, damit auch sie – wenigstens für ein paar Minuten – diese sehr angenehme Geschmeidigkeit spüren, die entsteht, wenn man die Bewegung nicht mit Fremdkörpern an den Füßen stört.

Nach ca. 80 Minuten kam ich wieder zu Hause an. Mit kalten Sohlen und warmer Fußoberseite stand ich auf dem Fußabstreifer und putzte mir die Füße ab. Ganz ohne Blessuren bin ich dann doch nicht davon gekommen: eine kleine Blase am linken Zeigezeh (klar: ich greife jetzt mehr mit den Zehen als im letzten Jahr) hatte ich dank der Bodenkälte nicht entstehen gefühlt. Jetzt wird sie mich wohl die nächsten 2-3 Tage nerven und daran erinnern, dass ich trotz der langen Barfuß-Saison 2014 nicht unverwundbar bin, sondern – genau so, wie ich das anderen immer empfehle – Häufigkeit, Umfang und Intensität nur langsam steigern sollte. Die Schuhe werde ich aber ab jetzt wieder – wann immer es geht – zu Hause lassen.